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05/12/2016

Türkische Kampfjets schießen Jet an syrischer Grenze ab

EuropaKompakt

Türkische Kampfjets schießen Jet an syrischer Grenze ab

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Foto: dpa

Der Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs an der syrischen Grenze durch das Nato-Mitglied Türkei hat zu erheblichen Spannungen zwischen den Regierungen in Moskau und Ankara geführt.

Der Vorfall dürfte auch die Bemühungen des französischen Präsidenten Francois Hollande erschweren, mit Russland und den USA eine breite Allianz im Kampf gegen die Extremisten-Miliz Islamischer Staat (IS) zu schmieden. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier warnte vor einer massiven Belastung der Friedensbemühungen für Syrien. Das Schicksal der Piloten war zunächst unklar.

Den türkischen Angaben zufolge wurde die russische Su-24 durch Abfangjäger zehnmal binnen fünf Minuten gewarnt, dass sie den türkischen Luftraum verletze. Dies sei dann mehrfach geschehen, sagte ein hochrangiger türkischer Vertreter der Nachrichtenagentur Reuters. „Sie haben ihn mutwillig verletzt.“ Ministerpräsident Ahmet Davutoglu erklärte, sein Land habe in diesem Fall das Recht, sich zu verteidigen. Die Welt müsse wissen, dass die Türkei „alles Notwendige“ tun werde, um ihre Sicherheit zu gewährleisten.

Russlands Präsident Wladimir Putin zeigte sich ungehalten. Das russische Flugzeug sei über syrischem Gebiet von F-16-Jets abgeschossen worden, sagte er in Sotschi. Es habe sich einen Kilometer von der Grenze entfernt in einer Höhe von 6000 Metern befunden. Zerschellt sei die Maschine vier Kilometer hinter der Grenze. Die Türkei sei in keiner Form bedroht worden. „Der heutige Verlust ist darauf zurückzuführen, dass uns die Handlanger von Terroristen in den Rücken gefallen sind“, erklärte er. „Der tragische Vorfall heute wird ernste Konsequenzen für die russisch-türkischen Beziehungen haben.“

Das Schicksal der beiden Piloten der Su-24 war zunächst unklar. Ersten russischen Angaben zufolge schafften sie es offenbar, sich mit ihren Schleudersitzen aus dem Flugzeug zu retten. Eine turkmenische Rebellengruppe in Syrien erklärte, sie habe die Russen erschossen, als sie an ihren Fallschirmen zur Erde geschwebt seien.[ID:nL8N13J3RQ] Reuters war zuvor ein Video zugespielt worden, das einen schwer verletzten Piloten am Boden zeigen sollte. „Ein russischer Pilot“, sagt eine Stimme, gefolgt von „Gott ist groß“. Ein Vertreter dieser Gruppe, der namentlich nicht genannt werden sollte, erklärte dazu, der Pilot sei inzwischen tot. Zum zweiten Piloten äußerte er sich nicht. Die Angaben konnten nicht überprüft werden.

Der Abschuss zog schnell diplomatische Konsequenzen nach sich. Beide Länder bestellten jeweils gegenseitig hochrangige Vertreter ein. Die Nato sollte am späten Nachmittag zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte einen für Mittwoch geplanten Türkei-Besuch ab und rief seine Landsleute auf, nicht ins Land zu reisen. Die russische Reisegesellschaft Natalie Tours kündigte an, zunächst keine Türkei-Besuche mehr anzubieten. Die Türkei ist ein beliebtes Touristenziel für Russen.