Wie steht es um die Erweiterung der Eurozone?

Die kroatische Kuna könnte bald durch den Euro ersetzt werden. [David M. Skiba]

Den Euro gibt es seit über 20 Jahren, aber viele EU-Mitgliedstaaten haben ihn immer noch nicht eingeführt. Das Zögern geht sowohl auf politische, als auch wirtschaftliche Gründe zurück.

Während alle EU-Mitgliedstaaten außer Dänemark theoretisch verpflichtet sind, den Euro einzuführen, verwenden Schweden, Polen, Tschechien, Rumänien, Ungarn, Bulgarien und Kroatien den Euro noch nicht.

Schweden zum Beispiel könnte der Eurozone schnell beitreten, wenn der politische Wille dazu vorhanden wäre. Da das schwedische Volk jedoch 2003 in einem Referendum gegen die Einführung der Währung gestimmt hat, erfüllt Schweden weiterhin eines der Beitrittskriterien nicht und verschiebt damit den Beitritt auf unbestimmte Zeit.

Beitritt Kroatiens im Jahr 2023?

Bulgarien und Kroatien wurden im Juli 2020 in den Wechselkursmechanismus (WKM II) aufgenommen, der die nationalen Währungen mit nur einer geringen Marge für Wechselkursschwankungen an den Euro bindet. Die Staaten müssen mindestens zwei Jahre lang am WKM II teilnehmen, bevor sie den Euro einführen können.

„Es handelt sich um eine Art Testphase, um zu sehen, wie die Volkswirtschaft des Kandidatenlandes ohne die Möglichkeit von Wechselkursschwankungen funktionieren kann“, erklärte Zsolt Darvas, Senior Fellow bei der Denkfabrik für Wirtschaftsfragen Bruegel.

Bulgarien hofft, den Euro im Jahr 2024 einführen zu können, und Kroatien strebt – vorbehaltlich der endgültigen Genehmigung – den Januar 2023 an.

Damit Kroatien sein Ziel erreichen kann, muss die Europäische Kommission im Frühjahr 2022 eine positive Bewertung abgeben und der EU-Rat im Sommer 2022 einen entsprechenden Beschluss fassen.

Könnte die Inflation ein Stolperstein sein?

Die Kroatische Nationalbank ist optimistisch, dass Kroatien, dessen Wirtschaft weitgehend vom Tourismus und von Dienstleistungen abhängt, die EU-Beitrittskriterien erfüllen wird.

„Kroatien hat die Konvergenzkriterien de facto seit 2016 kontinuierlich erfüllt“, sagte ein Sprecher der Bank gegenüber EURACTIV.

Aufgrund des jüngsten Inflationsanstiegs könnte Kroatien jedoch das Preisstabilitätskriterium verletzen. Da der Preisanstieg aber auch in der Eurozone zu beobachten ist, argumentiert die Kroatische Nationalbank, dass Kroatien das Kriterium trotz der formalen Überschreitung erfüllt.

Laut einer Eurobarometer-Umfrage aus dem Jahr 2021 glauben die meisten Kroaten, dass die Einführung des Euro positive Auswirkungen auf das Land haben wird. Allerdings gaben auch  70  Prozent an, dass die Umstellung zu Preissteigerungen führen könnte.

Was sollte die Europäische Zentralbank gegen Inflation tun?

Angesichts zunehmender Inflationsängste warnen Analyst:innen, dass solange Energiekosten und Lieferkettenprobleme die Inflation antreiben, die Europäische Zentralbank außer Kommunikation nicht viel mehr gegen das Problem tun kann. 

Politische Argumentation in Polen

Polen, der größte EU-Mitgliedstaat, der noch eine nationale Währung verwendet, wird unter der derzeitigen Regierung voraussichtlich nicht der Eurozone beitreten.

„Die Regierung ist gegen den Euro, die Opposition ist für den Euro, und ein großer Teil der öffentlichen Meinung unterstützt den Euro, aber meist aus politischen und nicht aus wirtschaftlichen Gründen“, sagte Stefan Kawalec, ein polnischer Wirtschaftswissenschaftler und ehemaliger stellvertretender Finanzminister.

Ihm zufolge befürchten viele Polen, dass die derzeitige rechtsgerichtete Regierung Polen aus der EU herausführen könnte. Für sie wäre der Beitritt zum Euro eine Möglichkeit, Polen an die Union zu binden und so einen „Polexit“ zu verhindern.

