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Die Zahlungsdiensterichtlinie: Auf dem Weg in eine bargeldlose Zukunft? [DE]

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Europa befindet sich seit 2007 an der Schwelle zu einer Revolution im Zahlungsverkehr, als es ein einheitliches Regelsystem für gleiche Standards und Verpflichtungen in den 30 EU/EWR-Mitgliedern und der Schweiz festlegte. Doch die Richtlinie über Zahlungsdienste und ein freiwilliges Zahlungssystem, der Europäische Zahlungsverkehrsraum, wurden von Industrie und Mitgliedstaaten mit Zurückhaltung aufgenommen, während Banken die beiden Initiativen nur langsam umsetzen.

Hintergrund

Ende 2005 startete  Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy eine Gesetzesinitiative, um Hürden im europäischen Zahlungsmarkt zu beseitigen. 

Nach monatelangen heftigen Debatten wurde die Richtlinie über Zahlungsdienste (PSD) schließlich im März 2007 vom Ministerrat angenommen. Dabei stellten sich Großbritannien und Schweden im Streit gegen den Mittelmeerblock aus Frankreich, Italien und Spanien. Erstere traten für lockere Vorschriften für nicht aus dem Bankensektor stammende Dienstleister ein, während Letztere sich für striktere Regeln besonders hinsichtlich der Gewährung von Krediten stark machten.  

Der gefundene Kompromiss verpflichtet nicht-konventionelle Anbieter, grenzübergreifende Kredite auf 12 Monate zu beschränken, während innerhalb nationaler Grenzen keine zeitlichen Begrenzungen gelten sollen (EURACTIV vom 28. März 2007). 

Einen Monat später gab schließlich das Europaparlament seine Zustimmung  zur PSD, gefolgt von der Veröffentlichung  im offiziellen Amtsblatt der EU am 13. November 2007 (EURACTIV vom 25. April 2007). Die neuen Regeln sollten bis November 2009 in Kraft treten, sobald alle 27 Mitgliedstaaten die Richtlinie in nationales Recht umgesetzt haben.

Bislang haben elf der 31 beteiligten Staaten – die 30 Staaten der EU und des EWR (Island, Liechtenstein und Norwegen) sowie die Schweiz – die erste Frist für die Umsetzung der PSD verpasst. Sie wollen jedoch die Richtlinie vor Sommer 2010 in nationales Recht umwandeln.

Die PSD wird häufig in einem Atemzug mit der Entstehung eines einheitlichen europäischen Zahlungsverkehrsraums (SEPA) genannt, obwohl die beiden eigentlich unterschiedlich sind, da SEPA als freiwillige Initiative des europäischen Banksektors begann. Die Industrie errichtete ein Konsortium, den Europäischen Zahlungsrat, um die Arbeitsweise von SEPA festzulegen.

Der Hauptunterschied zwischen der PSD und SEPA besteht darin, dass die PSD für die 30 EU/EWR-Länder (darunter Island, Liechtenstein und Norwegen) sowie für die Schweiz gilt, während SEPA lediglich für Euro-Zahlungen in der 16 Mitglieder umfassenden Eurozone Anwendung findet. Ohne die PSD hätte SEPA jedoch keine rechtliche Grundlage.

Probleme

Die Richtlinie über Zahlungsdienste (PSD) hat die Schaffung eines wirklichen europäischen Markts für Zahlungen zum Ziel, der im Idealfall zu einer Senkung der Kosten im Zahlungsverkehr sowohl für Verbraucher als auch für Zahlungsinstitute führen würde.

Aus Verbrauchersicht würden Zahlungen effizienter werden. Dagegen wären Banken in der Lage, eine größere Menge an Zahlungen durchzuführen.

Obwohl sowohl die Industrie als auch Verbrauchergruppen die Richtlinie größtenteils unterstützten, sind Erstere darüber besorgt, dass sie ihre Erträge nicht so einfach wie erwartet realisieren werden, während Letztere darüber besorgt sind, dass die neuen EU-Zahlungsregeln den Markt verstärkt für Betrugsmöglichkeiten öffnen werden.

