Überschwemmungsgefahr: Die französisch-italienische Zusammenarbeit im Mittelmeerraum

Zwischen 1900 und 2017 haben insgesamt 180 Naturkatastrophen mit "schwerwiegenden" Auswirkungen Frankreich heimgesucht. Zwei Drittel davon waren Überschwemmungen. [Mark Robinson / Flickr]

Sie teilen dasselbe Risiko – und profitieren von denselben Unterstützungsfonds: Im Rahmen des Projekts Proterina-3Evolution arbeiten 14 italienische und französische Partner gemeinsam für mehr Hochwasserschutz. EURACTIV Frankreich berichtet.

Am 11. Juni traf es die östlichen Bezirke der Stadt Ajaccio auf Korsika: Videoaufnahmen zeigen schlammige Wassermassen, die Mülltonnen und Autos wegspülen. „Nahezu 160 Millimeter Wasser fielen an diesem Tag,“ berichtet Nicole Ottavy, stellvertretende Bürgermeisterin von Ajaccio und Delegierte für Stadtplanung, im Gespräch mit EURACTIV Frankreich.

„Wir setzten dann zum ersten Mal die Hochwasserschutzausrüstung ein: Fünf Sirenen, zwei Generatoren, eine professionelle Drohne für die Wasserüberwachung, etwa vierzig Absperrungen für die Straßen“ – und vor allem eine kommunale Leitstelle, „damit man sich bei Problemen direkt an die Präfektur wenden kann“.

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Durch die Erderwärmung komme es zu mehr Gesundheitsrisiken durch die Hitzebelastung, einem Anstieg der mittleren Oberflächentemperatur der Nordsee sowie zu stärkeren Ertragsschwankungen in der Landwirtschaft.

Diese Ausrüstung sei in Ajaccio von fundamentaler Bedeutung, erklärt Ottavy: „Die Gemeinde ist mit verschiedenen Überschwemmungsrisiken konfrontiert. Das Übertreten zweier Flüsse, des San Remedio Arbitrone und des Gravona-Prunelli, sind häufig zu beobachten.“ Insbesondere die Bezirke Cannes und Les Salines, die im vergangenen Juni überflutet wurden, seien besonders gefährdet.

Doch ganz Korsika ist in dieser Hinsicht Risikogebiet: Jedes Jahr kommt es zu sogenannten „Cévenols“ – intensiven und plötzlichen Regenfällen, die typisch für den gesamten Südosten Frankreichs und die dortige Mittelmeerregion sind, und die jedes Jahr schwere Schäden anrichten.

Ottavy, die seit rund 50 Jahren in Ajaccio lebt, stellt jedoch fest, dass die Überschwemmungen in den vergangenen Jahrzehnten häufiger und intensiver geworden sind: „Es ist richtig, dass solche Ereignisse heute weniger außergewöhnlich sind als früher. Dies gilt umso mehr, seit in den 1960er Jahren neue Stadtteile unterhalb des Meeresspiegels gebaut wurden.“

Gemeinsame Gefahr im Mittelmeer

Klimastörungen verstärken Unwetterereignisse, und die rasche Urbanisierung tut ein Übriges. Beton, höhere Bebauungsdichte, Bodenversiegelung: Die Böden sind nicht mehr in der Lage, diese starken Regenfälle aufzunehmen. Die Wahrscheinlichkeit von Überschwemmungen, die Wohngebiete bedrohen, steigt praktisch mit jedem neuen Grundstücksverkauf. Die Mittelmeerküste, an der Immobilienprojekte florieren, ist dabei besonders gefährdet.

Aus diesem Grund bekämpfen Frankreich und Italien seit 2017 gemeinsam die Gefahren durch Hochwasser und Überschwemmung. Im Rahmen des Projekts Proterina-3Evolution erhalten 14 Partner aus den Regionen Provence-Alpes-Côte d’Azur, Korsika, Sardinien, Ligurien und Toskana insgesamt sechs Millionen Euro für den Hochwasserschutz, davon fünf Millionen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).

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In Europe werden Waldbrände vermehrt zur Gefahr. Über 200 Menschen starben 2017 in den Flammen, 2018 waren es über 100. Eine bereitgestellte Flotte an Löschflugzeugen und anderem Equipemtn soll weitere Katastrophen vermeiden.

In den vergangenen drei Jahren wurden in verschiedenen Gebieten Instrumente zur Verhinderung von Überschwemmungen, zur Überwachung von Risiken und zur Sensibilisierung eingeführt. Die Ausrüstung, von der Ajaccio nun im Notfall profitiert, ist eins davon. „Korsika ist, ebenso wie Sardinien, quasi ein Berg im Meer. Hier sind meteorologische Phänomene sehr schwer vorherzusagen. Das [Hochwasserschutz-] udget für Korsika muss deswegen beträchtlich sein,“ so die stellvertretende Bürgermeistern Ottavy.

Mit fast einer Million Euro allein für die Region Korsika wurde Warn- und Schutzausrüstung angeschafft. „Wir werden die Stürme nicht aufhalten, also müssen wir die Bewohner bestmöglich darüber informieren, was zu tun ist,“ so Ottavy.

Auf dem Festland, in Nizza, haben sich die Behörden derweil für eine andere Strategie entschieden: Sie überwachen den Pegelstand des Flusses Magnan im Westen der Stadt in Echtzeit. Die Stadtverwaltung hat dafür intelligente Kameras installiert, die mit Hilfe von Sensoren den Pegelstand und die Strömung des Wassers im Fluss analysieren. So sollen mögliche Überschwemmungen in Gebieten mit dichter Bebauung verhindert werden.

Ob dies immer gelingen wird, bleibt abzuwarten – weniger kontrovers als der kürzliche Einsatz von Gesichtserkennungskameras in der Stadt ist der Einsatz der Wasserkameras in jedem Fall.

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23.000 Kommunen in Frankreich gefährdet

Der Zeitrahmen des grenzüberschreitenden Projekts Proterina-3Evolution endet noch dieses Jahr. Angesichts des Ausmaßes der Risiken von Überflutungen im Mittelmeerraum hofft Nicole Ottavy aber, „dass wieder ein Projekt vom gleichen Typ wie Proterina auf den Weg gebracht werden kann“.

An Zahlen, die den Bedarf an Präventionsmaßnahmen belegen, mangelt es indes nicht: In Frankreich sind nicht weniger als 23.000 Gemeinden, das heißt etwa 64 Prozent des gesamten französischen Staatsgebiets, von Überschwemmungen bedroht.

Laut einem neuen Bericht des Ministeriums für den ökologischen Übergang zum Thema haben zwischen 1900 und 2017 insgesamt 180 Naturkatastrophen mit „schwerwiegenden“ Auswirkungen Frankreich heimgesucht.

Zwei Drittel davon waren Überschwemmungen.

[Bearbeitet von Tim Steins]

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