Aus wirtschaftlicher Sicht ist Kawalec jedoch skeptisch, was die Vorzüge eines polnischen Euro-Beitritts angeht.

„Dank der nationalen Währung haben wir einen antizyklischen Mechanismus, der langfristig unserem Wirtschaftswachstum dient.“

„Wenn sich die Weltwirtschaft in einer guten Lage befindet und unsere Exportmärkte unterstützt, tendiert der polnische Zloty dazu, aufzuwerten, was den Wirtschaftsboom abschwächt. Wenn sich die Weltwirtschaft jedoch verschlechtert, kommt es zu einer Abwertung des polnischen Zloty, was das Gegenteil bewirkt“, erklärte Kawalec gegenüber EURACTIV.

Die Vorteile einer nationalen Währung

Darvas von Bruegel geht auch davon aus, dass der Wechselkurs ein wichtiges Instrument zur Anpassung an wirtschaftliche Schocks sein kann.

„Während der globalen Finanzkrise werteten der polnische Zloty, der ungarische Forint und die tschechische Krone um 20-30% gegenüber dem Euro ab, was diesen Volkswirtschaften half, sich anzupassen“, argumentiert er.

Sowohl in Bulgarien als auch in Kroatien ist dieser Vorteil einer eigenen Währung in der Praxis jedoch nicht gegeben. Bulgarien zum Beispiel hat seine Währung seit 1999 an den Euro gekoppelt.

In Kroatien hingegen ist die „Euroisierung“ weit fortgeschritten, was bedeutet, dass der Euro in der Wirtschaft bereits eine wichtige Rolle spielt, da die Verbindlichkeiten an den Euro gekoppelt sind.

„Für Kroatien ist der Verlust der geldpolitischen Autonomie eher ein theoretischer als ein praktischer Preis, da der Euroisierungsgrad hoch ist und der Spielraum für eine rein frei schwankende Wechselkurspolitik eher begrenzt ist“, erklärte die Kroatische Nationalbank in einer E-Mail an EURACTIV.

Geduld in Rumänien

Für Rumänien sind die Bedingungen noch einmal anders, da das Land seine Politik teilweise von den Maßnahmen der regionalen Wirtschaftspartner abhängig macht.

„Ich erwarte nicht, dass Rumänien es eilig hat, der Europäischen Währungsunion beizutreten, es sei denn, Polen nähert sich dem Euro an“, sagte Andrei Radulescu, Direktor für makroökonomische Forschung bei der Banca Transilvania.

Derzeit erfüllt Rumänien die Konvergenzkriterien nicht.

Radulescu zufolge könnte Rumänien in der Lage sein, die Kriterien für den Beitritt zum Euro bis zum Jahr 2025 zu erfüllen. Zu diesem Zeitpunkt sollte die Frage des Beitritts erneut geprüft werden, so der Wirtschaftswissenschaftler.

„Ein Mitglied der Europäischen Union, aber nicht der Eurozone zu sein, ist aus wirtschaftlicher Sicht nicht effizient“, so Radulescu gegenüber EURACTIV.

„Mittelfristig, solange der Euro existiert, sollte Rumänien Mitglied der Eurozone sein“, fügte er hinzu und argumentierte, dass ein Verbleib außerhalb der Eurozone höhere Transaktionskosten und Zinssätze bedeute.

Darvas analysierte, wie es den EU-Mitgliedstaaten innerhalb und außerhalb der Eurozone wirtschaftlich erging, und stellte fest, dass die Länder in beiden Fällen erfolgreich sein können.

„Der Beitritt zum Euro ist eine politische Entscheidung. Wirtschaftliche Argumente sprechen nicht eindeutig für die eine oder die andere Option“, sagte er gegenüber EURACTIV.

20 Jahre Euro: Erfolge und Schwachstellen

Obwohl der Euro offiziell am 1. Januar 1999 eingeführt wurde, wurde es für die meisten Europäer erst am 1. Januar 2002 zur alltäglichen Realität, als die ersten Euro-Münzen und -Banknoten in Umlauf gebracht wurden.

**Zoran Radosavljevic, Bogdan Neagu, und Mateusz Kucharczyk haben zu diesem Artikel beigetragen.

[Bearbeitet von Alice Taylor]

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