Die erste Frist für die Umsetzung der PSD war Ende 2010. Jedoch haben 11 Länder – Belgien, Zypern, Estland, Griechenland, Spanien, Finnland, Italien, Malta, Norwegen, Polen und Schweden – mehr Zeit verlangt.

Als Gründe für diese Verzögerung wurden Wahlen, die notwendige parlamentarische Zustimmung, steigende Haushaltsdefizite und in einigen Fällen die Notwendigkeit weiterer nationaler Gesetzgebung genannt. 

Die Richtlinie ist ebenfalls für die Schaffung von SEPA wesentlich, welches in der ganzen EU die gleichen Verfahren und Verpflichtungen für Überweisungen, Abbuchungen und Zahlungskarten einführen soll (um mehr über den Unterschied zwischen SEPA und der PSD zu erfahren, siehe EURACTIV vom 24. Juli 2008).

Sechs Länder haben die Frist im November 2009 zur Einführung von SEPA verpasst: Estland, Griechenland, Lettland, Polen, Finnland und Schweden.

Der künftige EU-Binnenmarktskommissar Michel Barnier kündigte an, er werde eine Frist für die Umstellung der Banken auf SEPA festlegen, wenn er im Februar sein Amt antritt.

Ein europäischer Zahlungsmarkt 

Die wichtigste Zielsetzung der Richtlinie besteht in der Beseitigung rechtlicher und technischer Hindernisse, die der Schaffung eines einheitlichen Binnenmarkts für Zahlungsdienste bislang im Weg standen. 

Politische Entscheidungsträger haben beeindruckende Vorhersagen über die Einsparungen gemacht, die mit der PSD und SEPA erzielt werden können. Die Europäische Kommission schätzt zum Beispiel, dass jährlich 122 Milliarden Euro eingespart werden könnten. Die größte Einsparung von 100 Millionen Euro wird ihren Schätzungen zufolge auf die elektronische Rechnungsstellung zurückzuführen sein.

Eine etwas konservativere Einschätzung der Beratungsfirma Capgemini schätzt, dass die Einsparungen bei 123 Milliarden Euro über einen Zeitraum von sechs Jahren liegen könnten. Angesichts der Verzögerungen bei der Umsetzung der Richtlinie könnte diese Schätzung realistischer sein.

Mit Umsetzung der neuen Regeln und Inkrafttreten der Einigung zu SEPA könnten europäische Verbraucher und Unternehmen mit einem einzigen Bankkonto Zahlungen in jedem der 31 EU/EWR-Länder mit derselben Geschwindigkeit und denselben Kosten ausführen, unabhängig vom Land, in dem sie sitzen.

Nichtkonventionelle Anbieter

Ein weiterer Vorteil der Richtlinie ist, dass Zahlungen nicht von einem Konto bei einer bestimmten Bank abhängig sind, sondern durch eine Reihe neuer Kanäle verwaltet werden können, so zum Beispiel Versorgungsunternehmen oder Mobilfunkanbieter, die laut Richtlinie ebenfalls als Zahlungsinstitute fungieren können.

Der Geschäftsumfang ist für diese Zahlungsinstitute begrenzter als für Banken und so müssen sie zur Bestürzung der Banken deutlich weniger strenge Regeln bezüglich Überwachungs-, Anwendungs- und Genehmigungsverfahren sowie Kapitalauflagen erfüllen.

Schnelles Geld

Theoretisch muss die Ausführungszeit für Zahlungen laut PSD bei einem Arbeitstag liegen. Angesichts der ungewissen Annahme der neuen EU-Zahlungsregeln zögern die Banken jedoch, sich dieser Anforderung zu unterwerfen. Die Kommission hat daher bis 2012 drei Arbeitstage zugelassen.

