Tausende Menschen gedenken der Bombardierung Dresdens

Menschen bildeten gestern eine Menschenkette um die Dresdener Altstadt. [Martin Divisek/ epa]

Zur 75. Gedenkfeier an die an die Zerstörung Dresdens haben gestern tausende Menschen teilgenommen. Am Abend bildeten etwa 11.000 Bürger eine kilometerlange Menschenkette um die Altstadt.

Die Aktion sollte an die Unmenschlichkeit des Krieges erinnern und gleichzeitig ein Zeichen für Frieden und Weltoffenheit zu setzen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier appellierte bei der zentralen Gedenkveranstaltung an alle Demokraten, sich neuem Antisemitismus und Geschichtsverfälschern entschieden zu widersetzen.

Bei den Luftangriffen alliierter Bomber auf Dresden am 13. und 14. Februar 1945 waren bis zu 25.000 Menschen getötet worden. Die Altstadt wurde fast völlig zerstört, berühmte Bauten wie Zwinger und Frauenkirche brannten aus. In der wiederaufgebauten Frauenkirche, die heute als Symbol der Versöhnung gilt, entzündeten viele Menschen am Donnerstag Kerzen. Auch auf Friedhöfen und an anderen Gedenkorten wurde der Opfer des Krieges gedacht.

Steinmeier, der sich später in die Menschenkette einreihte, erinnerte in seiner Gedenkrede daran, dass nicht nur Dresden, sondern auch viele andere Städte in Deutschland und Europa Bombardements erlebten. „Wenn wir heute an die Geschichte des Bombenkrieges in unserem Land erinnern, dann erinnern wir an beides: an das Leid der Menschen in deutschen Städten und an das Leid, das Deutsche anderen zugefügt haben“, sagte er. „Wir vergessen die deutsche Schuld nicht.“

Steinmeier wandte sich ausdrücklich gegen eine politische Instrumentalisierung des Gedenkens. Viel zu oft und viel zu lange sei die Geschichte der Luftangriffe auf Dresden ideologisch vereinnahmt worden, erst von den Nationalsozialisten, dann von der DDR-Führung. „Und auch in diesem Gedenkjahr müssen wir erleben, wie politische Kräfte die Geschichte manipulieren, umdeuten und als Waffe missbrauchen wollen“, warnte Steinmeier. Weder dürfe deutsches Unrecht kleingeredet, noch dürfe das Leid der Bombenopfer bagatellisiert werden.

Zeit für die Straße

Etablierte Parteien stecken in der Krise, die klare Abgrenzung zu Rechtsextremen scheint immer brüchiger. Mobilisierungen in Italien, Erfurt oder Dresden zeigen aber: politische Kämpfe werden nicht nur im Parlament gewonnen, sondern auch auf der Straße.

Mit deutlichen Worte rief der Bundespräsident zum Widerstand gegen Angriffe auf die Demokratie auf. „Wir erleben, wie auch in unserem Land Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit das öffentliche Leben wieder zu vergiften beginnen, wie Rechtsstaat und demokratische Institutionen verächtlich gemacht und ihre Repräsentanten beleidigt und angegriffen werden.“ Es reiche nicht, wenn Demokraten sich angewidert abwendeten. „Nichts davon darf in unserem Land unwidersprochen bleiben“, forderte Steinmeier.

Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) forderte, sich all jenen entgegenzustellen, die Geschichte umdeuten und verfälschen wollten. Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) rief zum Auftakt der Menschenkette dazu auf, nicht zuzulassen, „wenn sich heute Extremismus und Hass in unserer Gesellschaft breit machen“. Am Samstag, wenn wieder Neonazis in Dresden aufmarschieren wollen, gelte es „ein friedliches Zeichen gegen Nationalismus und Rassismus“ zu setzen.

Rechtsextreme versuchen seit langem, den Jahrestag der Zerstörung Dresdens für ihre Zwecke zu missbrauchen. Aufgrund der starken Gegenproteste wurden größere Neonaziaufmärsche rund um den 13. Februar in den vergangenen Jahren verhindert.

In diesem Jahr rufen Rechte für Samstag erneut zu einem sogenannten Trauermarsch mit mehreren hundert Teilnehmern auf. Ein breites Bündnis von Gegendemonstranten will dagegen auf die Straße gehen. Die Polizei wird im Großeinsatz sein.

Subscribe to our newsletters

Subscribe
UNTERSTÜTZEN