Revision der europäischen Zahlungsinfrastruktur [DE]

money_earth.jpg

Die Errichtung eines Europäischen Zahlungsverkehrsraums (SEPA; Single Euro Payments Area) soll die Zahlungsinfrastruktur der Eurozone überprüfen, indem ein grenzüberschreitendes Netzwerk geschaffen wird, das Bankdienste so einfach gestalten soll, wie dies auf nationaler Ebene der Fall ist – Unsicherheiten über die Einführung des neuen Systems bleiben jedoch bestehen.

Hintergrund

Die derzeitige Zahlungsinfrastruktur der EU ist, um den nationalen Bedingungen gerecht zu werden,  in jedem Mitgliedstaat individuell entwickelt worden und basiert auf den nationalen Währungssystemen. Bis heute hatte jeder Mitgliedstaat sein eigenes Banksystem, das nach seinen eigenen Regelungen und mit seinen eigenen Technologien arbeitete. Daher bleibt die derzeitige Zahlungsinfrastruktur stark fragmentiert, gemäß den jeweiligen nationalen Leitlinien. Mit der Einführung der gemeinsamen Währung und aufgrund der Tatsache, dass der Handel in der EU zunehmend integriert ist, hat sich die Herausforderung der Einführung einer neuen EU-weiten Infrastruktur entwickelt.

Die Kommission beabsichtigt, die nationalen Unterschiede, die im Bereich Informationstechnologie bestehen, ebenso wie Handelsabkommen, die von Zahlungssystemen verwendet werden, zu beseitigen. Sie versucht, dies durch die Schaffung eines EU-weiten technologischen Standards und eines entsprechenden Systems für technische und kommerzielle Zusammenarbeit zu erreichen, was es ermöglichen würde, dass europäische Zahlungen in nicht mehr als einem Tag bearbeitet werden würden.

Während alle 27 EU-Mitgliedstaaten verpflichtet sind, den Rechtsrahmen umzusetzen, treffen die neuen Regelungen nur für Euro-Zahlungen zu; es wird den Mitgliedstaaten, die den Euro noch nicht eingeführt haben, überlassen, zu entscheiden, ob sie das neue System für inländische Zahlungen annehmen wollen.

Probleme

Der Europäische Zahlungsverkehrsraum (SEPA) verlangt die Beseitigung rechtlicher, gewerblicher und technischer Hindernisse innerhalb der Märkte der Euro-Zone und zielt darauf ab, grenzüberschreitende Zahlungen einfach und günstig zu gestalten. Die rechtlichen Schranken werden in der Richtlinie über Zahlungsdienste (Payment Services Directive, PSD) behandelt. Um eine gemeinsame Infrastruktur und gemeinsame Standards innerhalb der Eurozone zu entwickeln, wurde im Juni 2002 von den europäischen Banken- und Kreditverbänden der Europäische Zahlungsverkehrsausschuss (European Payments Council; EPC) errichtet.

  • Neues Regelwerk: Der Europäische Zahlungsverkehrsausschuss hat so genannte „Scheme Rulebooks“ entwickelt, eine Reihe von Regeln und Standards für die neue SEPA-Überweisung, SEPA-Lastschrift und SEPA-Kartenzahlung.
    • SEPA-Überweisung (SEPA Credit Transfer; SCT): Dieses System zielt darauf ab, es Anbietern zu ermöglichen, Zahlungsdienste für eine einfache Überweisung im gesamten Euro-Zahlungsverkehrsraum anzubieten. SCT sieht eine maximale Ausführungszeit von drei Tagen von jedem beliebigen Ort des SEPA aus vor, auch wenn man davon ausgeht, dass die meisten Zahlungen schneller ankommen, als dies heute der Fall ist.
    • SEPA-Lastschrift (SEPA Direct Debit; SDD): Die SDD ermöglicht ebenfalls einfache Zahlungsdienste im gesamten SEPA, wobei einmalige und mehrmalige Zahlungen im Auftrag der Kreditgeber bei Kreditnehmern gesammelt werden.
    • Rahmenwerk für den Kartenzahlungsverkehr (SEPA Cards Framework; SCF): Das SCF soll einen Orientierungsrahmen für Banken, Kartensysteme und andere Akteure darstellen, um den Weg für die Schaffung eines SEPA für Karten zu eben. SEPA-Kartenstandards werden bis spätestens Ende 2008 definiert werden. Experten erwarten eine Revision der nationalen Systeme für Debitkarten, welche die Visa oder MasterCard für grenzüberschreitende Zusammenarbeitsfähigkeit nutzen.

