WHO sieht Europa weiterhin „im Auge des Sturms“ der Pandemie

In Frankreich wurden die Ausgangsbeschränkungen bis 11. Mai verlängert. [IAN LANGSDON/EPA]

Allen Eindämmungsmaßnahmen zum Trotz steigt die Zahl der Corona-Infizierten und -Toten weltweit weiter an.

Die höchsten Totenzahlen verzeichnet nach wie vor Europa, dort starben bereits mehr als 90.000 Menschen. Die Schweiz, wo die Zahl der Neuansteckungen seit fast zwei Wochen zurückgeht, beschloss am Donnerstag konkrete Maßnahmen für eine schrittweise Lockerung der Kontaktbeschränkungen. In Japan wurde derweil der Ausnahmezustand auf das ganze Land ausgeweitet.

Weltweit starben nach AFP-Zählung bereits über 137.000 Menschen an den Folgen des Virus, knapp 2,1 Millionen haben sich seit dem Ausbruch zum Jahresende infiziert. Rund eine halbe Million von ihnen gilt jedoch inzwischen als wieder geheilt. Mit fast 31.000 Toten sind die USA das am stärksten betroffen Land.

Doch auch Europa ist nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO immer noch fest im Griff der Pandemie. „Wir befinden uns weiterhin im Auge des Sturms“, erklärte der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge, in Kopenhagen. Trotz einiger „optimistisch stimmender Anzeichen“ in Spanien, Italien, Deutschland, Frankreich und der Schweiz nehme die Zahl der Infektionen in Europa insgesamt weiter zu.

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In den vergangenen zehn Tagen habe sich die Zahl der Infektionen europaweit verdoppelt, sagte Kluge. Rund die Hälfte aller bestätigten Infektionsfälle weltweit entfielen auf Europa.

Kluge appellierte an die Länder, vor der Lockerung von Schutzmaßnahmen sicherzustellen, dass sich das Virus nicht unkontrolliert weiter verbreite. Zudem müsse das Gesundheitssystem in der Lage sein, bei einer Infektion die Kontakte des Betroffenen nachzuverfolgen, zu testen und zu isolieren. Das Ansteckungsrisiko in besonders gefährdeten Orten wie Altenheimen müsse minimiert werden. „Es ist unbedingt erforderlich, dass wir weiter wachsam bleiben“, sagte Kluge.

Die Zahl der Infektionsfälle in Europa überstieg inzwischen die Marke von einer Million. Die Zahl der Toten stieg auf über 90.000: Am stärksten betroffen sind Italien mit 21.645 Corona-Toten, gefolgt von Spanien mit 19.130, Frankreich mit 17.167 Todesfällen und Großbritannien mit 13.729 Todesfällen.

In Großbritannien, wo alleine am Donnerstag 861 neue Todesfälle gemeldet wurden, dürften die Ausgangsbeschränkungen verlängert werden. Gesundheitsminister Matt Hancock sagte dem Rundfunksender BBC im Vorfeld der Tagung des Krisenkomitees am Donnerstag, für eine Aufhebung der seit 23. März geltenden Maßnahmen sei es noch zu früh.

Dagegen beschloss die Schweizer Regierung, die Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie schrittweise wieder aufzuheben. Ab 27. April sollen Kitas, Friseure, Baumärkte und Gartencenter sowie Ärzte, Physiotherapeuten wieder ihre Arbeit aufnehmen. Ab 11. Mai sollen Grundschulen, Geschäfte und Märkte wieder öffnen, ab 8. Juni dann die weiterführenden sowie Berufs- und Hochschulen ebenso Museen, Bibliotheken und Zoos. Zudem soll das vor jeder Etappe die Lage geprüft werden.

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Die Coronavirus-Krise hat viel Leid und Unsicherheit verursacht, aber ihre Nachwirkungen bieten die Chance, mit alten Gewohnheiten zu brechen und eine nachhaltige sowie wettbewerbsfähige Wirtschaft aufzubauen, schreiben Frans Timmermans und Bertrand Piccard.

Obwohl die USA am Mittwoch erneut eine Rekordzahl von 2600 Toten binnen 24 Stunden meldeten, wollte US-Präsident Donald Trump am Donnerstag seine Marschroute für ein Wiederhochfahren der US-Wirtschaft bekanntgeben. Das Coronavirus und die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie haben das Land in eine schwere Wirtschaftskrise gestürzt. Allein in der vergangenen Woche meldeten sich 5,2 Millionen Menschen neu arbeitslos. Damit haben binnen vier Wochen mehr als 20 Millionen US-Bürger ihren Job verloren.

In Japan hingegen weitete Regierungschef Shinzo Abe den seit 8. April in Tokio und sechs weiteren Regionen geltenden Ausnahmezustand auf das ganze Land aus. Dieser ermöglicht es den Gouverneuren, allen Bewohnern mit Nachdruck zu empfehlen, zu Hause zu bleiben. Zudem können sie die Schließung von Geschäften nahelegen. Ausgangssperren und andere strikte Verbote wie in anderen Ländern dürfen die Behörden in Japan jedoch nicht verhängen.

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