Wenn alles nach Plan verläuft, wird der Kunde verlangen können, dass ihm die auf seinem Konto eingegangenen Summen ab Ende des Arbeitstags nach dem Ausführungsdatum der Zahlung zur Verfügung stehen – die so genannte ‚D+1’-Regel. Derzeit dürfen Banken bis zu fünf Tage für eine Zahlung benötigen.

Eine weitere deutliche Verbesserung der PSD ist die Einführung der Möglichkeit, alle Debit-Karten EU-weit nutzen zu können. Debit-Karten werden von Verbrauchern vermehrt benutzt, weil sie weithin akzeptiert werden und eine einfachere und schnellere Verwaltung von Zahlungen ermöglichen. Sie sind vor allem für kleinere Einkäufe vorteilhaft, bei denen Händler oftmals keine Kreditkarten akzeptieren.

Jedoch gibt es Befürchtungen, dass sich der Markt für Zahlungskarten zu einem Duopol entwickeln wird, da nationale Kartensysteme bereits angesichts der Vorherrschaft von Akteuren wie Visa und Mastercard an Boden verloren haben.

Banken, die Karten ausgeben, könnten ebenfalls die Ausgabe von Kreditkarten bevorzugen, weil sie von Händlern, die solche Kartenzahlungen von ihren Kunden akzeptieren, höhere Gebühren verlangen können.

Altes Geld und elektronisches Geld

Allgemein erwartet die Europäische Kommission, dass ein höherer Wettbewerb bei den Zahlungsdiensten zunehmend dazu führen wird, dass die Verbraucher elektronische Mittel (Plastikkarten, Chipkarten oder Handys) für ihre Einkäufe nutzen werden, und das Bargeld damit deutlich an Bedeutung verlieren wird.

So schätzt die Kommission, dass sich die mit Zahlungen verbundenen Kosten auf etwa 3% des BIP belaufen und vor allem mit Bargeldgeschäften zu tun haben. Die Abschaffung von Münzen und Scheinen würde ihr zufolge „gigantische“ Einsparungen für die EU-Volkswirtschaft bedeuten.

Bargeld ist teuer, weil es höhere Herstellungskosten hat und weniger sicher ist. Das Stehlen tatsächlich vorhandenen Geldes ist einfacher als das Stehlen elektronischer Werte, so das Argument.

So sagt die Kommission, dass die Kosten einer Bargeldtransaktion zwischen 30 und 55 Cent liegen, was von den Einzelhändlern bereits innerhalb des Produktpreises einberechnet wird. Elektronische Zahlungen hingegen kosten ihren Schätzungen zufolge lediglich einige Cent.

Die Richtlinie über Zahlungsdienste deckt keine Zahlungen im Internet ab. Online-Zahlungen werden von der Richtlinie über elektronische Zahlungsinstrumente geregelt, die im Jahr 2000 angenommen wurde.

Nun da die PSD in Kraft ist, möchte die Kommission neue Vorschläge machen, um die Richtlinie über elektronische Zahlungsinstrumente abzuändern und sie in die PSD zu integrieren.

SEPA kommt nur langsam voran

Der Daseinsgrund für SEPA beruht auf der Logik der Skaleneffekte: je größer desto besser. Je mehr Händler, Einzelhändler und Verbraucher SEPA benutzen, desto mehr Zahlungsinstitute werden so bald wie möglich auf das neue System umstellen wollen (ebenso wie mehr Händler Visa-konforme Geräte und Systeme haben werden, je mehr die Menschen mit Visa zahlen wollen).

Die derzeit langsame Anlaufphase von SEPA liegt jedoch an großen Banken und Kreditkartenunternehmen, die weniger als kleinere oder mittelgroße Institute um Betriebskosten besorgt sind.

Der scheidende EU-Binnenmarktskommissar Charlie McCreevy traf den Nagel auf den Kopf, als er sagte, es stimme ihn traurig, dass SEPA oft nur als teures, politisch ausgedachtes, grenzüberschreitendes Zahlungssystem statt als einmalige Möglichkeit zur Modernisierung und Integration des gesamten Zahlungsmarkts gesehen werde.

