USA und EU machen China für „bösartigen Cyberangriff“ verantwortlich

Der Microsoft-Hack, der Schwachstellen im Exchange-Dienst des Unternehmens ausnutzte, betraf mindestens 30.000 US-Organisationen, darunter auch lokale Behörden, sowie Firmen und Verwaltungen weltweit. [DANIEL CONSTANTE / Shutterstock]

 

Die USA haben Peking am gestrigen Montag (19. Juli) beschuldigt, hinter einem breit angelegten Hack gegen Microsoft-Email-Server zu stecken. Gleichzeitig wurden vier chinesische Staatsangehörige wegen anderer Vorfälle angeklagt. Die EU und weitere US-Verbündete schlossen sich einer seltenen gemeinsamen Erklärung an, in der „bösartige“ Cyber-Aktivitäten Chinas verurteilt werden.

US-Außenminister Antony Blinken erklärte, der Angriff auf Microsoft Exchange sei Teil eines breiteren „Musters von unverantwortlichem, störendem und destabilisierendem Verhalten im Cyberspace, das eine große Bedrohung für unsere wirtschaftliche und nationale Sicherheit darstellt“.

Chinas Ministerium für Staatssicherheit habe „ein Ökosystem von kriminellen Auftragshackern aufgebaut, die sowohl staatlich geförderte Aktivitäten als auch Cyberkriminalität zu ihrem eigenen finanziellen Vorteil durchführen“, so Blinken in einer Erklärung.

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In einer zeitgleichen Ankündigung teilte das US-Justizministerium mit, dass vier chinesische Staatsangehörige angeklagt wurden, zwischen 2011 und 2018 die Computer von Dutzenden Unternehmen, Universitäten und Regierungsstellen in den Vereinigten Staaten und im Ausland gehackt zu haben.

Unter Hinweis auf die Anklageschrift drohte Blinken, mit amerikanischen „Konsequenzen“ für die chinesischen „Cyber-Akteuren und ihr unverantwortliches Verhalten im Cyberspace.“

Präsident Joe Biden erklärte gegenüber der Presse, die US-Behörden seien noch dabei, Untersuchungen abzuschließen, bevor sie Gegenmaßnahmen ergreifen. Er zog auch Parallelen zu Russland: „Die chinesische Regierung – nicht anders als die russische Regierung – tut dies [Hacken] nicht selbst, aber sie schützt diejenigen, die es tun.“

Koordinierung & Widerspruch

Die US-Regierung koordinierte ihre Erklärung am Montag mit ihren Verbündeten – darunter die Europäische Union, das Vereinigte Königreich, Australien, Kanada, Neuseeland und Japan.

„Das Kompromittieren und Ausbeuten des Microsoft Exchange Servers hat die Sicherheit und Integrität von Tausenden Computern und Netzwerken weltweit untergraben,“ so der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell im Namen der Mitgliedstaaten. Der britische Außenminister Dominic Raab bezeichnete den Cyberangriff als „dreist und rücksichtslos“.

Die chinesische Botschaft in Neuseeland wiederum wies die „völlig haltlosen und unverantwortlichen“ Anschuldigungen heute früh umgehend zurück. Sie wurde von der Botschaft in Australien unterstützt, die Canberra beschuldigte, „die Rhetorik der USA nachzuplappern.“

In einer chinesischen Erklärung heißt es weiter: „Es ist bekannt, dass die USA im skrupellosen, massiven und wahllosen Abhören vieler Länder aktiv sind, einschließlich ihrer Verbündeten.“

Die Vereinigten Staaten seien somit „der Weltmeister im Abhören“.

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Der Microsoft-Hack, der Schwachstellen im Exchange-Dienst des Unternehmens ausnutzte, betraf mindestens 30.000 US-Organisationen, darunter auch lokale Behörden, sowie Firmen und Verwaltungen weltweit.

Blinken sagte in seinem Statement dazu: „Diese Auftragshacker haben Regierungen und Unternehmen Milliarden von Dollar an gestohlenem geistigen Eigentum, Lösegeldzahlungen und Cybersecurity-Maßnahmen gekostet – und das alles, während der [chinesische Geheimdienst] MSS sie auf seiner Gehaltsliste hatte.“

Diese Jahr hat es bereits eine Reihe prominenter Ransomware-Angriffe gegeben, die unter anderem eine US-Pipeline, einen Fleischverarbeiter und die Software-Firma Kaseya in ihrer Arbeit gestört hatten. Insgesamt waren dabei 1.500 Unternehmen direkt oder indirekt betroffen.

Erst in der vergangenen Woche bot Washington ein „Belohnungsgeld“ von bis zu zehn Millionen Dollar für Informationen über ausländische Hacker und Online-Erpresser.

[Hinweis: Dies ist eine gekürzte Übersetzung. Den Originalartikel in voller Länge (auf Englisch) finden Sie hier.]

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