Spanien nimmt Flüchtlinge auf, das Boot liegt noch vor Sizilien

Das Hilfsschiff "Aquarius" der Organisation SOS Mediterranee. [EPA-EFE/CHRISTOPHE PETIT TESSON]

Nach einem Streit zwischen Italien und Malta über die Aufnahme von 629 Migranten darf das im Mittelmeer liegende Schiff in Spanien anlegen. Noch liegt es allerdings vor Sizilien, vermeldet „Ärzte ohne Grenzen“.

Eine neue Episode des Flüchtlingsdramas im Mittelmeer: Die „Aquarius“ mit 629 Migranten an Bord, darunter 123 unbegleitete Minderjährige, elf andere Kinder und sieben Schwangere, wurde auf dem Mittelmeer gerettet. Bilder von SOS Mediterranee zeigen Hunderte von Afrikanern, die dicht gedrängt an Bord stehen. Die Menschen sind nach Aussagen der Hilfsorganisation bei verschiedenen Aktionen aufgenommen worden. Auch Schiffe der italienischen Marine hätten Personen gerettet und dann zum Weitertransport zur „Aquarius“ gebracht.

Bloß, wohin mit den Flüchtlingen? Malta und Italien stritten über die Zuständigkeit. Beide Länder wollten das Boot nicht anlegen lassen. Nun gab Spaniens neuer Premierminister Pedro Sanchez die Antwort. Er habe den Hafen von Valencia angewiesen, das Boot einlaufen zu lassen, teilte sein Büro am gestrigen Montag mit. Es sei seine Pflicht, eine humanitäre Katastrophe abzuwenden. Die „Aquarius“ der Organisation SOS Mediterranee wartete nach einer Rettungsaktion in internationalen Gewässern zwischen Italien und Malta auf die Genehmigung, einen Hafen ansteuern zu dürfen.

Italiens neuer Innenminister, Matteo Salvini, zeigte sich erfreut. Es zahle sich aus, dass Italien die Stimme erhoben habe. Zugleich dankte er Spanien für die „Großherzigkeit“. Die EU könne sich auf solche Gesten allerdings nicht verlassen. Salvini hatte vor der spanischen Entscheidung erklärt, die Seerettung sei eine Pflicht, aber Italien in ein großes Flüchtlingslager zu verwandeln nicht. Die EU-Kommission und das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR warnten davor, den Clinch auf dem Rücken der Menschen an Bord auszutragen.

„Das Rettungsschiff „Aquarius“ mit 629 aus Seenot geretteten Menschen an Bord befindet sich weiterhin zwischen Malta und Sizilien“, meldete allerdings die Hilfsorgaisation Ärzte ohne Grenzen am Dienstagvormittag. Weiter heißt es in der Erklärung: „Die Besatzung der Aquarius ist mit den Seenotrettungsleitzentralen in Rom und Madrid in Kontakt. Bis Dienstagmorgen hat sie keinen sicheren Hafen von diesen zugewiesen bekommen. Es ist nun die Absicht der italienischen Seenotrettungsleitstelle, die Mehrzahl der Geretteten auf italienische Schiffe zu transferieren und alle nach Spanien zu bringen. Das würde bedeuten, dass die Menschen vier weitere Tage auf See verbringen müssen.“

In den vergangenen fünf Jahren haben mehr als 600.000 Menschen Italien mit Booten erreicht, die sich überwiegend von Afrika aus auf den Weg nach Europa machten. Tausende kamen bei der Überfahrt ums Leben.

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