Europas prominenteste Wahlverlierer

Sir Graham Watson ist einer der prominentesten Wahlverlierer. Foto: EP

Viele namhafte Europaabgeordnete wurden wiedergewählt. Andere hatten weniger Glück. Das EURACTIV Netzwerk berichtet über die prominentesten Wahlverlierer.

Die Europaabgeordneten schreiben sich nach den Europawahlen E-Mails und Nachrichten mit Glückwünschen, aber auch Bedauern. Besonders Abgeordnete, die nicht wiedergewählt wurden, sagen, dass die Nachrichten manchmal wie Beileidsbekundungen klingen. Viele von ihnen wollen aber in der Politik bleiben.

Vereinigtes Königreich

Im Vereinigten Königreich verzeichnen die Liberalen die größten Verluste. Von ehemals elf Abgeordneten ist nur noch einer übrig.  

Einer der prominentesten Wahlverlierer auf de Insel ist Sir Graham Watson, der seit 1994 Europaabgeordneter und zwischen 2004 und 2014 sogar der Vorsitzende der liberalen ALDE-Fraktion war. Auch Andrew Duff, seit 1999 im Europaparlament und ein bekennender Anhänger einer europäischen Verfassung und Föderalist, hat seinen Sitz verloren. Theoretisch könnte Graham sein Amt als ALDE-Vorsitzender weiterhin ausüben. 

Frankreich

In Frankreich wurde die ehemalige Vorsitzende der französischen Sozialisten im Europaparlament, Catherine Trautmann, nicht mehr wiedergewählt. Die ehemalige Straßburger Bürgermeisterin gilt als Ikone der französischen Linken. Die Entscheidung der französischen Sozialisten, den früheren Gewerkschafter Edouard Martin auf Listenplatz eins in ihrem Wahlbezirk Ostfrankreich zu setzen, hat ihr nicht gutgetan. Auch der rechtsextreme Front National (FN) scheint davon profitiert zu haben und erzielte eines seiner besten Ergebnisse in dieser Region.

Die grüne Europaabgeordnete Sandrine Bélier, Spitzenkandidatin der Grünen in Ostfrankreich, wurde nicht wiedergewählt, ebenfalls ein Opfer des erstarkenden FN.

Auch die ehemalige französische Umweltministerin Corinne Lepage ist eine bekannte Wahlverliererin. 2009 kandidierte sie für die Zentrumspartei MoDem, galt aber als isoliert, nachdem sie Partei verließ und als unabhängige Kandidatin antrat.  

Deutschland

Bernd Posselt ist einer der prominentesten Wahlverlierer in Deutschland. Der CSU-Mann ist ein Urgestein der Europapolitik und war zwanzig Jahre lang Europaabgeordneter. Als Präsident der Paneuropa-Union Deutschland hat sich Posselt innerhalb der CSU und ihrer Schwesterpartei CDU als standhafter Verfechter der Europäischen Idee profilieren können.

Doch seine EU-Leidenschaft hat ihn nun seinen Sitz im Europaparlament gekostet: Die CSU gab ihm nur Listenplatz sechs und entschied sich dafür, einen überwiegend euroskeptischen Wahlkampf zu führen. Nach dem enttäuschenden Wahlergebnis kritisierte Posselt seine Partei dafür, die Chance verpasst zu haben, eine harte Haltung gegenüber der euroskeptischen Alternative für Deutschland (AfD) einzunehmen: „Man soll nie versuchen, das Stinktier zu überstinken“, so Posselt.

Italien

In Italien gibt es einige Europaabgeordnete aus Silvio Berlusconis Partei Forza Italia, die als prominente Wahlverlierer gelten. Sie sind allerdings weniger in Brüssel und Straßburg als in Italien bekannt. Unter ihnen sind Clemente Mastella (ehemaliger Justizminister), Iva Zanicchi  (früherer Sänger), Gianfranco Micciché (ehemaliger Minister) und Alessandro Cecchi Paone (früherer Showmaster).

Roberta Angelilli dürfte in EU-Kreisen besser bekannt sein: Sie war einst Vize-Präsidentin des Europaparlaments und Mitglied der Konferenz der Präsidenten. Sie hat Berlusconis Partei verlassen und kandidierte für die konservative Nuovo Centrodestra, wurde aber nicht in das Parlament gewählt.

Polen

Die bekanntesten Wahlverlierer in Polen sind Pawe? Zalewski, der der EVP-Fraktion angehört, und Pawe? Kowal von den Europäischen Reformisten und Konservativen (ECR). Beide sind bekannte Experten im Bereich der Ostpolitik und der Ukraine.

Tschechien

Auch in Tschechien gibt es zwei Europaabgeordnete, die als namhafte Wahlverlierer gelten: Old?ich Vlasák (ECR), der den Posten des Vizepräsidenten des Europaparlaments innehat, und Libor Rou?ek, der der stellvertretende Vorsitzende der sozialdemokratischen S&D Fraktion ist.

Bulgarien

Ivailo Kalfin ist der prominenteste Wahlverlierer in Bulgarien. Der frühere Ministerpräsident und Außenminister hat die S&D Fraktion bei den Haushaltsverhandlungen für den Zeitraum 2014-2020 vertreten. Nach Differenzen mit dem Vorsitzenden der bulgarischen Sozialisten Sergei Stanishev hat Kalfin die Gruppe der bulgarischen Sozialisten im Europaparlament im Januar verlassen. Er kandidierte für die Alternative der bulgarischen Wiedergeburt (ABW), die mit vier Prozent der Stimmen an der Sechs-Prozent-Hürde scheiterte. „Ich werde kein Abgeordneter im nächsten Europaparlament sein. Ich habe meine Entscheidung aber nicht bereut, denn ich betrachte die Politik als einen Weg, der Gesellschaft zu dienen und nicht um Posten zu ergattern“, schreibt Kalfin in seinem Blog.

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