Sechs Millionen Spanier leben heute in extremer Armut

11 Millionen Spanierinnen und Spanier leben heute in einer Situation der "sozialen Ausgrenzung", 22,7 % mehr als im Jahr 2018, so der Bericht. [Shutterstock/M.Eugenia_Lopez]

Die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der COVID-19-Krise sind für Spanien verheerend. Sechs Millionen Bürger leben in großer Armut und 11 Millionen sind von sozialer Ausgrenzung bedroht, wie aus einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht der katholischen Nichtregierungsorganisation Caritas hervorgeht.

Die Auswirkungen der COVID-19-Krise haben 2,5 Millionen Menschen in Spanien in akute Armut gestürzt. Die Zahl der Haushalte mit ernsthaften wirtschaftlichen Problemen hat sich seit 2020 verdoppelt, so ein Caritas-Bericht. Grund sind fehlende Beschäftigungen der Haushaltsmitglieder und die daraus resultierenden Einkommenskürzung.

In der Zwischenzeit haben 1,147 Millionen Menschen zum ersten Mal in der jüngeren Geschichte ein Vermögen von einer Million Dollar oder mehr, wie aus dem jüngsten Global Wealth Report der Credit Suisse hervorgeht. Nach Schätzungen der Credit Suisse macht dies 2% der Millionäre weltweit aus. Es wird erwartet, dass diese Zahl bis 2025 auf 1,8 Millionen ansteigt.

11 Millionen Spanier leben heute in einer Situation der „sozialen Ausgrenzung“, 22,7 % mehr als 2018, so der Berichts. Die Situation nach der Pandemie sieht für Spanien „düster und sehr besorgniserregend“ aus, betonte die NGO.

Caritas legte nur die erste Schlussfolgerung ihrer Blitzstudie über die sozialen Auswirkungen der Pandemie in Spanien vor. Sie analysierte über 7.000 Haushalte in mehreren spanischen Regionen. Die endgültigen Daten werden erst im Januar 2022 vorliegen.

Dem Bericht zufolge sind derzeit nur vier von zehn spanischen Haushalten vollständig sozial und wirtschaftlich integriert, 7,4 % weniger als im Jahr 2018, heißt es weiter.

Die Schwächsten, so betonte Caritas-Spanien, seien „diejenigen, die nicht vom Wirtschaftswachstum profitiert haben, als die Erholung von der großen Rezession im Jahr 2018 einsetzte“.

Die COVID-19-Krise hat dafür gesorgt, dass zum ersten Mal seit 2007 mehr als sechs Millionen Menschen in schwerer sozialer Ausgrenzung leben – ein Anstieg von 33,3 % im Vergleich zu vor nur drei Jahren.

Diese Familien leiden unter dem, was Experten als „eine Anhäufung von schwerwiegenden Einschränkungen“ bezeichnet haben. Unter anderem müssen diese Familien mit prekären Arbeitsverhältnissen zurechtkommen, können ihre Wohnkosten nicht bezahlen, zweimal pro Woche kein Fleisch oder Fisch essen oder können ihre Wohnung im Winter nicht heizen.

„Eine erste Schlussfolgerung (des Berichts) ist, dass es eine Verschiebung der verschiedenen Schichten der (spanischen) Gesellschaft hin zu Situationen größerer Prekarität und sozialer Ausgrenzung gegeben hat, ein unaufhaltsamer Trend hin zu einer ungleicheren Gesellschaft“, sagte Thomas Ubrich, einer der Autoren des Berichts am Mittwoch, wie von spanischen Medien zitiert.

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