EU-Wahl weckt Erinnerungen an den „Prager Frühling“

Pavol Dubcek ist der Sohn des ehemaligen Reform-Kommunisten Alexander Dubcek. Nun tritt er bei den EU-Wahlen an. [Guido Montani/ epa]

Alexander Dubcek war im Prager Frühling 1968 eine politische Leitfigur. Jetzt tritt sein Sohn bei den EU-Wahlen für die Slowakei an.

In wenigen Monaten jährt sich zum 30sten Mal der Jahrestag, da Ungarn mit dem Abbau des Eisernen Vorhangs begann und damit eine Kettenreaktion auslöste. Zur Jahreswende 1989/1990 war die Trennung Europas in einen freien Westen und einen von Moskau abhängigen Osten Geschichte. Bis dahin war es für die nach dem Zweiten Weltkrieg unter KP-Kuratel stehenden mittel- und osteuropäischen Staaten ein langer Weg mit vielen dramatischen Ereignissen gewesen. Ein berüchtigter Tiefpunkt der sozialistischen Geschichte war 1968 die Niederwälzung des sogenannten „Prager Frühlings“ durch die Rote Armee.

Die damalige Bewegung war der Versuch, eine „sozialistische Gesellschaft mit menschlichem Antlitz“ zu gestalten. Eine der Führungsfiguren dieser Bewegung war Alexander Dubcek. Als Generalsekretär der KP versuchte er einen Ausweg aus der tiefen Wirtschafts- und Gesellschaftskrise zu finden. Meinungsfreiheit und eine liberale Wirtschaftsordnung sollten dies ermöglichen. Die politische Führung in der DDR und in Polen fürchtete, dass diese Öffnung auch auf ihr Land übergreifen und die Regierungen zum Sturz bringen könnten. Unter dem russischen Staatschef Leonid Breschnew fand der Spuk in Prag bald darauf ein gewaltsames Ende.

Der lange Weg zum „Prager Frühling“

Der Prager Frühling vor 50 Jahren war ein Aufbegehren gegen den Sozialismus in seiner unterdrückenden Form. Doch der Aufstand wurde brutal niedergeschlagen. Ein Blick zurück, wie es dazu kam.

Pavol Dubcek als historischer Hoffnungsträger

Nun wird der Sohn Dubceks, Pavol Dubcek, der zur Zeit des „Prager Frühlings“ gerade 20 Jahre alt war und studierte, bei den kommenden Europa-Wahlen für die mitregierende, nationalistische Slowakischen Nationalpartei (SNS) antreten. Bei einer Veranstaltung in Wien begründete er seinen Einsteigen in die Politik so: „Mein Vater hatte das Ziel, die Gesellschaft zu reformieren und ich möchte einen Traum meines Vaters, eine gerechte Gesellschaft zu schaffen, verwirklichen“.

Pavol Dubcek sieht sich gewissermaßen als historischer Hoffnungsträger. Einerseits, weil die Bevölkerung in der Slowakei mit der derzeitigen Situation im Lande nicht zufrieden sei und man bis heute anerkenne, dass sein Vater „etwas für das Volk getan hat.“ Andererseits sei es auch sein Bestreben, am „gemeinsamen Haus Europa zu bauen“.

Für Tibor Macak, slowakischer Rundfunkjournalist und Generalsekretär der Vereinigung Europäischer Journalisten (AEJ), ist die Kontrolle Russlands auch in der Slowakei noch immer ein Faktor. Putin verfüge in der Slowakei über „eine eigene Gefolgschaft“ , zu der durchaus namhafte Politiker zählen. Putin wolle einen Keil in die EU treiben, ist Macak überzeugt. Er rechnet damit, dass „die Russen versuchen werden, massiv auf die Europa-Wahlen Einfluss zu nehmen.“

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