„SEPA entwickelt sich nur langsam, es ist keine Kettenreaktion“, gab Elemer Tertak, Direktor für Finanzinstitute bei der Europäischen Kommission, bei einer Bankenveranstaltung im November 2009 zu.

In der Tat zeigen die jüngsten Zahlen, dass nur 2.600 der 8.000 europäischen Banken für die Einführung des SEPA-Abbuchungssystems am 2. November letzten Jahres vorbereitet waren.

Verbraucherorganisationen und Unternehmensvertreter haben die Kommission zu einer Überarbeitung von SEPA gedrängt, bevor es noch weiter umgesetzt wird. Aber sowohl Banken- als auch Verbraucherverbände zeigen sich ernstlich besorgt, dass SEPA zu mehr Betrug und ungerechten Kosten auf Zahlungen führen wird.

Im Juli 2009 gab ein Bündnis europäischer Unternehmens- und Verbraucherverbände eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie SEPA vorwarfen, auf zweierlei Weise versagt zu haben: bei der Sicherheit und bei der Preisgestaltung (EURACTIV vom 29. Oktober 2009).

BEUC argumentiert, dass seine Befürchtungen bisher auf taube Ohren gestoßen seien und es deswegen aus dem vom Europäischen Zahlungsrat angeführten Stakeholder-Forum zur Umsetzung von SEPA ausgetreten ist.

Neue Zahlungsmethoden

In Japan braucht man für das Einkaufen am Samstag nur noch ein Handy. Beim Kauf wird das Handy über ein Lesegerät geführt, das mit Chips oder Chipkarten im Handy interagiert und so die Zahlung ausführt und vom verbleibenden Guthaben abzieht.

In London ist das Zahlen mit Bargeld für eine U-Bahnkarte bereits altmodisch, da die große Mehrheit der Pendler Prepaid-Chipkarten (die so genannte Oyster-Card) für ihren Zugang zur U-Bahn nutzen.

Eine wachsende Zahl von Supermärkten weltweit teilt an ihre Kunden eigene Zahlungskarten aus, mit denen diese in ihren Läden einkaufen können. Diese sind oft wirkliche Kreditmittel, die zunehmend vom Durchschnittsverbraucher genutzt werden.

Geldüberweisungsstellen, die Einwanderern dabei helfen, Geld an ihre Verwandte in der Heimat zu schicken, bieten ihren Kunden immer öfter Zahlungsmöglichkeiten per Handy an. So benötigt das Überweisen von Geld ans andere Ende der Welt so viel Zeit und Aufwand wie das Verschicken einer SMS.

All diese Systeme sind schon seit Jahren in Kontinentaleuropa bekannt, sind aber noch weit davon entfernt, in großem Umfang angewendet zu werden.

Eines der Ziele der PSD ist die Beseitigung von Hindernissen für den Markteintritt neuer Dienstleister im Bereich der Zahlungsdienste wie etwa Telekommunikationsfirmen, Supermärkte oder Geldüberweisungsstellen. Ziel ist es, den Wettbewerb in den nationalen Märkten sowie grenzüberschreitende Aktivitäten zu stärken, die vom fehlenden klaren Rechtsrahmen am stärksten betroffen sind.

Jedoch stehen Banken damit möglicherweise vor starkem Wettbewerb von einer Vielzahl neuer Anbieter. Verbraucher könnten etwa die Nutzung ihrer Handys für Zahlungsarten bevorzugen, die derzeit noch von Banken verwaltet werden.

Andererseits argumentiert die Kommission, dass die Richtlinie ebenfalls Chancen für Banken bietet. So hätten Banken befürchtet, dass die Einführung von Online-Konten zu einer Schließung ihrer Geschäftsfilialen führen würde, wozu es jedoch niemals gekommen sei.

