Bündnis90/Die Grünen legen mit 22 Prozent deutlich zu

Einen Triumph konnten am Sonntag die Grünen feiern, die ihr Ergebnis von 2014 (10,7 Prozent) praktisch verdoppelten. Noch nie hat die Partei bei einer bundesweiten Wahl einen so hohen Stimmenanteil erzielt. [EPA-EFE/OMER MESSINGER]

Einen Triumph konnten am Sonntag die Grünen feiern, die ihr Ergebnis von 2014 (10,7 Prozent) praktisch verdoppelten. Noch nie hat die Partei bei einer bundesweiten Wahl einen so hohen Stimmenanteil erzielt.

Ska Keller, Vorsitzende der Grünen/EFA-Fraktion im Europäischen Parlament und Spitzenkandidatin der Europäischen Grünen Partei und von Bündnis90/Die Grünen, freut sich über das starke Ergebnis als gesamteuropäisches Signal für mehr Klimaschutz:

„Wir freuen uns über das starke Ergebnis und danken allen unseren Wählerinnen und Wählern. Wir nehmen es als Auftrag, im Europäischen Parlament mit neuer Kraft für ein Europa der Demokratie, Vielfalt und des Zusammenhalts zu arbeiten. Diese Wahl ist ein gesamteuropäisches Signal für mehr Klimaschutz. Das Ergebnis verstehen wir als Auftrag, bei diesem Thema nun endlich für Handlungen zu sorgen. Und entlang dieser Linie werden wir bei der Wahl einer Kommissionspräsidentin oder eines Kommissionspräsidenten ein entscheidendes Wort mitzureden haben.“

Union und SPD erlitten bei der Abstimmung am Sonntag laut Hochrechnungen von ARD und ZDF deutliche Verluste. Besonders hart traf es die SPD, die auf nur noch 15,6 Prozent kam. Die Union landete in der ARD-Hochrechnung bei 27,9 Prozent, im ZDF bei 27,7 Prozent.

Die SPD fiel auf Platz drei hinter die Grünen zurück, die mit 20,8 bis 21,8 Prozent ihr bislang bestes Ergebnis bei einer bundesweiten Wahl erzielen konnten. Die AfD legte im Vergleich zur letzten Europawahl 2014 zu und landete laut Hochrechnungen bei 10,5 bis 10,6 Prozent. FDP und Linkspartei kamen jeweils nur auf 5,5 Prozent der Stimmen.

SPD-Chefin Andrea Nahles hat mit Bestürzung auf die historischen Niederlagen ihrer Partei bei der Europawahl und der Wahl in Bremen reagiert. Die Ergebnisse seien „extrem enttäuschend“, sagte sie am Sonntagabend in Berlin. „Leider ist es uns nicht gelungen, dass Ruder herumzureißen.“ Sie sprach von „schmerzlichen Ergebnissen, die zeigen, dass
wir noch viel zu tun haben.“

Nahles versuchte, ihrer Partei Mut zu machen: „Ich sage ‚Kopf hoch‘ in Richtung SPD.“ Die Parteichefin beglückwünschte die Grünen dazu, dass diese erstmals bei einer bundesweiten Wahl zur zweitstärksten Kraft geworden sind.

Vor Anhängern in der SPD-Parteizentrale sprach Nahles auch inhaltliche Fragen an: Für viele Wähler sei das Thema Klimaschutz wahlentscheidend gewesen. In der Koalition wolle die SPD noch in diesem Jahr ein Klimaschutzgesetz durchsetzen.

Union und SPD verzeichneten demnach ihre bislang schlechtesten Ergebnisse bei einer Europawahl, die seit 1979 alle fünf Jahre abgehalten wird. Bei der letzten Europawahl im Jahr 2014 hatte die Union noch 35,3 Prozent der Stimmen gewonnen. Die SPD landete damals bei 27,3 Prozent.

Die AfD war bei der letzten Europawahl auf 7,1 Prozent gekommen, die Linkspartei auf 7,4 Prozent und die FDP auf 3,4 Prozent.

Da es bei der Europawahl in Deutschland keine Sperrklausel gibt, werden voraussichtlich erneut mehrere Kleinstparteien Mandate im EU-Parlament gewinnen.

Die Wahl galt auch als Stimmungstest für die Bundespolitik. Es war die erste bundesweite Abstimmung seit Vereidigung der GroKo im März 2018 – und die erste seit dem Wechsel an den Spitzen aller drei Koalitionsparteien.

Die Zahlen zu den Wahlergebnissen in Deutschland basieren zunächst nur auf Prognosen und Hochrechnungen. Offizielle Auszählungsergebnisse werden erst um 23.00 Uhr vorgelegt, wenn EU-weit die letzten Wahllokale schließen. Das vorläufige amtliche Endergebnis wird in der Nacht zu Montag zwischen 02.00 Uhr und 03.00 Uhr erwartet.

Rund 64,8 Millionen Wahlberechtigte waren in Deutschland aufgerufen, ihre Stimme abzugeben – unter ihnen waren knapp vier Millionen Bürger anderer EU-Staaten. Insgesamt 41 Parteien und politische Vereinigungen warben um ihre Stimmen. Deutschland entsendet 96 Abgeordnete in das 751 Mitglieder umfassende Europaparlament.

 

 

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