Grüne Finanzanlagen werden immer beliebter

"Wir sehen eine starke Entwicklung hin zu umweltfreundlichen Finanzanlagen," sagt Phillippe Desfossé. [ppopla/Shutterstock]

Auch Investoren müssen sich verstärkt mit den rechtlichen Risiken in Bezug auf den Klimawandel auseinandersetzen: Immer mehr von ihnen verfolgen inzwischen sozialverträgliche und verantwortungsbewusste Ansätze, so Phillippe Desfossé im Interview mit EURACTIV Frankreich.

Phillippe Desfossé ist der CEO des Pensionsfonds ERAFP, der die zusätzliche private Altersvorsorge für französische Beamte verwaltet. Er ist außerdem Vize-Vorsitzender der Institutional Investors Group on Climate Change (IIGCC).

EURACTIV: Bitte beschreiben Sie uns einmal die Institution, der Sie vorstehen.

Phillippe Desfossé: ERAFP ist ein Pensionsfonds, der die zusätzliche Altersrente für Beamte verwaltet. Es handelt sich um ein obligatorisches Rentensystem, das kapitalgedeckt ist und für die 4,5 Millionen Beamten eingerichtet wurde – unabhängig davon, ob sie Zivil- oder militärische Beamte sind oder bei lokalen/kommunalen Regierungsinstitutionen, Krankenhäusern oder im Justizwesen beschäftigt sind. Das 2005 eingeführte System ermöglicht es Beamten, aus ihrem gesamten nicht-gesetzlichen Einkommen Beiträge zu leisten. Diese Beiträge werden in Vermögenswerte (beispielsweise Anleihen, Immobilien oder Aktien) investiert, um damit die Verbindlichkeiten des Pensionsfonds zu decken.

Heute verwaltet der ERAFP über 30 Milliarden Euro. Das vor 13 Jahren eingeführte System steht erst am Anfang seines Volumen-Wachstums, das bis in die Mitte des Jahrhunderts andauern wird. Verständlicherweise wachsen ebenso die Vermögenswerte: In den nächsten zehn Jahren wird der Cashflow des Programms es ermöglichen, durchschnittlich 2,5 Milliarden Euro pro Jahr zu investieren.

Expertengruppe empfiehlt EU-Standards für grüne Anleihen

Unter anderem schlagen die Finanzexperten klare Klassifizierungen und offizielle EU-Nachhaltigkeitsstandards für grüne Anleihen vor.

Warum haben Sie sich dabei ausschließlich für sozialverträgliche Investitionen („Socially Responsible Investments“, SRI) entschieden?

Wir sehen eine starke Entwicklung hin zu umweltfreundlichen Finanzanlagen. Die Beitragszahler sind zunehmend besorgt über Umwelt-, Sozial- und Klimafragen. Dies kann aus ihrer eigenen Überzeugung oder aufgrund der mit diesen Fragen verbundenen Risiken und Chancen geschehen.

Immer mehr Großanleger verfolgen einen SRI-Ansatz. Als das ERAFP-System gestartet wurde, hatte unser Vorstand bereits eine SRI-Charta erstellt. Aus Sicht der Vorsitzenden steht das Streben nach kurzfristiger Gewinnmaximierung im Widerspruch zu den langfristigen Interessen der Beitragszahler. Die SRI-Politik des ERAFP gliedert sich in drei Bereiche: soziale Fragen, Governance und Umwelt. Aus diesem Grund ist das System auch stark in den Kampf gegen den Klimawandel eingebunden.

Da der Klimawandel gewisse Risiken für das Vermögen der Pensionskasse birgt (beispielsweise ist Immobilienkapital am Meeresufer dem Risiko eines steigenden Meeresspiegels ausgesetzt), sollten die Anleger und Verwalter diese vorhandenen Risiken im Blick behalten. Es ist wahrscheinlich, dass in naher Zukunft bestimmte Anleger oder Fonds, die keine Politik zur Bewertung, Steuerung oder sogar Verringerung der mit dem Klimawandel verbundenen Risiken festgelegt haben, vor Gericht gebracht werden.

Aufgrund seiner Größe setzt ERAFP eine pragmatische SRI-Politik mit der Managementmethode „best in class“ um. Das heißt: Wir investieren in alle Branchen, ohne dabei irgendwelche Branchen auszuschließen. Ziel ist es dabei, die besten Unternehmen in drei Bereichen zu binden: Umwelt, soziale Fragen und Governance. Seit drei Jahren messen und überwachen wir auch das sogenannte Klimarisiko unserer Portfolios.

Was halten Sie von der Initiative der Europäischen Kommission zur Förderung von umweltfreundlichen Finanzanlagen („Green Financing“)?

Das ist ein erster Schritt. Aber wir müssen jetzt die Finanzierung als Ganzes ändern, anstatt nur die „grüne Finanzierung“ zusätzlich zur herkömmlichen Finanzierung zu fördern. Eine der Herausforderungen besteht darin, das kurzfristige Handeln in unseren Entscheidungen zu reduzieren und eher langfristige Investitionen zu fördern.

Kommission präsentiert Öko-Finanzmarktkonzepte

Am gestrigen Donnerstag stellte die EU-Kommission ihre Strategie vor, um das Finanzsystem auch an klimapolitischen Zielen zu orientieren.

Die Erstellung von Produkten mit einem „grünen“ Siegel reicht nicht aus, um wirklich das System zu verändern. Ebenso wird es keinen großen Unterschied machen, wenn jeder EU-Mitgliedstaat einzeln handelt. Wir müssen über den nationalen Rahmen hinausgehen und so schnell wie möglich einen systemischen Wandel herbeiführen. Dadurch könnten erhebliche Summen mobilisiert werden. Es geht darum, das Ausmaß zu verändern oder, wie C. Figueres auf der COP21 sagte, „die grünen Investitionen] von Milliarden auf Billionen zu verschieben“.

In diesem Zusammenhang müssen wir die langfristigen Möglichkeiten, die Pensionsfonds bieten, noch besser mobilisieren. Aufgrund ihrer finanziellen Dimensionen können sie einen wichtigen Beitrag zur Mobilisierung solcher Finanzierungen leisten. In den Niederlanden, beispielsweise, übersteigt das Vermögen von Pensionsfonds das BIP des Landes.

In New York startete kürzlich die Klimawoche. Diese Veranstaltung folgt auf den Global Climate Action Summit in San Francisco (12.-14. September). Was denken Sie über diese Treffen? Inwiefern sind sie hilfreich?

Diese Treffen sind sehr nützlich und hilfreich, da sie es Investoren, die an einer grünen Finanzierung beteiligt sind, ermöglichen, sich zu organisieren und zu koordinieren – und damit mehr Einfluss zu gewinnen. Wenn wir organisiert sind, werden grüne Investitionen zu einem weitaus wichtigeren Handlungsinstrument.

ERAFP ist Teil der IIGC (Institutional Investors Group on Climate Change), die derzeit 160 Mitglieder zählt und ein Vermögen von 21.000 Milliarden Euro repräsentiert. Wenn die IIGC auf internationalen Gipfeln aufritt und aktiv wird oder wenn ihre Vertreter mit nationalen oder europäischen Behörden zusammentreffen, wird ihr mehr Aufmerksamkeit geschenkt als jeder einzelnen unserer Mitgliedsorganisationen.

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