Studie: Die EU spielt im Fernsehen kaum eine Rolle

Frankreichs Fernsehsender: Viel Angebot, wenig EU. [shutterstock.com]

Frankreichs Fernsehsender widmen in ihren Nachrichtenberichten der Europäischen Union nur sehr wenig Zeit, so eine Studie. Lediglich die Themen Brexit und Einwanderung nehmen etwas mehr Raum ein. EURACTIV Frankreich berichtet.

Im Jahr 2018 stand Europa in den französischen Fernsehnachrichten nicht im Rampenlicht: Laut einer Studie der Fondation Jean-Jaurès betrug der Platz, den Europa in den französischen Nachrichten im Jahr 2018 erhielt, 13,2 Prozent des gesamten Informationsangebots.

Für die Studie nutzten Rémy Broc und Théo Verdier (Experten der Fondation Jean-Jaurès und Vorstandsmitglieder der Europäischen Bewegung Frankreich) Daten aus dem Nachrichtenbarometer „Europa zwischen Brexit und den Wahlen“ des öffentlich-rechtlichen Institut national de l’audiovisuel (INA). Sie konzentrierten sich dabei auf die Nachrichtenangebote von insgesamt sechs Sendern, darunter TF1, Arte und Canal+.

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In den Nachrichtensendungen seien vor allem die EU-Institutionen unterrepräsentiert, stellten die Experten in ihrer Studie fest. So machten europäische Institutionen und reine Europapolitik nur 2,7 Prozent aller übertragenen Themen aus. Dieses Ergebnis sinkt sogar auf 1,9 Prozent, wenn man Arte, das mehr Platz für europäische Themen einräumt als die anderen Kanäle, aus der Untersuchung ausnimmt.

Darüber hinaus werde die ohnehin begrenzte Sendezeit für EU-Themen hauptsächlich von drei Schwerpunkten bestimmt: Brexit, Migrationspolitik und die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten. Diese drei Themen machten allein 40 Prozent der Berichterstattung zu Europa aus.

So war der Brexit im Jahr 2018 Gegenstand von 147 Berichten (20,3 Prozent aller Beiträge mit EU-Nachrichten).

Während dem britischen EU-Austritt also relativ viel Sendezeit eingeräumt wird, stehen die Verantwortlichen weniger im Rampenlicht: Der – französische – Chefverhandler der EU und ehemalige Kommissar Michel Barnier kommt in nur neun Prozent der Beiträge mit EU-Bezug vor.

Migrationsfragen wurden in 88 Beiträgen, die Beziehungen zwischen der EU und den USA in 54 Beiträgen behandelt. Auf dem vierten Rang lagen Umweltthemen auf europäischer Ebene, mit 45 Beiträgen.

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Auffällig: Die anstehenden Europawahlen waren im Jahr 2018 kaum ein Thema. Sie wurden in lediglich 25 Beiträgen angesprochen, darunter 15 auf Arte und sechs auf France 2. Zum Ende des Jahres bestimmte vor allem die angedachte Schaffung einer „Gelbwesten“-Wahlliste die wenigen Schlagzeilen.

Die Studie zeigt darüber hinaus, dass auch die Spitzenkandidaten der großen europäischen Parteien kaum sichtbar sind: Manfred Weber, Kandidat der Europäischen Volkspartei, und Frans Timmermans, Kandidat der Sozialdemokratischen Partei Europas, kamen auf acht bzw. vier Nachrichtenbeiträge – alle davon im Arte Journal.

In dieser Hinsicht scheint sich Populismus auszuzahlen: Matteo Salvini war der einzige europäische Politiker, der 2018 eine signifikante Sichtbarkeit im französischen TV genoss. Dieser Erfolg lässt sich vor allem durch die Fokussierung auf Migrationsfragen sowie die angespannten Beziehungen zwischen Paris und Rom erklären.

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