Jeder siebente Muslim in Österreich ist streng gläubig

DISCLAIMER: Die hier aufgeführten Ansichten sind Ausdruck der Meinung des Verfassers, nicht die von EURACTIV.COM Ltd.

Etwa acht Prozent der Österreicher sind Muslime und 14 Prozent von ihnen gelten als fundamentalistisch. [dpa, Archiv]

Etwa acht Prozent der Österreicher sind Muslime und 14 Prozent von ihnen gelten als fundamentalistisch.

Derzeit zählt Österreich rund 8,2 Millionen Einwohner. Weit mehr als die Hälfte, nämlich 5,2 Millionen formieren als Katholiken und auf 700.000 schätzt man die Zahl der Muslime. In einer Studie, basierend auf mehr als 700 Interviews, wurde nun von den Wissenschaftlern Ednan Aslan, Jonas Kolb und Erol Yildiz erforscht, wie es um die Religiosität der Muslime bestellt ist. Und dabei zeigt sich, dass es bezüglich der Intensität des islamischen Glaubens fünf verschiedene Gruppen beziehungsweise Abstufungen gibt. Eine Aufgliederung, die nicht nur charakteristisch für Österreich ist, sondern wohl auch für andere europäische Länder gilt-

Mit 29,6 Prozent ist die größte Gruppe jener, die für eine „pragmatische Religiosität“ stehen. Sie halten die fünfmal täglich vorgeschriebenen Gebete so wie es die Situation am Arbeitsplatz, in der Freizeit gerade zulässt. Sie lassen keine Zweifel an ihrem Glauben aufkommen, aber nur, wenn es das Umfeld erlaubt und eben ohne Aufsehen zu erregen.

Am zweiten Platz rangieren mit 26,6 Prozent jene, für die der Islam zu ihrer „kulturellen Identität“ gehört. Sie sind gewissermaßen aus Gewohnheit Muslime, feiern bestimmte Anlässe – wie etwa den Ramadan – und halten sich ihr religiöses Gewissen rein, indem sie zum Beispiel für Fastenzelte spenden. Alles Übrige ist für sie eine Art Relikt aus vergangener Zeit

Auf 15 Prozent kommt die Gruppe, die eine „ungebundene Restreligiosität“ praktizieren. Sie glauben zwar an Gott und das Paradies (und auch die 77 Jungfrauen), lassen aber dies im Alltag nicht erkennen. Kurzum, diese Gruppe ist mit den so genannten „Taufscheinchristen“ vergleichbar.

14,8 Prozent der in Österreich lebenden Muslime fallen unter die Kategorie der „ungebundenen Religiosität“. Sie lassen sich von den Vorschriften des Korans nicht beeindrucken, sondern leben nach ihren eigenen Vorstellungen, im Durchschnitt sehr liberal.

Am letzten Platz kommen mit 14,1 Prozent die Muslime mit einer „bewahrenden Religiosität“. Darunter versteht man vor allem die so genannten Fundamentalisten.  Sie sind traditionalistisch eingestellt, wertkonservativ und sehr religiös. Die „fünf Säulen des Islam“ (öffentliches Glaubensbekenntnis, tägliches rituelles Gebet, sozialen Spende,  Fasten während des Ramadan und Wallfahrt nach Mekka) werden von ihnen nicht infrage gestellt.

Generell zeigt sich, dass in den städtischen Bereichen mehr jener Muslime zu finden sind, die sich nach der Arbeit in die eigenen religiösen Milieus zurück ziehen und dazu neigen, Staat und Religion sehr eng miteinander zu verquicken. Die Stadt steht somit nicht für Offenheit und Durchlässigkeit der Gesellschaft sondern eher für Abkapselung. Im ländlichen Bereich finden sich dafür mehr der Gesellschaft gegenüber offene Muslime, die auch Kontakt mit anderen Glaubensgemeinschaften haben und sich nicht in die eigenen vier Wände zurückziehen. Insgesamt fällt auf, wenn man vergleichende Studien aus vergangenen Jahren herbeizieht, dass der Islam wie auch andere Glaubensgemeinschaften von Säkularisierungstendenzen betroffen ist.

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