Südtiroler wollen doppelte Staatsbürgerschaft

In Südtirol haben sich alle deutsch- und ladinisch-sprachigen Parteien für eine doppelte Staatsbürgerschaft ausgesprochen. [Dr.Who/shutterstock]

Mit der vollen Respektierung der Südtiroler Autonomie durch die italienische Regierung hat sich zwar die „Schutzmachtfunktion“ Österreichs für die deutschsprachige Bevölkerung erübrigt, aber noch widmet jede neue Regierung dem Land südlich des Brenners seine volle Aufmerksamkeit.

In weniger als einem Jahr jährt sich der 100. Jahrestag des Waffenstillstands zwischen der kaiserlich-österreichischen Armee und dem italienischen Königreich. Dieser Akt fand am 3. November 1918 in der Villa Giusti statt. Südtirol wurde daraufhin rasch von italienischen Truppen besetzt – und damit begann ein jahrzehntelanger Kampf um die Rechte der deutschsprachigen Bevölkerung, die noch heute mit 62 Prozent die Mehrheit im Land an Etsch und Eisack stellen. 1992, also vor 25 Jahren, gab die italienische der österreichischen Regierung bekannt, Paket und Operationskalender seien nun im vollen Umfang realisiert. Österreich richtete daraufhin nach Zustimmung der Südtiroler und Tiroler Politiker eine „Streitbeilegungserklärung“ an Italien und an die Vereinten Nationen. Seither gilt der „Fall Südtirol“ als Musterbeispiel einer friedlichen Konfliktlösung.

Wenngleich offiziell ein Anschluss Südtirols an Österreich kein Thema mehr ist: Das Land profitiert wirtschaftlich massiv von seiner Autonomierolle und gilt als Vorbild für so manche Autonomiebestrebungen anderer italienischer Provinzen. So gibt es immer wieder Sehnsüchte für ein erneutes Zusammenrücken – auch in diesen Tagen, da in Wien die Verhandlungen über die Bildung einer neuen Bundesregierung laufen. Diese Gelegenheit haben parteiübergreifend 19 von insgesamt 35 Abgeordneten wahrgenommen, um ein Schreiben an ÖVP-Obmann Sebastian Kurz und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache zu richten.

„Akt der Wiedergutmachung“

Darin heißt es wörtlich: „Es entspricht dem Wunsch sehr vieler Süd-Tiroler, die österreichische Staatsbürgerschaft wiederzuerlangen. Wir sprechen uns daher für die Vergabe der österreichisch-italienischen Doppelstaatsbürgerschaft für die Süd-Tiroler aus und richten hiermit das Ansuchen an Sie, die Wiedererlangung der österreichischen Staatsbürgerschaft für Süd-Tiroler ins Koalitionsabkommen aufzunehmen.“

In dem Schreiben wird betont, dass sich in Südtirol alle deutsch- und ladinisch-sprachigen Parteien für dieses Anliegen ausgesprochen hätten. Nachdem die Südtiroler ihre österreichische Staatsbürgerschaft unfreiwillig mit der Annexion Südtirols durch Italien verloren hätten, sei dies nun ein „Akt der Wiedergutmachung“. Bis heute würde ein Riss durch viele Familien in Tirol gehen, die nunmehr in getrennten Landesteilen leben und durch unterschiedliche Staatsbürgerschaften zusätzlich geteilt würden. Auch der Zugang zu bestimmten Berufen in Österreich würde den Südtirolern aufgrund der fehlenden österreichischen Staatsbürgerschaft verwehrt bleiben.

Mit dieser Aktion, die zwar von einer Mehrheit der Landtagsabgeordneten aber von keinem Mitglied der Landesregierung getragen wird, will man vor allem verhindern, dass sich nun rechte politische Bewegungen dieses Themas annehmen und damit eine Polarisierung auslösen. Darüber hinaus verweist man auch darauf, dass sich doppelte Staatsbürgerschaften insbesondere für Minderheiten sowie zum Schutz ihrer Rechte international bewährt hätten. Wenngleich heute die Landesregierungen mit Sitz in Innsbruck, Bozen und Trient im Rahmen der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino bestens zusammenarbeiten, wünscht man sich einen noch stärkeren Schulterschluss mit der „alten Heimat“ Österreich.