Zweifel an Vereinbarkeit von Islam mit westlichen Werten

Moscheen stehen immer wieder im Zentrum politischer Auseinandersetzungen. [shutterstock/Richard Yoshida]

In Österreich glaubt man kaum an eine Vereinbarkeit des Islam mit den so genannten westlichen Werten. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung.

Die erste TV-Diskussion der Vertreter jener Parteien, die aller Voraussicht nach mit einem Einzug ins Parlament rechnen dürfen, beschäftigte sich nicht nur mit den Wahlprogrammen. So wurde auch eine Gewissensfrage gestellt: „Brauchen wir eine christliche Leitkultur?“ Nur zwei der sechs Spitzenkandidaten haben diese Frage mit JA beantwortet. Die restlichen sagten NEIN. Für die christliche Leitkultur sprachen sich Sebastian Kurz und Heinz Christian Strache (FPÖ) aus. Dagegen votierten Christian Kern (SPÖ), Matthias Strolz (NEOS), Ulrike Lunacek (Grüne) sowie Peter Pilz, der für die abgespaltete Grün-Liste steht.

Nicht nur in Deutschland, auch in Österreich hat es in  der Vergangenheit immer wieder Ansätze gegeben, eine abendländische oder christliche Leitkultur zu definieren. Im Zuge der Verhandlungen über eine Europäische Verfassung, die dann wieder ad acta gelegt wurde, wollte man expressis verbis einen Gottesbezug im Verfassungstext verankern. Hier gerieten aber die Vertreter der französischen Staatsverfassung, die für eine rigorose Trennung von Staat und Kirche steht, mit der von der katholischen und evangelischen Kirche geprägten Auffassung anderer EU-Mitgliedstaaten wie Polen, Irland, Italien, Deutschland und Österreich in Konflikt. So blieb der Gottesbezug auf der Strecke.

80 Prozent wollen „christliches Österreich“

Die Auseinandersetzung mit dem politischen Islam und insbesondere die Forderung nach einem „europäischen Islam“ entfachen die Debatte über die so genannten abendländischen Werte neu. Dabei spielen Religion und Gottesbezug eine wesentliche Rolle. Tatsächlich basiert das heutige Europa auf drei Säulen, die die Namen Athen, Rom und Jerusalem tragen. Athen kommt dabei die Rolle der Demokratie, Rom jene des Rechtsstaates und Jerusalem jene als die Wiege des Christentums. Diese drei „Elemente“ prägten Kultur und Geschichte des Kontinents über mehr als zwei Jahrtausende.

Der Sozialwissenschaftler Josef Höchtl arbeitet gerade an einer Studie, die der Frage nachgeht, ob die österreichische Bevölkerung überhaupt christlich geprägt sein will und wie es mit der Vereinbarkeit des Islam mit den westlichen Grundwerten von Demokratie, Freiheit und Toleranz steht. EurActiv stellte er dazu aktuelle Daten aus einer demoskopischen Erhebung (1000er Sample) zur Verfügung, die eine interessante Antwort auf die Gewissenfrage in der TV-Diskussion liefern. Demnach glauben nur elf Prozent, dass der Islam mit den westlichen Vorstellungen von Demokratie, Freiheit und Toleranz überhaupt vereinbar ist. 71 Prozent glauben das nicht. 80 Prozent der österreichischen Bevölkerung wollen Österreich dezidiert auch in Zukunft als christliches Land sehen- unabhängig von der eigenen Religionszugehörigkeit.

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