Sowohl für SCT als auch für SDD gibt es eine ‚Erneuerungsstrategie’, was bedeutet, das die alten Systeme allmählich auslaufen werden. Für das Kartengeschäft wird es allerdings aufgrund seiner komplexen Natur stattdessen ein ‚Angleichungsprogramm’ für bereits bestehende Systeme und Betreiber geben, das es ihnen ermöglichen wird, eine Reihe von neuen geschäftlichen und technischen Standards und Prozessen anzunehmen.

Aufgrund der späten Umstellung der Richtlinie über Zahlungsdienste werden die SEPA-Lastschriften erst nach dem 1. November 2009 sowie die SEPA-Überweisungen und das Rahmenwerk für den Kartenzahlungsverkehr ab Januar 2008 zur Verfügung stehen.

  • Investitionskosten

Die Kommission nimmt an, dass die Errichtung des Euro-Zahlungssystems zu möglichen Ersparnissen in Höhe von 50 bis 100 Milliarden Euro führen werde. Banken sind jedoch mit der Notwendigkeit konfrontiert, enorme Investitionen zu tätigen, um die SEPA-Bedingungen erfüllen zu können. Organisationen für Zahlungsbearbeitungen werden ebenfalls ihre Systeme aufpolieren müssen, um die neuen grenzüberschreitenden Zahlungsstandards zu erfüllen.

Banken und Bearbeitern wird es nicht möglich sein, zusätzliche Gebühren für grenzüberschreitende Transaktionen zu erheben, da Preise mit nationalen Transaktionskosten in Einklang gebracht werden. Dies bedeutet, dass diese Organisationen einen beträchtlichen Rückgang ihrer Gewinne erfahren werden, zusätzlich zu den neuen Investitionen.

  • Wettbewerb und Konsolidierung

Für Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen ist eine klare Trennung des Systems (die Regelungen, auf die sich Anbieter von Zahlungsdiensten geeinigt haben) und der Infrastruktur (Liefersysteme und Bearbeitungsplattformen) vorgesehen, um erhöhten Wettbewerb unter den Bearbeitern der Branche zu ermöglichen.

Im Hinblick auf Wettbewerbsfragen in der Branche der Zahlungsnetzwerke hat die Kommission ihre Haltung unterstrichen, dass die Branche die gemeinsamen Standards erfüllen und die Infrastruktur verfügbar machen, sowie die Preisbildung transparent und kostenbasiert halten müsse. Von der Öffnung der Märkte für den Wettbewerb wird erwartet, dass sie einen Zusammenschluss der Infrastrukturen herbeiführen werde, der von Kostenersparnissen durch Massenproduktion profitieren kann.

  • Umstellung auf das System

Das europäische Bankgewerbe beabsichtigt, SEPA und nationale Zahlungsinstrumente gemeinsam ab 2008 anzubieten. Die vollständige Umstellung auf das neue System soll bis 2010 erreicht werden. Es wird erwartet, dass bis dahin eine bestimmte, kritische Anzahl an Nutzern der europäischen Zahlungen die neuen SEPA-Methoden verwenden werden. Die Bankenindustrie ist jedoch der Meinung, dass es schwierig sein wird, die Frist 2010 zu erreichen, solange der öffentliche Sektor, der einen Großteil der gesamten Verwendung der Zahlungsdienste ausmacht, nicht die neuen SEPA-Methoden einführt. 

Laut des fünften SEPA-Fortschrittsberichts der Europäischen Zentralbank (EZB) könnte die Umstellung des nationalen Zahlungsverkehrs auf die SEPA-Formate ‚problematisch’ werden.

  • Kosten des Barzahlens

Das neue SEPA-System lässt die Rolle und die Einbeziehung des Bargelds weitgehend außen vor. Bargeld wird weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Laut Professor Paul De Grauwe von der Universität Leuven seien die Kosten, die durch das Barzahlen verursacht werden, ein Vielfaches der Kosten, die Kartenzahlungen hervorrufen. Dies ist jedoch nicht leicht erkennbar und Verbraucher sind sich der Kosten des Barzahlens nicht bewusst.

