Tod von Alois Mock – Europa verneigt sich vor einem großen Europäer

Juni 1989: Die damaligen Außenminister Österreichs und Ungarns, Alois Mock und Gyula Horn, durchschneiden in einer öffentlichkeitswirksamen Aktion den Grenzzaun. Foto: Hopi-Media

Auch Politik muss mitunter einige Momente innehalten. Das geschah, als gestern bekannt wurde, dass der frühere österreichische Vizekanzler Alois Mock kurz vor seinem 83. Geburtstag verstorben ist.

Mit Alois Mock hat nicht nur ein österreichischer Spitzenpolitiker die Bühne des Lebens verlassen, sondern auch eine Persönlichkeit, die im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts europäische Geschichte mitgeschrieben hat.

Mock war in den 1970er Jahren Mitbegründer der Union europäischer christdemokratischer Arbeitnehmer (UECDA) und verstand es, die Europäische Demokratische Union (EDU), den Dachverband der Zentrumsparteien zum Gegenpol zur Sozialistischen Internationale aufzubauen. Er führte in den 1980er Jahren das neutrale Österreich in die Europäische Union und motivierte die Österreicher 1994 mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit für den Beitritt zur Union zu stimmen.

Mehrheit der jungen Österreicher fühlt sich als Europäer

EU-Skeptiker sind in Österreich in der Minderheit. Drei Viertel der jungen Generation fühlen sich als Europäer.

Mock knüpfte noch zu Zeiten, da Europa in eine freie und eine kommunistische Welt geteilt war, intensive Kontakte mit den Dissidenten, half den nach Freiheit und Unabhängigkeit drängenden politischen Kräften von Polen über die Tschechoslowakei bis Ungarn bei der Einführung der Demokratie. Nicht zufällig ging das Foto, auf dem er im Juni 1989 mit dem damaligen ungarischen Außenminister Gyula Horn den Stacheldrahtverhau durchschnitt, rund um die Welt. Nicht nur symbolträchtig leistete er einen historischen Beitrag zur Überwindung der Teilung unseres Kontinents

Mock gehörte gemeinsam mit Hans Dietrich Genscher auch zu jenen, die im Zuge des Auflösungsprozesses von Jugoslawien nicht nur die Weltöffentlichkeit über die grausamen Verbrechen in diesem Bürgerkrieg aufrüttelten, sondern entscheidend dazu beitrugen, dass die Nationalstaaten von Slowenien bis Bosnien-Herzegowina die Unabhängigkeit erlangen konnten.

EU-Kommissionspräsident Jean Claude Juncker bringt die Bedeutung des österreichischen Politikers auf den Punkt, wenn er schreibt: „Mit Alois Mock verliert Europa einen unbeirrbaren Garanten und engagierten Streiter für die Europäische Integration und die Überwindung der Grenzen zwischen Ost und West. Als Österreichs ‚Mr. Europa‘ führte er sein Land in die Europäische Gemeinschaft zu einem Zeitpunkt, als die geopolitische Tektonik des Kontinents sich veränderte. Ohne ihn wär Österreichs EU-Beitritt nicht so erfolgt, wie er erfolgt ist. Österreich und Europa haben ihm viel zu verdanken.“

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