Juncker wünscht sich von der Leyen als EU-Kommissarin

Ursula von der Leyen Foto: dpa

Frauen sind noch immer kaum in EU-Spitzenämtern vertreten. Das will Jean-Claude Juncker zukünftig ändern. Vertrauten zufolge würde der mögliche künftige Kommissionschef gerne die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen nach Brüssel holen.

Das Gerangel um den Posten des neuen EU-Kommissionspräsidenten ist zwar noch nicht beendet, doch eine Einigung rückt näher. Der umstrittene Spitzenkandidat der Christdemokraten, Jean-Claude Juncker, jedenfalls gibt sich siegessicher, beim EU-Gipfel kommende Woche zum Nachfolger José Manuel Barrosos berufen zu werden – und verhandelt schon jetzt mit den EU-Staaten über die Zusammensetzung der künftigen EU-Kommission.

Als großes Manko in Brüssel betrachtet Juncker offenbar die zu geringe Zahl weiblicher Kommissare, berichtet der Tagesspiegel. Er habe moniert, dass mit der früheren griechischen Außenministerin Dora Bakoyannis bislang nur eine Frau als mögliche Kandidatin für die künftige EU-Kommission im Gespräch sei, hieß es der Zeitung zufolge aus dem Umfeld Junckers. Aktuell sind neun der 28 EU-Kommissare weiblich. Juncker würde als Kommissionspräsident den Frauenanteil in der Kommission noch erhöhen wollen. „Vier von zehn Kommissaren müssten Frauen sein“, sagten Junckers Vertraute. In Bezug auf Deutschland soll Juncker bereits einen Wunsch ausgesprochen haben: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen.

Auch deutsche Favoriten bislang Männer

Auch in Deutschland werden bislang nur Männer für den Spitzenposten des EU-Kommissars gehandelt. Zu ihnen zählen der amtierende Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) und der gegenwärtige Fraktionschef der Sozialdemokraten im EU-Parlament, Martin Schulz (SPD). Schulz hatte am Mittwoch in Brüssel vorgeschlagen, eine Art Vize-Kanzler an der Seite Junckers zu werden. Für dieses Vize-Kanzler-Modell ist Schulz offen, weil es der künftigen EU-Kommission größere Stabilität verleihen würde.

Ob Schulz Chancen auf diesen Posten hat, bleibt aber unsicher – die Gegnerschaft in Regierungskreisen ist groß. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble etwa hatte sich kürzlich gegen Schulz als zukünftigen Vize-Chef der EU-Kommission ausgesprochen. Der CDU-Politiker forderte im Deutschlandfunk, der deutsche Sitz in der nächsten Kommission solle von den Unionsparteien besetzt werden. Den Vertreter der einzelnen Länder in dem Leitungsgremium stelle in der Regel die dort stärkste politische Kraft. Und das seien in Deutschland eindeutig CDU und CSU. Schäuble sprach sich zugleich für den amtierenden deutschen Kommissar aus, der bis zuletzt bestätigte, gerne in Brüssel bleiben zu wollen: „Günther Oettinger hat als Kommissar in den letzten Jahren hervorragende Arbeit geleistet.“

Letztlich sind die Vorstellungen Junckers nicht entscheidend für die Wahl des zukünftigen deutschen EU-Kommissars – denn über diese Person entscheidet die Bundesregierung. Die Benennung von Schulz gilt jedoch als immer unwahrscheinlicher – das weiß auch Juncker. „Wenn aus Deutschland nicht Herr Schulz geschickt wird, muss man jetzt umdenken. In diesem Fall wäre die Benennung einer Frau gut“, hieß es aus Junckers Stab.

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