Positionen

Der Kommissar für den Binnenmarkt, Charlie McCreevy, hat am 18. September 2007 die Banken dazu aufgefordert, mehr im Hinblick auf SEPA zu tun. Er sagte, die Banken hätten bereits viel erreicht, fügte jedoch hinzu, dass mehr geleistet werden müsse, wenn SEPA das Zahlungssystem von Weltklasse werden solle, das die europäischen Bürger und Unternehmen verdienten. Öffentliche Dienste, die fast 50% des BIP der EU ausmachten, so McCreevy, könnten und sollten eine gewichtige Rolle spielen, um die Umstellung auf das neue Zahlungssystem in Gang zu bringen.

Der World Payments Report 2007 erklärt, dass eine beträchtliche Nutzung der SEPA-Zahlungsinstrumente vermutlich nicht bis Ende 2011 erreicht werde, solange die Regulierungsbehörden nicht Anreize schafften, um die europäischen öffentlichen Verwaltungen und Kooperationen zu mobilisieren, die neuen SEPA-Instrumente anzunehmen.

Gerard Hartsink, der Vorsitzende des Europäischen Zahlungsverkehrsausschusses (EPC), sagte, dass die Banken im Jahr 2007 die Bereitstellung der SEPA-Zahlungsdienste ab Januar 2008 vorbereiten müssten, und auch ihre Kunden über die neuen Zahlungsdienste informieren müssten. Er fügte hinzu, Banken müssten, gemeinsam mit den nationalen Zentralbanken, Finanzministerien und nationalen Verbraucherorganisationen, an den nationalen Umsetzungsorganisationen teilhaben.

Gertrude Tumpel-Gugerell, Mitglied der Geschäftsführung der Europäischen Zentralbank (EZB), sagte am 3. September 2007, dass die Bemühungen kurzfristig verstärkt werden müssten, um Probleme zu überwinden, die die fristgerechte Umsetzung des SEPA-Systems im Januar 2008 behindern könnten. Sie kritisierte den EPC für seine Schwierigkeiten, über den kleinsten gemeinsamen Nenner hinaus Fortschritte zu erzielen.

Nach der Annahme der Richtlinie über Zahlungsdienste im April 2007 hatte Chris de Noose, der Vorsitzende der Europäischen Sparkassenvereinigung (ESBG), gewarnt, dass die Richtlinie allein keinen SEPA schaffen werde. Vieles liege an der Umstellung und man wolle Taten sehen, dass andere Stakeholder – wie öffentliche Behörden – sich verpflichteten, die SEPA-Zahlungsinstrumente zu verwenden.

Norbert Bielefeld der Europäischen Sparkassenvereinigung (ESBG)  erklärte, dass die öffentlichen Verwaltungen, welche die Zahlungsdienste in beträchtlichem Umfang nutzten, keine gemeinsame Vorstellung bezüglich der zukünftigen EU-Zahlungsdienste geäußert hätten. Er zeigte sich besorgt, dass dies der Umstellung auf das neue System im Weg stehen könnte.

Die europäische Verbraucherorganisation BEUC sagte, dass die Einführung des SEPA eine gute Nachricht für Verbraucher sei, da es darauf abziele, preiswerte, sichere und praktische nationale und grenzüberschreitende Zahlungen zu ermöglichen., sowie des Weiteren, dass grenzüberschreitende Zahlungen per Kreditkarte, Debitkarte oder Überweisung ebenso effizient würden wie nationale Zahlungen.

Eine Umfrage von VicaLink hat ergeben, dass es noch immer ein Problem für Banken darstelle, SEPA umzusetzen. Die unter Banken durchgeführte Umfrage hat gezeigt, dass die Hälfte der Befragten der Meinung sind, dass es unmöglich sei, die Frist von Januar 2008 einzuhalten. 81% glauben, dass ihre Kunden ihre Zahlungen bis 2010 oder darüber hinaus nicht mithilfe der SEPA-Systeme durchführen werden. Martin Wilson, der Vorsitzende der Marketing-Abteilung bei VocaLinks sagte, es sei bedenklich, dass viele europäische Banken keine Lösung parat hätten, wie sie die Umsetzung erreichen könnten, da die Einhaltung des SEPA kurz bevor stehe.

Zeitstrahl

  • Ende 2007: Die Kommission soll eine unabhängige Folgenstudie zu SEPA vorlegen. 
  • Bis 2008: Banken und ähnliche Institutionen müssen grenzüberschreitende Systeme, Rechtsrahmen und Standards einführen. 
  • Bis Dezember 2010: Endgültige Frist für SEPA, bis zu der alle Produkte, die nicht unter SEPA fallen, vom Markt genommen werden müssen.

Weitere Informationen

Subscribe to our newsletters

Subscribe