Altbundeskanzler Kohl ermutigt Merkel zu EU-Einigungkurs

Altkanzler Helmut Kohl und seine Ehefrau Maike Richter-Kohl (l) sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel. Foto: dpa

In einem Glückwunschschreiben zu ihrem Geburtstag hat Altbundeskanzler Helmut Kohl Bundeskanzlerin Angela Merkel zu einer Politik ermutigt, die sich auf ein weiteres Zusammenwachsen Europa konzentriert. Eine enge Partnerschaft mit den USA sei unerlässlich.

„Ich möchte Sie darin bestärken, am geeinten Europa festzuhalten, die politische Einigung weiter voranzutreiben und weiterhin für die notwendige Stabilität einzutreten“, schrieb Helmut Kohl in einem in „Bild“ veröffentlichten Glückwunschschreiben an Bundeskanzlerin Angela Merkel zu deren 60. Geburtstag.

Der 84-jährige Kohl, der von 1982 bis 1998 das Amt des Bundeskanzlers innehatte, sprach von einer einmaligen Erfolgsgeschichte Deutschlands und Europas „an der Seite unserer amerikanischen Freunde in der freien westlichen Welt und Wertegemeinschaft“. Er appellierte an Merkel: „Ich kann Sie einmal mehr mit Blick auf die aktuelle Lage und Diskussionen nur ermutigen, auf diesem Weg entschlossen weiter voranzugehen.“

Wenn Stabilität und Sicherheit auf dem europäischen Kontinent gewährleistet bleiben sollen, gebe es keine Alternative zu einem geeinten Europa und dem Euro, so Kohl. Europa und seine gemeinsame Währung könnten die in sie gesetzten Hoffnungen jedoch nur als „Stabilitätsgemeinschaft starker und zugleich gemeinsam handlungsfähiger Mitgliedstaaten“ erfüllen.

Derzeit wird in der EU über die Frage diskutiert, ob mehr oder weniger Integration angestrebt werden sollte. Das Verhältnis Deutschlands zu den USA ist wegen der Spionageaktivität der US-Geheimdienste erheblich belastet.

Verfechter des Euro von Beginn an

Helmut Kohl gehörte zu den Staats- und Regierungschefs der Europäischen Gemeinschaft, die im Mai 1998 in Brüssel die Einführung des Euro beschlossen hatten. Kohl war damals nach eigenen Aussagen bewusst, dass er gegen den Willen einer breiten Bevölkerungsmehrheit handelte und bei den wenige Monate später stattfindenden Bundestagswahl dadurch Wählerstimmen einbüßen würde. Tatsächlich verlor er die Wahl gegen den Sozialdemokraten Gerhard Schröder.

Bereits wenige Tage vor der EU-Wahl am 25. Mai 2014 hatte der frühere Kanzler in einem Interview mit der Bild betont, dass ein geschlossenes Europa eine Frage „von Krieg und Frieden“ bleibe, „mit allem, was dazugehört: neben dem Frieden auch die Freiheit, der Wohlstand und die Demokratie.“ Dafür, so hatte er damals betont, müssten die Finanzen in Ordnung gebracht werden sowie die Politische Union in Fragen der Wirtschafts- und Finanzpolitik und der Außen- und Sicherheitspolitik wieder auf die Agenda gesetzt werden.

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