TV-Duell in Frankreich: „Hämischer Banker“ gegen „Hohepriesterin der Angst“

Es ist gut, wenn man nach einer durchfeierten Wahlnacht nun wieder nüchtern wird – die Arbeit fängt jetzt an, meint Wolf Achim Wiegand. [Foto: EPA/IAN LANGSDON]

Emmanuel Macron und seine Kontrahentin Marine Le Pen haben sich wenige Tage vor der Stichwahl in Frankreich einen hitzigen Schlagabtausch geliefert. Macron warnte vor einem „tödlichem“ Euro-Austritt und bestätigte dabei seine Favoritenrolle.

Mit scharfen Worten hat der französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron die Pläne seiner Rivalin Marine Le Pen für einen Austritt aus der Eurozone angegriffen. Eine Abkehr vom Euro wäre „tödlich“ für die Kaufkraft der Franzosen und die Wettbewerbsfähigkeit der französischen Wirtschaft, sagte der Pro-Europäer am Mittwochabend in einem TV-Duell mit der Rechtspopulistin. Das Vorhaben der EU-Gegnerin sei „gefährlich“.

Le Pen warf Macron im Gegenzug vor, sich Deutschland und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu unterwerfen. So sei er nach Berlin gereist, um sich den „Segen“ der Kanzlerin abzuholen. Bei einem Wahlsieg Macrons würde in Wirklichkeit Merkel über die Geschicke Frankreichs entscheiden: „So oder so wird Frankreich künftig von einer Frau regiert – entweder von mir oder von Frau Merkel“, sagte Le Pen.

Le Pen: Macron steht für „wilde Globalisierung“

Die beiden Präsidentschaftskandidaten lieferten sich am Mittwochabend wenige Tage vor der Stichwahl einen hitzigen Schlagabtausch. Immer wieder fielen sich der parteilose Mitte-Politiker und die Rechtspopulistin gegenseitig ins Wort. Beide überzogen sich mit Vorwürfen, den Franzosen weder in der Wirtschafts- noch in der Sicherheitspolitik Lösungen anzubieten. Le Pen nannte Macron einen „hämischen Banker“, der für „wilde Globalisierung“ stehe. Macron konterte, Le Pen spalte das Land und gehe damit radikalen Islamisten auf den Leim.

Macron geißelt die "Lügen" des Front National

Kritik an Ungarn, Polen und Russland, Schelte für den FN und ein neuer Ansatz für das Freihandelsabkommen CETA: Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron hat am 1. Mai in Paris vor 12.000 Anhängern seine Haltung zu etlichen Themen unterstrichen.

Die zur besten Sendezeit übertragene TV-Debatte eröffnete Le Pen mit einem harten Angriff auf den Ex-Wirtschaftsminister, der früher für die Investmentbank Rothschild gearbeitet hatte. Sie warf ihm vor, in seiner Amtszeit unter dem scheidenden sozialistischen Präsidenten Francois Hollande französische Unternehmen ans Ausland verscherbelt zu haben. Macron stehe für „soziale Brutalität“, sie selbst sei die Kandidatin des Volkes.

Macron: Le Pen ist „Hohepriesterin der Angst“

Macron wies die Anschuldigungen zurück und warf Le Pen seinerseits vor, keine tauglichen Vorschläge zu machen, wie die Arbeitslosigkeit verringert werden könne: „Sie erzählen Unsinn.“ Auch in der Sozialpolitik habe sie nichts zu bieten. So kosteten alleine ihre Rentenpläne 30 Milliarden Euro: „Das ist nicht zu finanzieren.“ Le Pen zeige außerdem, dass sie nicht gerade „die Kandidatin des Feingeistes“ sei. Sie trage nicht nur den Namen ihres Vaters, des umstrittenen Gründers des Front National, Jean-Marie Le Pen, sondern habe diesen auch politisch beerbt.

Marine Le Pen und Frankreichs Bankenkrise

Die rechtsextreme Präsidentschaftsbewerberin Marine Le Pen will beruhigen: Sie gehe nicht davon aus, dass Frankreich im Falle ihres Wahlsiegs in eine Bankenkrise schlittert.

Heftig aneinander gerieten die beiden auch in der Ausländer- und Sicherheitspolitik. Le Pen warf Macron vor, islamischem Fundamentalismus Vorschub zu leisten. Macron konterte, Le Pen verunglimpfe Menschen wegen ihrer Religion und ihrer Herkunft. Als Präsident und Oberbefehlshaber werde er unerbittlich gegen Islamisten vorgehen. Le Pen dagegen gehe den Islamisten in die Falle, die Frankreich in einen Bürgerkrieg stürzen wollten. Sie erwiderte auf den Vorwurf, sie wolle die Gesellschaft spalten: „Das ist doch immer die alte Litanei.“ Bei Anschlägen sind in Frankreich seit 2015 mehr als 230 Menschen gestorben.

Macron bleibt vorn

Bei der Stichwahl am kommenden Sonntag ist Macron Favorit: Der links-liberale Kandidat untermauerte seine Favoritenrolle auch im TV-Duell.

Nach Meinung der Zuschauer entschied Macron das von Millionen Wählern verfolgte letzte TV-Duell am Mittwochabend für sich. Wegen der hohen Zahl noch unentschlossener Wähler galt das TV-Duell als mitentscheidend für den Wahlausgang. Nach einer Umfrage des Instituts Elabe fanden 63 Prozent der Befragten Macron in der Fernsehdiskussion überzeugender als Le Pen. Auch in den Wahlumfragen lag er zuletzt mit etwa 60 Prozent vorn. Allerdings hatten Wahlforscher geschätzt, dass noch rund 15 Prozent der 47 Millionen Wahlberechtigten unentschieden sind.

Le Pen greift Macron an – doch der wehrt sich

Wenige Tage vor der entscheidenden Runde zur Präsidentenwahl in Frankreich, wird der Ton zwischen Marine Le Pen und Emmanuel Macron schärfer.

Macron hatte die erste Runde der Präsidentschaftswahl am 23. April, in der elf Kandidaten angetreten waren, mit einem Vorsprung von drei Punkten vor Le Pen gewonnen. In der zweiten Runde wird er vom unterlegenen konservativen Kandidaten Francois Fillon und dem ebenfalls ausgeschiedene Sozialisten Benoit Hamon unterstützt. Er kann einer Umfrage zufolge auch auf die Stimmen von einem Drittel der Anhänger des radikalen Linken Jean-Luc Melenchon zählen. Allerdings wollen zwei Drittel der Melenchon-Anhänger ungültig oder gar nicht wählen. Auch im Fillon-Lager wissen viele Wähler nicht, wem sie am Ende ihre Stimme geben.

Angesichts der Unsicherheiten sind die Finanzmärkte nervös. Für den Fall einer Niederlage Macrons fürchten viele Anleger den Anfang vom Ende der Euro-Zone. Le Pen hatte angekündigt, das Land aus der Euro-Zone führen zu wollen. In der Debatte sagte sie, der Euro sei „die Währung der Banker und nicht des Volkes“. Macron nannte sie eine „Hohepriesterin der Angst“. Ein Austritt aus dem Euro würde fatale Folgen haben.

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