Europäer wollen Direktwahl des Kommissionspräsidenten

70 Prozent der Befragten würden den EU-Kommissionspräsidenten lieber direkt wählen wollen, so die neueste Umfrage des Eurobarometers. Foto: dpa

Die Mehrheit der Europäer würde es begrüßen, in naher Zukunft den Präsidenten der EU-Kommission direkt zu wählen. Das bestätigten sieben von zehn Befragten einer Eurobarometer-Umfrage.

Ein knappes Jahr vor den Europawahlen im Mai 2014 wurde Ende vergangener Woche eine Umfrage von Eurobarometer veröffentlicht. 27.600 europäische Bürger wurden zu ihren Einstellungen gegenüber der EU befragt.

Wären die europäischen Bürger stärker als heute motiviert, zur Wahl zu gehen, wenn die großen politischen Gruppierungen in Europa einen Kandidaten für das Amt des Kommissionspräsidenten präsentieren würden? Eine absolute Mehrheit bejaht diese Frage.

Eine beachtliche Anzahl von Befragten gibt an, dass sie eher wählen gehen würden, wenn die Wahl zum EU-Parlament auch eine Wahl zum EU-Kommissionspräsidenten bedeutete. Dies erklärte EU-Parlamentssprecher Jaume Duch gegenüber EURACTIV.

Für eine künftige Direktwahl zum EU-Kommissionspräsidenten sprachen sich 70 Prozent der Befragten aus. 31 Prozent glauben, dass es die Entscheidungen der EU legitimer erscheinen ließe. 30 Prozent sagen, es würde "die Demokratie innerhalb der EU stärken".

Im derzeitigen Wahlprozess nominieren die EU-Abgeordneten den nächsten EU-Kommissionspräsidenten. Der Kandidat wird zunächst vom Europäischen Rat vorgeschlagen. Seit 2009 verleiht der Vertrag von Lissabon dem EU-Parlament das Recht, diesen per Wahl zu bestätigen.

EU-Bürger "europäischer"

In einer Eurobarometer-Umfrage vom letzten Juli gaben etwa 60 Prozent der Europäer an, "kein Vertrauen in die EU zu haben". Die aktuelle Umfrage verdeutlicht jedoch einen Anstieg beim gemeinsamen Identitätsgefühl: Mehr als 5 von 10 Bürgern nennen sich selbst sowohl "Staatsbürger", als auch "Europäer". Im Vergleich zum Vorjahr stellt dies einen Anstieg von sechs Prozentpunkten dar.

Laut Duch machte die Krise den Leuten bewusst, dass "die verschiedenen europäischen Länder stark miteinander verknüpft sind und wir alle im selben Boot sitzen".

Hauptproblem Arbeitslosigkeit

Am meisten sorgen sich die Befragten – vor allem die jüngeren – um die Arbeitslosigkeit in Europa. Von den Studierenden hat gut ein Drittel beim Zugang zu Arbeitsplätzen für junge Menschen die größten Bedenken.

55 Prozent der EU-Bürger sehen die Arbeitslosigkeit als das Hauptproblem der EU, besonders in Süd- und Südosteuropa. Ebenfalls ganz oben auf der Liste stehen soziale Ungleichheiten und die öffentliche Verschuldung.

Die Stimme der Länder zählt

Rund 39 Prozent haben das Gefühl, dass ihre Stimme etwas "zählt in der EU". Verglichen mit 2012 ist dies ein leichter Rückgang. Eine klare Mehrheit der Befragten glaubt, dass EU-Bürger 2025 mehr Mitsprache in europäischen Angelegenheiten haben werden. Dabei zeigen derzeit weniger als die Hälfte der EU-Bürger Interesse an europäischer Politik.  

62 Prozent glauben, dass die Stimme ihres Landes etwas zählt. In Griechenland fiel diese Zahl innerhalb eines Jahres von 32 auf 21 Prozent. Dagegen stieg der Betrag in Irland um sechs Prozentpunkte auf 42 Prozent.

EURACTIV.com/kagl

Links

EURACTIV Brüssel: Europeans want a say on the next Commission president: Poll (6. September 2013)

EU-Parlament: One year to go to the 2014 European elections

Eurobarometer: Analytischer Überblick (21. August 2013)

Weitere Informationen auf EURACTIV.de

Eurobarometer: Meine Stimme zählt nicht (23. Juli 2013)

Abonnieren Sie unsere Newsletter

Abonnieren