Studie: Klimawandel ist das Top-Thema bei den EU-Wahlen

Teilnehmer des "Klimamarsches" in Brüssel, 31. März 2019. [EPA-EFE/OLIVIER HOSLET]

Laut einer am heutigen Dienstag veröffentlichten Meinungsumfrage sehen bis zu 77 Prozent der potenziellen Wähler die globale Erwärmung als ein wichtiges Kriterium für die Entscheidung, für wen sie bei den Europawahlen im Mai stimmen wollen.

Während sich die junge Klimaaktivistin Greta Thunberg darauf vorbereitet, in Straßburg vor dem Europäischen Parlament zu sprechen, zeigt die heute veröffentlichte neue Umfrage von Ipsos MORI, wie stark der Klimawandel auch auf der Prioritätenliste der europäischen Wähler gestiegen ist.

In den vergangenen Monaten marschierten Millionen von Jugendlichen durch die europäischen Städte, um von der Politik entschlosseneres Handeln gegen den Klimawandel zu fordern.

„Viele junge Menschen werden zum ersten Mal an den Wahlen teilnehmen. Und sie werden wahrscheinlich Abgeordnete wählen, die sich für mehr Klimaschutz einsetzen,“ glaubt Wendel Trio, Direktor der Umweltorganisation Climate Action Network Europe.

„Dies könnte zu einem echten Wandel in den zukünftigen europäischen Institutionen führen,“ prognostiziert er.

Deutsche Schüler präsentieren Klimaforderungen an Bundesregierung

Seit Monaten protestieren Schüler europaweit unter dem Motto „Fridays for Future“ für mehr politischen Einsatz in der Klimapolitik. Heute hat der deutsche Zweig der Bewegung erstmals ein politisches Forderungspapier präsentiert.

Gleichzeitig erinnern die – teils gewalttätigen – Proteste gegen die geplante CO2-Steuer in Frankreich aber auch daran, dass Klimapolitik zum Bumerang für Gesetzgeber werden kann, wenn sie nicht mit angemessener Sozialpolitik flankiert wird.

Umwelt als wichtigstes Wahlkampfthema

„Der Schutz des Klimas ist kein rein parteipolitisches Thema. Es ist klar, dass er inzwischen zu einem wichtigen Wahlkampfthema für die Wähler geworden ist,“ so Laurence Tubiana, CEO der Europäischen Klimastiftung, die die Umfrage in Auftrag gegeben hatte.

„Alle politischen Parteien sollten dem Klimaschutz Priorität einräumen, sonst riskieren sie, den Wählerwillen völlig zu verfehlen,“ fügte sie in einer Erklärung hinzu.

"Wir sehen bereits heute die ersten Anzeichen der drohenden Umweltkrise"

25.000 Forscher haben sich hinter die „Fridays for Future“ Bewegung gestellt. Einer von ihnen ist der Klimaforscher Wolfgang Lucht. Er erzählt im Interview, ob Deutschland die Pariser Ziele überhaupt noch erreichen kann.

Die Studie über die Europawahlen war im Januar 2019 per Online-Umfrage unter 2.000 potenziellen Wählern im Alter von 18-65 Jahren in elf europäischen Ländern durchgeführt worden: Österreich, Belgien, Tschechien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Italien, Niederlande, Polen, Slowakei und Spanien.

Es zeigten sich einige gemeinsame Trends in den Ländern. So wurden beispielsweise die Auswirkungen hoher Strom- und Gaspreise in Polen (86 Prozent), Spanien (88 Prozent) und Belgien (82 Prozent) als oberste Priorität identifiziert.

Das insgesamt wichtigste Umweltthema war für die Wähler hingegen die gesunde und nachhaltige Lebensmittelproduktion: Im Durchschnitt wurde dies von 82 Prozent der Befragten angegeben, mit Top-Werten in der Slowakei (87 Prozent), Österreich (86 Prozent) und Italien (85 Prozent)

Es gibt aber auch nationale Unterschiede: So betrachten die spanischen Wähler den Ausbau der Solarenergiekapazitäten als ein wichtiges Wahlkampfthema, während die Slowaken eher auf Windkraft bauen würden. Für die französischen Befragten waren hingegen Bio-Landwirtschaft und Pestizide das Hauptanliegen.

Deutschland steht klimapolitisch "auf der falschen Seite"

Vertrauliche Dokumente, die im Vorfeld des heute in Brüssel startenden EU-Gipfels erstellt wurden, zeigen ein Ost-West-Gefälle in Europa beim Thema Klimawandel.

Insgesamt bestätige die Umfrage, „dass der Klimawandel heute ein wichtiges politisches Thema für die europäischen Bürger ist,“ schlussfolgert Thomas Pellerin-Carlin, Leiter der Abteilung Energie am Jacques-Delors-Institut.

Er glaubt: „Die europäischen Politiker müssen sich darüber im Klaren sein, dass sie nicht mehr gewählt werden, wenn sie den Klimawandel nicht mit Worten und Taten bekämpfen.“

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Tim Steins]

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