Studenten besetzen Universitäten: „Weder Macron noch Le Pen“

"Die Demokratie besteht aus Regeln. [...] Wenn wir anfangen, alle Regeln in Frage zu stellen, ist das Anarchie", sagte Macron am Freitag dem Sender Franceinfo. "Es gibt keine Reinheit, man muss zustimmen, etwas zu wählen, das nicht ganz dem entspricht, woran man glaubt, aber dem so nahe wie möglich ist." [shutterstock/tommaso79]

Hunderte von Studenten haben an den wichtigsten Universitäten Frankreichs protestiert und sich gegen die künftige Führung sowohl des scheidenden Präsidenten Emmanuel Macron als auch der rechtsextremen Kandidatin Marine Le Pen ausgesprochen, die beide in der Stichwahl um das Präsidentenamt stehen. EURACTIV Frankreich berichtet.

Sciences Po, die Sorbonne und die École Normale Supérieure gehörten zu den Universitätsstandorten, die am Mittwoch und Donnerstag (13./14. April) von Studenten besetzt wurden.

Die zumeist linksgerichteten Studenten behaupteten, sie fühlten sich in den Programmen von Le Pen und Macron nicht vertreten. Sie brachten ihre Wut und Enttäuschung über das Ergebnis zum Ausdruck und gerieten mit rechtsextremen Aktivisten und der Polizei aneinander. Da das Gelände nun geschlossen wurde, ist relative Ruhe eingekehrt.

Die Studenten skandierten die Worte „weder Macron noch Le Pen“, wobei einige noch weiter gingen und die Wahl mit einer Entscheidung „zwischen Pest und Cholera“ verglichen.

Die überwältigende Mehrheit der Demonstranten stimmte für die Linken, häufig für den linksradikalen Kandidaten Jean-Luc Mélenchon.

Für die zweite Wahlrunde am 24. April haben viele angekündigt, sich der Stimme zu enthalten oder sie nicht abzugeben.

Reaktionen auf die Proteste

Sowohl Le Pen als auch Macron reagierten auf die Proteste mit ähnlichen Botschaften und zeigten sich überrascht, wie die Jugendlichen den demokratischen Prozess sehen.

„Die Demokratie besteht aus Regeln. […] Wenn wir anfangen, alle Regeln in Frage zu stellen, ist das Anarchie“, sagte Macron am Freitag dem Sender Franceinfo. „Es gibt keine Reinheit, man muss zustimmen, etwas zu wählen, das nicht ganz dem entspricht, woran man glaubt, aber dem so nahe wie möglich ist.“

Le Pen wiederholte seine Aussagen in einem Interview mit dem Fernsehsender RMC-BFMTV. „Was sie tun, ist zutiefst undemokratisch“, sagte sie am Freitag und fügte hinzu, dass sie „offensichtlich den Kurs in Sachen Demokratie verfehlt“ hätten.

Die Stimme der Jugend

Die Aussicht, dass sich zahlreiche junge Menschen der Stimme enthalten werden, ist für Macrons Kampagne besonders beunruhigend. Der Verlust von linken Wählern könnte Le Pen und ihrer rechtsradikalen Partei Auftrieb geben.

Die linksradikale Politikerin Clémentine Autain äußerte sich ebenfalls besorgt über die Ablehnung beider Kandidaten durch die jungen Leute. Sie sagte, sie sei gegen die Idee, „eine gleiche Linie zwischen dem rechtsextremen Projekt und der ‚Macronie‘ zu ziehen“.

Obwohl Autain das Programm Macrons zutiefst ablehnt, befürchtet sie, dass der Elysée-Palast bald einem „rassistischen Rückzugsprojekt“ unterworfen sein könnte, das „Millionen von Menschen in die Armut stürzen wird“.

Mélenchon sagte auch, dass die Programme von Macron und Le Pen nicht gleich seien, insbesondere was die Unterstützung des Sozialprojekts betrifft. Er forderte seine Anhänger zwar nicht auf, für Macron zu stimmen, bat aber darum, Le Pen keine Stimmen zu geben.

Nach den Universitätsprotesten haben einige Gewerkschaften und Studentenbewegungen dazu aufgerufen, am Samstag landesweit gegen die Rechtsextremen zu protestieren.

Macron und Le Pen steuern auf spannende Stichwahlen am 24. April zu

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und seine Herausforderin Marine Le Pen qualifizierten sich am Sonntag (10. April) für die voraussichtlich sehr hart umkämpfte Stichwahl bei den Präsidentschaftswahlen am 24. April, bei der ein pro-europäischer Wirtschaftsliberaler gegen eine rechtsextreme Nationalistin antritt.

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