EU-Zukunftskonferenz: Zeit, das Versprechen an junge Menschen zu erfüllen

DISCLAIMER: Die hier aufgeführten Ansichten sind Ausdruck der Meinung des Verfassers, nicht die von EURACTIV Media network.

Konferenz über die Zukunft Europas - Plenarsitzung [European Parliament/Genevieve ENGEL]

Das Europäische Jugendforum zeigt auf, wie die Organisatoren der Konferenz zur Zukunft Europas auf die Empfehlungen reagieren und alle jungen Menschen in der EU fördern können, schreibt Frédéric Piccavet.

Frédéric Piccavet ist Vizepräsident des Europäischen Jugendforums, einer Plattform, die über 100 Jugendorganisationen aus ganz Europa vereint und Millionen junger Menschen vertritt.

Vielen erschien die EU-Zukunftskonferenz oft als ein langer und übermäßig komplexer Prozess. Nach fast einem Jahr voller Panels, Arbeitsgruppen, Plenarsitzungen und einer neue eingerichteten digitalen Plattform, ist es nicht einfach, den Überblick über die vielen Debatten und Ergebnisse zu behalten.

Wenn die Konferenz ein wenig aus dem Blickfeld geraten ist, ist jetzt der Zeitpunkt, ihr erneut Aufmerksamkeit zu schenken. Die europäischen Bürger:innen, die direkt an der Konferenz teilgenommen haben, haben 178 Empfehlungen verabschiedet. Diese liegen nun in den Händen der Konferenzorganisatoren. In den kommenden Wochen müssen sie sich auf ein Endergebnis einigen.

Die in den Empfehlungen der Bürger:innen angesprochenen Themen dürften bei den meisten Europäer:innen auf Resonanz stoßen. Soziale Ungleichheiten, Arbeitslosigkeit und die Achtung der Demokratie – Themen, die auch in der jüngsten Eurobarometer-Sonderumfrage zur Zukunft Europas eine wichtige Rolle spielten – fanden in den Diskussionen der Panels Beachtung.

Vor allem für junge Menschen steht viel auf dem Spiel, wenn es darum geht, wie Europa auf diese Empfehlungen reagieren wird. Von der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit bis zur Verbesserung der gesellschaftlichen Teilhabe junger Menschen – hier sind einige der entscheidenden Diskussionen, die Sie im Auge behalten sollten.

Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit

Der Übergang von der Ausbildung in die Arbeitswelt ist eine Herausforderung, der sich Millionen junger Menschen in Europa jeden Tag stellen müssen. Für Schulabbrecher:innen, Abiturient:innen oder Hochschulabsolvent:innen kann der erste Schritt ins Berufsleben alles andere als einfach sein.

Die Jugendarbeitslosigkeit ist während der Pandemie in die Höhe geschnellt. Obwohl sie in diesem Jahr auf 14 Prozent gesunken ist, bleibt sie mehr als doppelt so hoch wie die Arbeitslosenquote der EU-Bevölkerung insgesamt. In Zusammenhang mit der Zunahme von befristeten Verträgen und prekären Arbeitsverhältnissen gibt es viel zu bewältigen.

Die Teilnehmer:innen der EU empfohlen, Pläne auszuarbeiten, um die Auswirkungen von Krisen auf Studium, Berufsausbildung, das psychische Wohlbefinden und den Übergang in den Arbeitsmarkt junger Menschen zu minimieren.

Diese Empfehlung deckt sich mit der Aufforderung der Jugendorganisationen an die Regierungen. Diese sollen die verstärkte Jugendgarantie umsetzen und sicherstellen, dass jedem jungen Menschen innerhalb von vier Monaten nach dem Verlassen der Schule oder dem Eintritt in die Arbeitslosigkeit ein hochwertiges Beschäftigungs- oder Bildungsangebot ermöglicht wird.

Stärkere Beteiligung an der europäischen Demokratie

Die Konferenzteilnehmer:innen diskutierten auch den Zustand der europäischen Demokratie sehr offen. Sie wiesen darauf hin, wie sehr sich insbesondere junge Menschen von der Politik entfremdet haben. Oft fühlten sie sich nicht ernst genommen, wenn sie in die politische Entscheidungsfindung einbezogen wurden.

