Was steht im neuen Glücksspielstaatsvertrag?

Eine Spielhalle – nicht grundlos umgangssprachlich auch als Spielhölle bezeichnet. [Foto: Supachai Katiyasurin/Shutterstock]

Spielautomaten verheißen das schnelle Glück. Ein wenig Zocken, schon klingelt es in der Kasse, suggerieren die Betreiber der Spielhallen in Deutschland. Doch das Suchtpotenzial ist hoch.

Das Spielsucht-Potenzial ist in der Bundesrepublik hoch.  Zwischen 200.000 und 400.000 Menschen gelten in Deutschland als glücksspielsüchtig. Suchtexperten schätzen, dass es auch weit mehr sein könnten. Um die Suchtgefahren einzudämmen, wird das Glücksspiel in Deutschland staatlich reguliert. Die Länder haben das Monopol. Am 1. Juli 2017 werden die Regeln für Glücksspiele noch etwas schärfer.

Dann nämlich treten die lange strittigen Änderungen des Glücksspielstaatsvertrags ( GlüStV) in Kraft und ersetzen damit den bestehenden Staatsvertrag aus dem Jahr 2012.

Die wichtigsten Neuerungen auf einen Blick:

  • Es gelten neue Mindestabstände zwischen den Spielhallen. Wie groß diese sind, entscheiden die Bundesländer weiterhin individuell. In Nordrhein-Westfalen gelten 350 Meter Abstand, in Schleswig-Holstein 300 Meter und in Berlin, Bayern und Baden-Württemberg 500 Meter.
  • Der Staat vergibt keine Mehrfachkonzessionen mehr. Dagegen wird nur noch eine Konzession für je zwölf Geräte vergeben. In neuen Spielhallen dürfen demnach nur noch maximal zwölf Automaten stehen. Bestehende Konzessionen für Mehrfachkomplexe verlieren ihre Gültigkeit.
  • Geldautomaten dürfen ab dem 1. Juli nicht mehr innerhalb von oder in direkter Nähe zu Spielhallen stehen. Ein Mindestabstand soll verhindern, dass Spielsüchtige all zu bequem an Nachschub kommen, wenn sie ihr Geld verspielt haben.
  • Der Begriff „Casino“ ist aufgrund seiner euphemistischen Bedeutung verboten, da er durch glamouröse Assoziationen den Spielanreiz erhöhen könnte.
  • Zu Berufsschulen und Gymnasien muss ein Mindestabstand von 100 Metern eingehalten werden. In Berlin sind es 200 Meter. die Anreize für sehr junge Spieler sollen damit minimiert werden.
  • Spielhallenbetreiber, die gegen den neuen Glücksspielstaatsvertrag verstoßen, müssen mit deutlich höheren Bußgeldern rechnen. Viele Betreiber werden wohl gegen den neuen Vertrag klagen, um Ausnahmeregelungen zu erzwingen.

Ein wichtiger Schritt ist laut Suchtexperten mit der Minimierung der Automaten in Gaststätten und Kneipen getan. Diese haben ein großes Suchtpotenzial, das durch eine hohe Ereignisfrequenz zustande kommt. Das heißt, Spieler können im Sekundentakt neue Spiele beginnen, anders als beim Lotto, wo man am Mittwoch seinen Schein abgibt und am Samstag erfährt, ob man etwas gewonnen hat.

Zudem ist das Angebot an Automaten sehr breit. Die Betreiber haben große Entwicklungsabteilungen, die nur damit beschäftigt sind, die Spiele attraktiv zu machen. In den Spielhallen wird zudem auf eine schmucke Atmosphäre geachtet, inklusive rotem Teppich und Freigetränken. Für besonders schwierig halten Experten auch sogenannte Fastgewinne, bei denen den Spielern suggeriert wird, sie hätten es beinahe geschafft. Die Tasten an den Spielgeräten suggerieren zudem nicht vorhandene Einflussmöglichkeiten auf den Spielverlauf, der tatsächlich computergeneriert ist.

Was nach wie vor nicht in der Novellierung des Glücksspielstaatsvertrages berücksichtigt wurde, sind die wachsenden Angebote auf dem Onlinemarkt. Dieser verzeichnet derzeit Zuwachszahlen von 20-30 Prozent und ist weiterhin illegal. Die meisten Onlineangebote kommen aus dem Ausland. Der neue Vertrag sah eigentlich vor, den Online-Sportwettenmarkt zu öffnen und 20 Konzessionen zu vergeben. Das hat nicht funktioniert und so bleiben Onlinewetten weiterhin illegal, mit der Konsequenz fehlender Regulierungsmöglichkeiten.

Wie könnte ein regulierter Online-Markt aussehen?

Zum einen könnte es legale deutsche Angebote geben, für deren Nutzung die Spieler sensibilisiert werden müssten. Dazu müsste Aufklärungsarbeit dahingehend geleistet werden, dass die Spieler um die Unterschiede zwischen legalen und illegalen Seiten wissen. Kreditkartenanbieter müssten mitarbeiten und beispielsweise gewährleisten, dass Überweisungen an Spielhallenbetreiber einen Maximalwert von zum Beispiel 1000 Euro pro Monat nicht überschreiten. Und auch online müssten bestimmte Sperrsysteme und Identifizierungsmaßnahmen eingesetzt werden, dass nicht mehr anonym gespielt werden kann.

Der Offline-Spielhallenmarkt ist da deutlich leichter zu regulieren, was erklärt, wieso der Onlinemarkt nicht Bestandteil des neuen Glücksspielstaatsvertrags ist. Hier herrscht Nachholbedarf und so dürfte die aktuelle Novellierung nicht die letzte gewesen sein.

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