Die tschechische Polizei untersucht, ob das Präsidialamt absichtlich einen Geheimdienstbericht über die Beteiligung russischer Agent:innen an der Explosion des Munitionslagers von 2014 geschreddert hat.
Medienberichten zufolge wollte die tschechische Polizei das Dokument auf Fingerabdrücke und DNA untersuchen, um herauszufinden, wer den Bericht in die Hand genommen hatte. Das Dokument wurde Anfang April 2020 an das Büro des tschechischen Präsidenten übergeben.
Eine solche Enthüllung erscheint verdächtig, da der tschechische Präsident Miloš Zeman und seine engsten Büroangestellten für ihre guten Beziehungen zum russischen Regime bekannt sind.
Im vergangenen Jahr löste der Bericht des tschechischen Geheimdienstes den schwersten diplomatischen Streit zwischen Tschechien und Russland in der jüngeren Geschichte des Landes aus. Nachdem russische Agent:innen an der Explosion eines Munitionsdepots beteiligt gewesen sein sollen, bei der zwei Menschen ums Leben kamen, wies Tschechien 18 russische Botschaftsmitarbeiter:innen aus.
Russland bezeichnete die tschechischen Argumente als absurd und bezeichnete die Tschechische Republik als Feindstaat. Außerdem hatte es 20 Mitarbeiter:innen der tschechischen Botschaft in Moskau ausgewiesen, so dass die Botschaft ihre diplomatischen Aufgaben kaum noch nachkommen konnte.
Der Leiter des tschechischen Präsidialamtes, Vratislav Mynář, bestätigte, dass die tschechische Polizei das Amt aufgesucht habe, um mehr Informationen über den Bericht zu erhalten. Er hat die angebliche Vernichtung des Dokuments nicht dementiert. Das Präsidialamt behauptet jedoch, dass es alle Dokumente gemäß den geltenden Vorschriften behandelt habe.
Der Sicherheitsausschuss des tschechischen Parlaments wird sich in seiner Sitzung am Donnerstag mit dem Fall befassen.