In der Tat wird die Förderung der aktiven Beteiligung junger Menschen an demokratischen Prozessen oft als eine der größten Herausforderungen angesehen. Die Teilnehmer:innen stellten zu Recht fest, dass es dringend notwendig sei, die Verbindung zwischen europäischen Institutionen und den Menschen, die sie vertreten, zu stärken und eine klare Zuständigkeit zu schaffen.

Dies ist seit langem ein Anliegen der europäischen Jugendorganisationen, die neue partizipative Ansätze für die Entscheidungsfindung empfehlen. Das Europäische Jugendforum hat sich für einen Jugendtest eingesetzt. Dieser solle eine Einschätzung abgeben, welche Auswirkungen neuen EU-Rechtsvorschriften auf junge Menschen haben könnten.

Viele Aktivisten haben außerdem die Mitgliedstaaten aufgefordert, das Wahlalter auf 16 Jahre zu senken.

Den Weg zu einer gerechten Gesellschaft ebnen

Weitere Empfehlungen zielten darauf ab, Diskriminierung zu beenden und jedem jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, sein Potenzial auszuschöpfen, unabhängig davon, woher er kommt. Die Teilnehmer:innen schlugen vor, die Anerkennung von Berufsabschlüssen und Ausbildungen zwischen den EU-Ländern zu fördern.

Durch die zusätzliche Anerkennung der nicht-formalen Bildung und des informellen Lernens sowie der Jugendorganisationen, die diese anbieten, könnte die EU die Mobilität zu einer echten Chance für alle jungen Menschen machen. Gleichzeitig würde dieser Schritt Jugendorganisationen in ganz Europa maßgeblich unterstützen.

Eine weitere Empfehlung betrifft die Diversität in Unternehmen. Laut dem Vorschlag könnten klare Anreizen für die Anstellung von verschiedenen Altersgruppen, Frauen und Minderheiten geschaffen werden. Ebenso wurde der Wunsch nach Qualifizierungsprogrammen für junge Menschen und soziale Gruppen, die unter Diskriminierung leiden, laut.

Alle diese Vorschläge unterstreichen die Botschaft, dass Investitionen in die Zukunft junger Menschen der Gesellschaft insgesamt zugutekommen.

Politisches Engagement auf der Probe

Die Teilnehmer:innen der Panels wurden so ausgewählt, dass sie die Vielfalt der EU in Bezug auf geografische Herkunft, Geschlecht und sozioökonomischen Hintergrund widerspiegeln. Ein Drittel jedes Panels bestand aus jungen Menschen im Alter von 16 bis 25 Jahren.

Im Vergleich dazu waren bei der Wahl des Europäischen Parlaments 2019 nur drei Abgeordnete unter 25 Jahren, und das Durchschnittsalter im Europäischen Parlament lag bei 50 Jahren.

Diese Diskrepanz zwischen Realität und Repräsentation ist für junge Menschen nicht zu übersehen. Die jüngere Generation muss sich daher fragt, ob ihre politischen Vertreter:innen ihre Erfahrungen von finanzieller Unsicherheit, prekären Arbeitsbedingungen und dem Kampf für Klimagerechtigkeit und Geschlechtergleichstellung teilen.

Die Bemühungen der Konferenz, junge Menschen in die europäische Politik einzubeziehen, sind zwar ein großer Schritt nach vorn, um den üblichen Mangel an Repräsentation zu beheben, aber die Zukunftskonferenz alleine wird nicht ausreichen.

Wie geht es weiter?

Die Konferenz erreicht nun den entscheidenden Punkt, an dem die Glaubwürdigkeit der Entscheidungsträger:innen in Bezug auf ihre Bereitschaft geprüft wird, den von den Bürger:innen gewünschten Wandel herbeizuführen.

Es jetzt an der Zeit, dass die Organisator:innen der Konferenz die Empfehlungen in offenen Diskussionen mit allen Teilnehmer:innen bewerten, überprüfen und verinnerlichen.

Was als Nächstes kommt, könnte uns alle betreffen. Die Konferenz könnte ein Beweis dafür sein, dass sich Europa für seine junge Generation einsetzt, und die Institutionen Raum für junge Menschen schaffen. Bleibt ein wirklicher Wandel jedoch aus, wäre dies ein deutliches Zeichen für junge Menschen in Europa, dass ihnen kein Gehör geschenkt wird.

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