Kreditkartenunternehmen erkennen, dass eine verstärkte Verlagerung zu elektronischen Zahlungen für sie von Vorteil ist. In der Tat kündigte Visa im April 2009 das ehrgeizige Ziel an, bis 2015 in Europa jeden fünften Euro elektronisch zur Verfügung stellen zu wollen. Derzeit ist es nur jeder neunte.

Nachteilig könnten jedoch die Niederlande, Estland und Belgien betroffen sein, die derzeit in der EU bei elektronischen Zahlungen führend sind, sollten ihre Technologien durch Innovationen aufgrund des neuen rechtlichen Rahmens bald überholt sein.

Positionen

Nach der Annahme der PSD durch den EU-Rat sagte Binnenmarkt-Kommissar Charlie McCreevy: „Diese Richtlinie wird nicht nur das Zahlungssystem in der EU verbessern, sondern ebenfalls den Weg für konkrete Vorteile der Verbraucher aus der Integration der Finanzmärkte ebnen.”

Die belgischen Behörden begrüßten im Allgemeinen die neue Richtlinie, verwiesen jedoch auf die möglichen negativen Folgen für das nationale Proton-System, das Verbrauchern in Belgien bereits eine schnelle Bezahlung kleiner Beträge mit einer Prepaid-Karte ermöglicht. „Wir geben zu bedenken, dass Verbesserungen im grenzüberschreitenden Zahlungssystem keine negativen Auswirkungen für inländische Zahlungssysteme haben sollten. Dabei denken wir insbesondere an Preissteigerungen für inländische Zahlungen, an das Verschwinden bestimmter Zahlungsarten sowie an eine durch eine größtmögliche Harmonisierung herbeigeführte Absenkung des hohen Sicherheitsniveaus, das die Verbraucher derzeit in ihren eigenen Ländern genießen,“ erklärten die Behörden.

Die italienischen Behörden warnten davor, dass bargeldlose Zahlungen, insbesondere Zahlungen per Kreditkarte, auf dem Vormarsch seien und zunehmend Transaktionen in Verbindung mit dem öffentlichen Glücksspielsektor beträfen. „Jedoch kann die Einführung von Vorschriften zur Förderung der Entwicklung von Zahlungsdiensten im Binnenmarkt unerwünschte Auswirklungen auf den öffentlichen Glücksspielsektor und insbesondere auf Wetten haben“, fügten sie hinzu.

Die britischen Behörden konzentrierten sich hingegen auf einen marktfreundlichen Ansatz: „Die Stärkung des Wettbewerbs sollte ein Hauptziel des neuen Rechtsrahmens sein. Die Schaffung von Voraussetzungen, unter denen Anbieter von Zahlungsdiensten arbeiten und von unnötigen Vorschriften ungehindert wachsen können, ist von entscheidender Bedeutung.“

Die europäische Verbraucherschutzorganisation BEUC kommentierte: „Viele Verbraucher können nicht konkret vom einheitlichen europäischen Zahlungsraum profitieren. Es ist höchste Zeit, effiziente, jedoch ebenfalls sichere und bequeme Zahlungsarten einzuführen. Die Durchsetzung bestehender Rechtsvorschriften wird dafür nicht ausreichend sein: Verbindliche Instrumente, unterstützt von entsprechenden Sanktionen, sind notwendig.“

EuroCommerce, das den Einzel-, Groß- und internationalen Handel in Europa vertritt, begrüßte die PSD-Initiative: „Wir erwarten große Vorteile von einem gut funktionierenden Binnenmarkt für den Zahlungsverkehr“, erklärte der Verband. Nach der Annahme der Richtlinie sagte Generalsekretär Xavier Durieu: „Sie wird den recht verschlossenen Markt der Zahlungssysteme für den Wettbewerb öffnen und die Banken zu mehr Transparenz zwingen: Jeder europäischer Bürger und jedes Unternehmen wird davon profitieren.“

