Seenotretter fordern sicheren Hafen

Rettungsaktion der Aquarius am vergangenen Freitag. [Guglielmo Mangiapane/SOS Mediterranee]

Die Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen und SOS Mediterranee fordern die europäischen Regierungen auf, dem Rettungsschiff Aquarius einen sicheren Hafen zuzuweisen. Das Schiff hat am Freitag 141 Menschen aus Seenot gerettet.

Die Aquarius habe am Freitag zwei Rettungsaktionen durchgeführt, heißt es in einer Mitteilung vom Sonntag. Vormittags nahm die Besatzung demnach 25 Menschen an Bord, die in einem kleinen Holzboot ohne Motor auf dem Meer drifteten. Sie befanden sich wohl seit fast 35 Stunden auf dem Wasser. Danach rettete die Aquarius 116 Menschen von einem weiteren überfüllten Holzboot, darunter 67 unbegleitete Minderjährige. Mehr als zwei Drittel der Geretteten stammen aus Somalia und Eritrea. Ihr medizinischer Zustand sei stabil, doch zahlreiche Gerettete seien sehr schwach und mangelernährt.

Zwar habe die Crew allen Anweisungen der libyschen Seenotrettungsstelle JRCC Folge geleistet, doch wollte diese dem Schiff keinen Hafen zuweisen. Außerdem habe das JRCC „die Aquarius nicht über Seenotfälle informiert, von denen es wusste, obwohl wir ganz in der Nähe waren und Hilfe angeboten hatten. Es war eine sehr glückliche Fügung, dass wir diese Boote in Seenot selbst gesichtet haben“, kritisiert Projektkoordinator Aloys Vimard von Ärzte ohne Grenzen.

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Die Geretteten berichteten den Teams auf der Aquarius offenbar, dass sie auf See zuvor fünf verschiedenen Schiffen begegnet waren, die keine Hilfe geleistet hätten. „Das ist verstörend“, erklärte Vimard. „Offenbar ist nun das grundlegende Prinzip zur Hilfe bei Seenotfällen in Gefahr. Schiffsbesatzungen schrecken möglicherweise vor Hilfe zurück, weil sie damit ein hohes Risiko eingehen, anschließend auf offenen Meer festzusitzen und keinen sicheren Ort zugewiesen zu bekommen, an den sie die Geretteten bringen können.“

Die Hilfsorganisationen übten auch Kritik an den europäischen Regierungen. Diese haben, so heißt es, humanitäre Hilfe auf See behindert und die die Todeszahlen im Mittelmeer in den vergangenen Monaten nach oben schnellen lassen. Die Aquarius sei nun eines von nur noch zwei verbliebenen humanitären Rettungsschiffen im zentralen Mittelmeer. Die Kriminalisierung und Behinderung humanitärer Organisationen sei eine Folge des größeren Problems eines kaputten europäischen Asylsystems und des Versagens der EU-Staaten, Asylsuchende innerhalb Europas umzusiedeln.

„Die Bundesregierung trägt durch ihre aktive Unterstützung der so genannten libyschen Küstenwache dazu bei, dass Menschen in einem unmenschlichen System von Ausbeutung und Gewalt in Libyen gefangen bleiben. Zu Tausenden werden Menschen mit EU-Unterstützung nach Libyen zurückgebracht, oder sie haben gar nicht die Möglichkeit, von dort zu fliehen“, sagt Philipp Frisch von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland.

Und weiter: „Die Bundesregierung muss zumindest auf ihre europäischen Partner einwirken, ihre Häfen für die aus Seenot geretteten Menschen zu öffnen, und auch ihre eigene Bereitschaft zur Aufnahme der Geflüchteten bekunden. Wir erwarten, dass sich die Bundesregierung ihrer humanitären Verantwortung wieder bewusst wird und endlich anfängt, sich entschlossen gegen die Kriminalisierung von Flucht und humanitärer Hilfe zu positionieren.“

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