Sea-Watch-Kapitänin Rackete kommt wieder frei

Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete. [EPA-EFE/TILL M. EGEN/SEA-WATCH HANDOUT]

Ein Gericht in Sizilien hat den gegen die deutsche Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete verhängten Hausarrest aufgehoben. Sie wird Italien verlassen müssen, wie Innenminister Matteo Salvini ankündigte. EURACTIVs Medienpartner Deutsche Welle berichtet. 

Es seien keine weiteren freiheitsentziehenden Maßnahmen angeordnet worden, berichtet die italienische Agentur ANSA. Italiens Innenminister Matteo Salvini erklärte, die Ausweisung Racketes sei vorbereitet. Sie stelle eine Gefahr für die nationale Sicherheit dar.

Die deutsche Organisation Sea-Watch begrüßte die Freilassung ihrer Kapitänin Carola Rackete. „Wir sind erleichtert, dass unsere Kapitänin frei ist!“, twitterte die Organisation. „Es gab keinen Grund, sie festnehmen zu lassen, da sie sich lediglich für Menschenrechte im Mittelmeerraum eingesetzt und Verantwortung übernommen hat, wo keine europäische Regierung es tat.“

Mehr als eine Million Euro Spenden für Sea-Watch und Kapitänin

Bei Spendenaktionen zugunsten der Flüchtlingsrettungsorganisation Sea-Watch und der in Italien festgenommenen Kapitänin Carola Rackete sind mehr als eine Million Euro zusammengekommen.

Rackete hatte vergangene Woche das Rettungsschiff „Sea-Watch 3“ mit mehr als 40 Migranten an Bord unerlaubt in die italienischen Hoheitsgewässer gesteuert. In der Nacht auf Samstag fuhr sie – ebenfalls trotz eines Verbots – in den Hafen der sizilianischen Insel Lampedusa.

Anschließend war sie festgenommen und unter Hausarrest gestellt worden. Das Schiff wurde beschlagnahmt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung und will den genauen Fortgang des Rettungseinsatzes untersuchen. Im schlimmsten Fall droht Rackete eine Haftstrafe.

Zwei Wochen auf See

Sea-Watch hatte nach der Rettung von insgesamt 53 Migranten vor der libyschen Küste am 12. Juni mehr als zwei Wochen auf dem Meer vergeblich auf eine Erlaubnis zum Anlegen in Italien gewartet. Rackete rechtfertigte ihre Entscheidung, das Anlegen zu erzwingen, mit der verzweifelten Lage an Bord und der Sorge, dass Migranten über Bord in den Tod springen könnten. Die italienische Staatsanwaltschaft sieht eine solche Notlage nicht, auch weil 13 Migranten das Schiff unter anderem aus gesundheitlichen Gründen schon früher verlassen konnten.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte wenige Tage vor dem unerlaubten Einlaufen der „Sea-Watch 3“ in den Hafen von Lampedusa einen Eilantrag unter anderem von Rackete abgelehnt, mit dem Schiff in Italien anlegen zu dürfen.

Hohe Spendenbereitschaft

Nach ihrer Festnahme wurden in Deutschland und Italien Spenden für Sea-Watch gesammelt – mehr als eine Million Euro kamen unter anderem durch den Aufruf von den Fernsehmoderatoren Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf zusammen. Damit sollen die Gerichtskosten für Rackete und eventuell ein neues Schiff finanziert werden, erklärte Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer.

The Capitals: Sea-Watch, Salvini, SPD

Heute u.a. mit dabei: Deutschland und Frankreich kritisieren Italien wegen  der Festnahme der Sea-Watch-Kapitänin Rackete, und die SPD sucht eine neue Parteispitze.

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