Euro Banking Association (EBA), ein Zusammenschluss der größten europäischen Banken, erklärte: „Zur Verwirklichung eines einheitlichen Europäischen Zahlungsverkehrsraums sollte sich der neue Rechtsrahmen für den Zahlungsverkehr im Binnenmarkt auf das Erfassen der Eigenschaften und Wirkungen häufig verwendeter Zahlungsmittel im einheitlichen Währungsraum konzentrieren. Die notwendigsten Bedürfnisse bestehen derzeit bei einer einheitlichen Definition und Regelung von Lastschriften.“

Nach der Verabschiedung der Richtlinie erklärte Guido Ravoet, Generalsekretär der European Banking Federation (EBF): „Den Banken wird nun endlich die rechtliche Grundlage gegeben, auf der sie den einheitlichen Europäischen Zahlungsraum vollständig entwickeln und umsetzen können.“

Die European Savings Banks Group (ESBGäußerte sich weniger freundlich zur PSD-Annahme: „Während die ESBG das Ende der Unsicherheit durch die anhaltende Debatte über den Richtlinienentwurf begrüßt, stellt die ESBG nichtsdestotrotz fest, dass frühere Bedenken weiterhin gelten.“ In einer Pressemitteilung betont die ESBG insbesondere: „Die Richtlinie schwächt das öffentliche Vertrauen in elektronische Zahlungssysteme, sie fördert das Prinzip der ‚unverschuldeten Haftung’: Alle Nutzer von Zahlungssystemen müssen die Konsequenzen vom sorglosen oder betrügerischen Verhalten Weniger tragen. Zudem erhöht sie Verpflichtungen und führt zu steigenden Kosten für die Anbieter von elektronischen Zahlungssystemen, während der Wegfall von Bargeld – der teuersten Zahlungsform für die Gesellschaft als Ganzes – aus dem Blickfeld gerät.“

Gegen das Argument, Bargeld sei teurer als elektronische Zahlungen, erklärte das European Security Transport Association (ESTA), das Geldtransport- und Bargelddienstleistungen vertritt: „Die Kosten von Bargeld (Seignorage nicht inbegriffen) wurden von mehreren Zentralbanken mit etwa 0,4 bis 0,6 % des BIP angegeben, was sehr viel geringer ist als die Verwendung von Karten. Wenn man tatsächlich Bargeld mit allen anderen Zahlungsmechanismen vergleicht, steht es konstant als effektivstes Zahlungsmittel in Europa dar.“ 

„Darüber hinaus ist ESTA der Auffassung, dass bei Betrachtung der relativen Kosten der verschiedenen Zahlungsmittel die entsprechende Höhe und Kosten von Betrugsfällen (am häufigsten bei Kartenzahlungen) berücksichtigt werden müssten. Dies würde zur Wiederherstellung der Wahrheit dienen, dass Bargeld nicht nur eines der günstigsten Zahlungsmittel, sondern auch eines der sichersten ist“, schloss die Erklärung.

Visa Europe erklärte: „Wir unterstützen das allgemeine Ziel eines neuen Rechtsrahmens und begrüßen die Überarbeitung der bestehenden Rechtsvorschriften in Hinblick auf die Gewährleistung von Konsistenz und zur Vermeidung von Überschneidungen. Dennoch ist Visa Europe gleichzeitig der Auffassung, dass weitere Verordnungen nur verwendet werden sollten, wenn dies als absolut notwendig erachtet und folglich ein bestimmter Bedarf festgestellt wird und zudem kein schwächeres Mittel zur Erreichung des gleichen Ziels wie etwa Selbstregulierung verfügbar ist.“

Peter Ayliffe, Präsident und Geschäftsführer von Visa Europe, machte keinen Hehl aus seiner teilweisen Enttäuschung nach der endgültigen Verabschiedung der Richtlinie: „Als überzeugter Anhänger der Vorteile, die ein echter Binnenmarkt für Zahlungen bringen könnte, hätte ich mir eine stärkere Harmonisierung gewünscht.“

Die Haltung  von Mastercard ist weniger versöhnlich: „Wir bezweifeln ernsthaft die Angemessenheit, alle Massenzahlungssysteme (Überweisungen, Lastschriften, Zahlungen mit Debit- und Kreditkarten, elektronische Geldbörse, Mikro-Zahlungen), mit derselben rechtlichen Rahmenbedingung abzudecken. Da jedes dieser Zahlungsmittel besondere Eigenschaften hat, erscheint es uns als nicht angemessen, sämtliche unter einem einheitlichen rechtlichen Rahmen zusammenzufassen“, erklärte das Unternehmen.

