Der langjährige Netzwerk-Direktor von EURACTIV (Brüssel), der Rumäne Dan Luca, kandidiert für das Europaparlament. In einem Video-Interview kündigt der Sozialdemokrat an, sich der Bekämpfung der Korruption besonders annehmen zu wollen.
Mehr als zehn Jahre lang war Dan Luca Mitglied des Managements von EURACTIV in Brüssel. Nun strebt er eine politische Karriere an. Er kandidiert als EU-Abgeordneter. Bei den EU-Wahlen Ende Mai will er die sozialdemokratische Fraktion stärken.
Wie geht man mit einem Kollegen um, der sich künftig aktiv europapolitisch und parteipolitisch engagieren möchte? Darf man ihn im unabhängigen Medium interviewen? Diese Frage hat EURACTIV in Brüssel elegant gelöst: Man sei stolz darauf, dass sich ein Mitglied der Führungsebene für ein Mandat im Europäischen Parlament bewirbt.
Der Gründer des EURACTIV-Netzwerks und der Fondation EURACTIV PoliTech, Christophe Leclercq, führte persönlich ein Interview mit Dan Luca und stellte es in seinen Blog – natürlich mit dem Hinweis, dass die Satzung der Fondation EURACTIV die Unabhängigkeit von jeder politischen Partei oder Fraktion festlege, dass dies freilich nicht ausschließe, ein Interview wie dieses mit einem Kollegen zu veröffentlichen.
Im Gegenteil, es könnte sogar als Präzedenzfall für andere EURACTIV-Mitarbeiter dienen, die Ambitionen verspüren, eine politische Karriere in welcher Partei auch immer anzustreben. Wesentlich sei dabei immer volle Transparenz, denn EURACTIV sei ein Medium, das ausgewogen berichtet und parteipolitisch unabhängig bleibe, was wiederum nicht ausschließe, dass in manchen Standpunkten Position bezogen werde.
Und was hat Dan Luca, der sich seit zwanzig Jahren mit EU-Angelegenheiten befasst, im Video-Interview (auf Englisch) gesagt? Unter anderem will er die Kooperation zwischen Rumänien und Brüssel stärken und die rumänische Industrie zu mehr Selbstvertrauen ermuntern. Er stellt sich stark gegen Korruption – "Korruption zerstört die Gesellschaft!" – und möchte die jüngere Generation dazu motivieren, sich besser in der europäischen Politik einzubringen. Zum Präsidenten des EU-Parlaments, Martin Schulz, meint Luca, der Sozialdemokrat sei mit seiner Kommunikationsfähigkeit ein sehr guter Kandidat für die Präsidentschaft der EU-Kommission. Denn momentan assoziieren die Europäer die Auswirkungen der Finanzkrise mit der derzeitigen EU-Führung – und Schulz würde dafür sorgen, dass ein neues Gesicht an die Spitze der Europäischen Union kommt.
ekö

