Fünf Tote nach Terroranschlag in London

Anschlag London Terrorismus

Die Identität des Angreifers von London ist laut Polizeiangaben wohl ermittelt worden. [Foto: Metro Centric/Flickr]

In der Britischen Hauptstadt sind am Mittwoch fünf Menschen bei Angriffen eines Mannes getötet worden. Die Polizei geht von einem islamistisch motivierten Gewaltakt aus.

Am Jahrestag der Anschläge von Brüssel sind in London bei einem Angriff im Regierungsviertel fünf Menschen getötet und etwa 40 verletzt worden.

Die Polizei ging von einem islamistisch motivierten Terrorakt aus. Premierministerin Theresa May sprach von einem „kranken und verkommenen Anschlag“. Die Attacke erschütterte am Mittwochnachmittag das Zentrum der britischen Hauptstadt. Ein Auto fuhr zunächst mehrere Menschen auf der Westminster-Brücke um. Unweit vom Big Ben krachte es in einen Zaun vor dem Parlament. Ein mit einem Messer bewaffneter Mann stieg aus. Beim Versuch, in das Gebäude zu gelangen, erstach er einen Polizisten, bevor Beamte ihn erschossen, wie der Chef der britischen Terrorabwehr, Mark Rowley, mitteilte.

Behörden gehen von Einzeltäter aus

Die Behörden gingen bis auf weiteres von einem Einzeltäter aus. Die Polizei habe dessen Identität wohl ermittelt, sagte Rowley. Konkrete Angaben dazu wollte er aber nicht machen. Neben dem Attentäter und dem Polizisten wurden Rowley zufolge drei Passanten getötet, als sie auf der Westminster-Brücke von dem Auto überfahren wurden. Dort kam es Augenzeugenberichten zufolge zu Panikszenen.

Eine Frau, die zum Zeitpunkt des Geschehens in einem Reisebus saß, sagte dem Sender Sky News, sie habe gesehen, wie ein Auto plötzlich außer Kontrolle geraten sei. „Und dann fuhr es in Fußgänger auf der Brücke.“ Menschen seien in alle Richtungen gerannt. Ein Reuters-Fotograf sagte, er habe mindestens ein Dutzend Verletzte auf der Brücke gesehen. Einige bluteten stark, und eine Person lag offenbar unter einem Bus.

Europol warnt vor "Brexit"

Der britische Premierminister David Cameron hat seine Landsleute vor einer Bedrohung der nationalen Sicherheit gewarnt, falls sie bei der Volksabstimmung am 23. Juni einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union beschließen sollten.

 

 

Die Behörden in Paris teilten mit, drei Verletzte seien französische Schüler im Alter von 15 oder 16 Jahren. Nach Angaben des Außenministeriums in Seoul wurden auch fünf Südkoreaner verletzt. Eine Frau wurde schwer verletzt aus der Themse gezogen, wie die Londoner Hafenbehörde mitteilte. Unter den Verletzten befanden sich ferner drei Polizisten.

„Es war schrecklich“

Auch vor dem Parlament spielten sich chaotische Szenen ab. Ein Journalist der Zeitung „Daily Mail“ sagte dem Lokalradiosender LBC, er habe gesehen, wie der Angreifer auf das Parlamentsgelände zugerannt sei und den Polizisten angegriffen habe. „Der Polizist fiel zu Boden, und das war ziemlich schrecklich anzusehen.“ Dann sei der Angreifer in Richtung des Eingangs zum Unterhaus gerannt, der von den Abgeordneten genutzt werde. „Er kam etwa 20 Meter weit, bevor zwei Typen in Zivil mit Waffen auf ihn schossen.“

Die laufende Parlamentssitzung wurde sofort unterbrochen und die Abgeordneten aufgefordert, das Gebäude nicht zu verlassen. Reuters-Reporter hörten laute Knallgeräusche. Kurz darauf sahen sie, wie der Attentäter und der erstochene Polizist in einem Hof auf dem Parlamentsgelände lagen. Zahlreiche bewaffnete Polizisten stürmten in das Gebäude.

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May: Angriff auf die Demokratie

May sagte, der Ort des Anschlags sei kein Zufall. „Der Terrorist wollte das Herz unserer Hauptstadt treffen, wo Menschen aller Nationalitäten, Religionen und Kulturen zusammenkommen, um die Werte der Freiheit, Demokratie und Meinungsfreiheit zu feiern.“ Jeder Versuch, diese Werte mit Gewalt zu besiegen, sei jedoch zum Scheitern verurteilt. Mays Worten zufolge soll das Parlament am Donnerstag wie gewohnt zusammenkommen.

Die Terrorwarnstufe beließen die Behörden auf der zweithöchsten Stufe. Ein Angriff von Extremisten gilt somit weiter als äußerst wahrscheinlich. Londons Bürgermeister Sadiq Khan kündigte eine Verstärkung der Polizeipräsenz auf den Straßen an.

Bundeskanzlerin Angela Merkel reagierte bestürzt auf die Ereignisse. Deutschland stehe im Kampf gegen jede Form von Terrorismus fest und entschlossen an der Seite Großbritanniens. US-Außenminister Rex Tillerson sprach von einem „schrecklichen Gewaltakt“. Das US-Präsidialamt teilte mit, Präsident Donald Trump habe mit May telefoniert.

Erinnerungen an den Anschlag auf dem Breitscheidplatz in Berlin

London ist bereits mehrfach von Anschlägen heimgesucht worden. Der schwerste Angriff der Nachkriegszeit ereignete sich im Juli 2005. Vier radikal-islamische britische Selbstmordattentäter rissen bei Bombenanschlägen auf den öffentlichen Nahverkehr 52 Menschen mit in den Tod. 2013 erstachen zwei britische Islamisten einen Soldaten im Südosten der Stadt. 1979 kam ganz in der Nähe des Tatorts vom Mittwoch ein enger Berater von Margaret Thatcher bei einem Autobombenanschlag ums Leben, den die Irische Nationale Befreiungsarmee (IRA) für sich reklamierte.

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Am 22. März vorigen Jahres hatten radikale Islamisten in der belgischen Hauptstadt Brüssel bei Anschlägen auf dem Flughafen und auf eine U-Bahn-Station 32 Menschen getötet. Der Angriff vom Mittwoch weckte aber auch Erinnerungen an die Anschläge in Berlin und Nizza im vergangenen Jahr, als die Attentäter mit Lkws in Mengen rasten und zahlreiche Menschen töteten.

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