Vereitelter Terroranschlag vor der französischen Präsidentschaftswahl

Für die erste Wahlrunde bei der französischen Präsidentschaftswahl am Sonntag und die Stichwahl am 07. Mai sollen jeweils 50.000 Polizisten und Soldaten abgestellt werden. [GERARD BOTTINO/shutterstock]

In Frankreich ist kurz vor der mit Spannung erwarteten Präsidentschaftswahl ein Anschlag vereitelt worden.

Innenminister Matthias Fekl sprach am Dienstag von einem „unmittelbar bevorstehenden und gewaltsamen Angriff“, der durch die Festnahme zweier Verdächtiger in Marseille verhindert worden sei. Die beiden Franzosen im Alter von 23 und 30 Jahren hatten dem Minister zufolge für die kommenden Tage eine terroristische Tat auf französischem Boden geplant.

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Für die erste Wahlrunde am Sonntag und die Stichwahl am 07. Mai sollen nun jeweils 50.000 Polizisten und Soldaten abgestellt werden. Das Land ist seit längerem im Visier von Islamisten: Nach einer Reihe von Anschlägen herrscht die höchste Alarmstufe und der Ausnahmezustand. Seit Anfang 2015 wurden mehr als 230 Menschen bei Attentaten getötet.

In Marseille wurde den Behörden zufolge bei einer Razzia in einer Wohnung nahe dem Hauptbahnhof Sprengstoff beschlagnahmt. Wie aus Ermittlerkreisen verlautete, wurden dabei auch mindestens zwei Sturmgewehre entdeckt. Die Polizei war bereits seit Tagen auf der Jagd nach den vorbestraften Männern. Einer soll sich im Gefängnis dem radikalen Islam zugewandt haben.

In Marseille plant EU-Gegnerin Marine Le Pen für Mittwoch ihre letzte Großkundgebung vor der Wahl am Sonntag. Die Kandidatin liegt in Umfragen knapp hinter dem linksliberalen Favoriten Emmanuel Macron. Dessen Sprecher bestätigte, dass die wichtigsten Kandidaten bereits Mitte voriger Woche über ein Anschlagsrisiko unterrichtet wurden. „Für Kundgebungen und Zentralen wurde Extraschutz bereitgestellt.“ Dem Ex-Wirtschafsminister werden in der ersten Runde 23 Prozent vorhergesagt. Die Rechtsextreme Le Pen liegt einen Prozentpunkt zurück. In der Stichwahl sehen alle Umfragen Macron klar vor Le Pen.

Nervöse Märkte 

An den Anleihemärkten steigt hingegen die Nervosität vor den Wahlen: Verstärkt verkaufen Anleger französische Papiere, was deren Renditen in die Höhe treibt. Auch IWF-Chefin Christine Lagarde äußerte sich besorgt. Die Französin sagte der „Welt“ und anderen europäischen Blättern: „Es gibt ganz eindeutig eine wachsende Sorge über den unsicheren Wahlausgang.“ Einige Ideen zielten auf ein Zerbrechen der EU-Strukturen hin.

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Nach der ersten Wahlrunde gelangen die beiden Kandidaten mit den größten Stimmenanteilen in die Stichwahl, die zwei Wochen später stattfindet. Umfragen zufolge würde selbst der für die erste Runde auf Rang drei platzierte Konservative Francois Fillon die Le Pen in der zweiten Runde schlagen. Mit prognostizierten 20 Prozent in der ersten Runde wird er den Stichentscheid aber wohl verfehlen: Dies gilt auch für den Linkspolitiker Jean-Luc Melenchon.

Wie Le Pen hat Melenchon im Wahlkampf Stimmung gegen die EU-Politik gemacht. Le Pen hat auch immer wieder mit nationalistischen und fremdenfeindlichen Tönen für Aufsehen gesorgt. Sie will alle Moscheen schließen, die im Verdacht stehen, mit dem radikalen Islam in Verbindung zu stehen.

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