Spaniens Marine will nach Brexit mehr militärische Verantwortung in der EU

Die spanische Verteidigungsministerin Maria Dolores de Cospedal hält am 23. April 2018 am Marinestützpunkt Rota eine Rede an Deck des Flugzeugträgers Juan Carlos I. [Roman Rios/EPA/EFE]

Mit Blick auf den kommenden EU-Ausstieg der Seemacht Großbritannien ist nun Spanien in die Offensive gegangen, um der nächste große Akteur zu werden, der die europäischen Küsten verteidigt.

Madrids Vorstoß kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die EU über eine Vertiefung der militärischen Zusammenarbeit diskutiert. Auch dadurch soll in Folge des Brexits Einheit demonstriert werden. Die 27 verbliebenen Mitgliedstaaten haben bereits einige weitreichende Pläne in Angriff genommen, die von vielen Beobachtern als möglicher Startpunkt für den Aufbau einer EU-Armee angesehen werden.

Spanien will scheinbar im Mittelpunkt dieser Anstrengungen stehen und bemüht sich nun darum, das Kommando über die Operation Atalanta zu übernehmen, eine Anti-Piraterie-Mission am Horn von Afrika. Aus spanischer Sicht sollte das Programm vom andalusischen Marinestützpunkt in Rota aus geführt werden.

Aber Spanien will nicht nur die Kommandozentrale für Atalanta, die sich aktuell im Norden Londons befindet, sondern hofft auch, Rota zum fünften militärisch-operativen Hauptquartier der EU zu machen, das aktuell ebenfalls in Großbritannien ansässig ist.

„Das spanische Angebot würde ein Hauptquartier für alle Arten von Missionen schaffen,“ unterstrich Admiral Antonio Martorell Lacave gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

„Mit dem Brexit hat die EU kein Hauptquartier mehr, das sich ausschließlich auf Atalanta konzentriert,“ fügte er hinzu.

Martorell Lacave steht an der Spitze der MILEX18-Militärmanöver, die auf der Basis in Rota stattfanden und mit denen Spanien aktuell versucht, die übrigen EU-Staaten davon zu überzeugen, dass es bereit ist, die Rolle Großbritanniens zu übernehmen.

Die EU hat Atalanta im Jahr 2008 ins Leben gerufen, um Piraterie vor der Küste Somalias zu bekämpfen. Ein besonderes Ereignis war im Folgejahr 2009 die spektakuläre Entführung eines spanischen Thunfischfängers: Während die Piraten die Besatzung nach Erhalt eines Lösegeldes freigelassen hatten, wurden zwei von ihnen einige Tage später von europäischen Militäroffizieren festgenommen.

Um die Fähigkeiten der spanischen und europäischen Truppen zu demonstrieren, wurde bei der militärischen Übung in Rota die Rettung eines Fischerbootes simuliert, das von einer Gruppe Piraten entführt wurde. Die Übungsmission sei in einem „maritimen Szenario, das komplizierter als Atalanta ist und alle Aspekte der Planung einer Operation auf strategischer Ebene abdeckt“, erfolgreich durchgeführt worden, erklärte Admiral Lacave.

Rota oder Rom

Auch Spaniens Verteidigungsministerin Maria Dolores de Cospedal unterstrich die Ambitionen ihres Landes und die Bedeutung der Rota-Basis. Eine Verlegung des Atalanta-Hauptstützpunktes nach Andalusien „wäre eine Anerkennung des Engagements Spaniens für die Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU,“ so die Ministerin.

Sie betonte weiter, Spanien beteilige sich an allen laufenden Militär-Operationen und Missionen der EU.

Die EU-Verteidigungspolitik muss sich in Afrika beweisen

In Afrika könnte sich zeigen, wie die Zukunft der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU aussehen wird, schreibt Dr. Christian Deubner.

Bis das Vereinigte Königreich die EU im März 2019 verlässt, wird der Hauptsitz der Operation Atalanta noch im britischen Northwood verbleiben, teilte eine Sprecherin der Europäischen Kommission mit. Bis dann müssen die EU-Mitgliedstaaten aber entscheiden, wo die neue Kommandozentrale ihren Sitz haben wird.

Spaniens Angebot für Atalanta wird in Verbindung mit dem historischen Marinestützpunkt in Brest in der französischen Bretagne gemacht: Rota würde die Kommandozentrale für Atalanta übernehmen, während in Brest das Maritime Sicherheitszentrum für das Horn von Afrika (MSCHOA), aktuell ebenfalls in Northwood ansässig, untergebracht werden würde.

„Die EU ist zu einem Global Player am Horn von Afrika geworden…. Wir hoffen, dass unser gemeinsamer Vorschlag dazu beitragen wird, diese Rolle zu sichern,“ erklärten Dolores de Cospedal und ihre französische Amtskollegin Florence Parly in einem Brief vom 28. März an die europäische Außenbeauftragte Federica Mogherini.

Das französisch-spanische Projekt hat jedoch einen Rivalen: Die Militärbasis in Rom, Sitz der Mission Sophia gegen Menschenschmuggler im zentralen Mittelmeerraum.

Darüber hinaus müssen die Europäer in den kommenden Monaten auch entscheiden, ob sie die Operation Atalanta, deren Mandat am 31. Dezember ausläuft, überhaupt verlängern wollen.

Die Zahl der Angriffe im Indischen Ozean vor der Küste Somalias ist von einem Höchststand von 176 im Jahr 2011 auf sieben im Jahr 2017 gesunken. Seit Anfang 2018 ist bisher lediglich ein einziger Zwischenfall zu verzeichnen.

USA fürchten die Pläne zur EU-Verteidigung

Die Nato mahnt: EU-Verteidigung darf keine „neuen Barrieren“ errichten.

Subscribe to our newsletters

Subscribe