Ungewohnte Einigkeit gegen angedachte Fußball-Superliga

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im Video-Gespräch mit UEFA-Chef Aleksander Čeferin. [EC]

Von hochrangigen EU-Beamten über europäische und britische Staatsoberhäupter bis hin zu den Führern nationalistischer Parteien: In der allgemeinen Kritik gegen ein neues Projekt im Profifußball zeigt sich Europas Politik ungewohnt geeint.

Zwölf der größten Fußballvereine der Welt hatten am Sonntag den Plan vorgelegt, einen neuen internationalen Wettbewerb – die sogenannte Super League – zu starten, und so mit der bestehenden Champions League zu konkurrieren, die von Europas Fußballverband UEFA ausgerichtet wird.

Der Vorstoß, der mit sinkenden Zuschauerzahlen und dem wirtschaftlichen Potenzial eines solchen neuen Turniers begründet wird, wurde von der UEFA umgehend verurteilt. Sie drohte den Vereinen der angedachten Super League bereits mit einem Spielverbot für alle anderen Wettbewerbe.

Die europaweite Kritik an den Plänen fand auch in Brüssel schnell Widerhall: Kommissionsvizepräsident Margaritis Schinas tweetete am Montagmittag: „Wir müssen ein werteorientiertes europäisches Sportmodell verteidigen, das auf Vielfalt und Inklusion basiert.“ Es sei nicht hinnehmbar, dass gewisse Wettbewerbe für einige wenige reiche und mächtige Vereine „reserviert“ würden.

Schinas, selbst Fan des griechischen Teams Aris Thessaloniki, gehörte zu den EU-Gesetzgebern, die sich im vergangenen Dezember mit UEFA-Präsident Aleksander Čeferin trafen, als dieser auf EU-Ebene bereits Lobbyarbeit gegen die Super League betrieb.

Später am Montag stellte die Kommission ihre offizielle Position klar und teilte mit, man verteidige ein europäisches Modell des Sports als Teil des allgemeinen gesellschaftlichen Gefüges. „Die Hauptprinzipien dieses Modells sind Autonomie, Offenheit, Solidarität zwischen Breiten- und Profisport sowie gegenseitige Unterstützung und Abhängigkeit der Sportverbände,“ sagte ein Kommissionssprecher.

Laut der Kommission ist eine gute Führung und Verwaltung, die auf klar definierten, transparenten und nicht diskriminierenden Regeln basiert, auch im Profisport eine Voraussetzung für die „Autonomie und Selbstregulierung von Sportorganisationen“.

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Diese Reaktion der Kommission deutet allerdings darauf hin, dass sich die EU-Exekutive vorerst nicht wirklich in die Angelegenheit einmischen und zu sehr auf eine Seite schlagen will. Schließlich könnte das Thema zu einem späteren Zeitpunkt zu einem wettbewerbsrechtlichen Streit zwischen der Super League und den Verbänden führen – über den die Kommission dann wohl entscheiden müsste.

Angesprochen auf die möglichen kartellrechtlichen Aspekte der Super-League-Vorschläge, wollte sich die EU-Institution dann auch nicht weiter äußern, da ihr bisher noch keine detaillierteren Informationen vorlägen. Ein weiterer Sprecher sagte lediglich: „Wenn es zu Streitigkeiten im Zusammenhang mit der Verwaltung des Sports kommt, können diese in der Regel am besten von den zuständigen Schiedsstellen und nationalen Gerichten behandelt werden.“

Wem gehört der Fußball?

Im Interview mit der französischen Fußballzeitung L’Equipe sagte der Präsident des Europäischen Parlaments, David Sassoli, dass „in Europa der Fußball den Menschen gehört – mit einem Modell, das auf Fairness und Solidarität basiert. […] Die Initiative dieser großen europäischen Vereine respektiert diese Prinzipien nicht. Sie läuft ihnen sogar zuwider. Deshalb bin ich entschieden gegen dieses Projekt.“

Auch die Arbeitsgruppe für Sport des Europäischen Parlaments kritisierte das Projekt in einer Stellungnahme deutlich: „Dieser vorgeschlagene, geschlossene Wettbewerb superreicher Klubs würde eine privilegierte Kaste außerhalb der Strukturen des europäischen Klubfußballs bilden – eine Kaste, die nichts anderes im Sinn hat als Profit zu machen.“

Der britische Premierminister Boris Johnson sagte, seine Regierung werde „alles prüfen, was wir gemeinsam mit den Fußballbehörden tun können, um sicherzustellen, dass dies nicht in der Art und Weise weitergeht, wie es derzeit vorgeschlagen wird.“ Frankreichs Präsident Emmanuel Macron begrüßte die Position der französischen Vereine, die sich weigern, an dem Super-League-Projekt teilzunehmen. Italiens Premier Mario Draghi betonte, seine Regierung werde die UEFA unterstützen, um nationale Wettbewerbe, „leistungsfördernde Werte und die soziale Funktion des Sports“ zu erhalten.

Nationalistische Politikerinnen und Politiker – vom ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán bis zu Marine Le Pens Partei Rassemblement National in Frankreich – schlossen sich der Kritik ebenfalls an.

Matteo Salvini, der Chef der rechten Lega aus Italien, sagte: „Ich mag lieber die Siege, die mit viel Schweiß auf dem Feld errungen wurden, als solche, die mit Millionen an der Börse gekauft wurden.“ Er selbst ist Fan des AC Milan – einer der Clubs, die Teil der Super League werden wollen.

[Hinweis: Dies ist eine gekürzte Übersetzung. Den kompletten Artikel im englischen Original finden Sie hier. Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Tim Steins]

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