Der weltweit führende Anbieter von Finanztransfergeschäften Western Union erklärte: „Wenn Wettbewerbskräfte in Europa ermutigt und nicht erstickt werden sollen, wird eine andere Verordnung zur Unterstützung eines sicheren und effizienten Betriebs von Zahlungsdienstleistungsanbietern notwendig sein. Deshalb wäre die Einführung von bankenähnlichen Verordnungen unangemessen und teuer.“

Orange, die Mobilfunkmarke von France Telecom, forderte einen anderen Ansatz bei Mikro-Zahlungen, die am häufigsten über Mobiltelefone durchgeführt werden und bei denen das Risiko für Verbraucher als geringer gilt. Orange fügte hinzu: „Mobilfunkbetreiber bieten viele Premium-Dienste sowohl für Prepaid- als auch für Vertragskunden an. Wir akzeptieren nicht, dass diese Dienstleistungen als Zahlungsdienstleistungen aufgefasst werden in Anbetracht der speziellen Beziehungen, die Mobilfunkbetreiber mit ihren Kunden zur Erbringung dieser Dienste eingehen.“

Vodafone wiederholte die Stellungnahme von Orange: „Der kritische Test ist die Verhältnismäßigkeit der Verordnung. Verhältnismäßigkeit bedeutet, dass eine Verordnung nicht an eine Dienstleistung per se gebunden sein sollte, sondern an die Risiken, die mit dieser Dienstleistung verbunden sind. Zahlungssysteme über Mobiltelefone sind mit geringen Risiken verbunden.“

PayPal Europe, der bekannteste E-Geld-Dienst, zeigte mäßiges Interesse an der PSD: „Wir würden jede Initiative unterstützen, um die Zulassung von Überweisungsdienstleistungen und Überweisungen innerhalb der EU zu harmonisieren. Da diese Arten von Dienstleistungen sehr viel geringere rechtliche Risiken als die E-Geld-Ausstellung und der Bankensektor beinhalten, sollte klargestellt werden, dass alle anerkannten elektronischen Geld-Institute das Recht erhalten sollten, Geldüberweisungen im Rahmen der E-Geld-Zulassung ohne zusätzliche Voraussetzungen für die Zulassung in der EU durchzuführen.“

Zeitstrahl

  • 1. Dez. 2005: EU-Kommission präsentierte Entwurf für Zahlungsdiensterichtlinie (PSD).
  • 13. Nov. 2007: PSD wurde angenommen und im Amtsblatt der EU veröffentlicht.
  • 1. Nov. 2009: Ablösung der deutschen Lastschrift durch die EU-weite SEPA-Lastschrift.
  • 1. Nov. 2009: Erste Frist für die Umsetzung der Richtlinie über Zahlungsdienste in den EU-Mitgliedstaaten.
  • 24. Nov. 2009: Europäischer Zahlungsrat und das Mobey Forum unterzeichnen Vereinbarung zur Unterstützung von Handy-Zahlungen.
  • 30. Nov. 2009: Einzelhändler und Verbrauchergruppen begrüßen SEPA zögerlich.
  • Mitte 2010: Zweite Frist für die Umsetzung der Richtlinie über Zahlungsdienste in den EU-Mitgliedstaaten.
  • 31. Dez. 2010: Frist für Ersetzung der konventionellen Kreditkarten durch spezielle SEPA-konforme Karten. 
  • 2013: Vorgesehene neue Frist für SEPA-konforme Karten.

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