Fünf Tote nach Anschlag in Wien: Polizei sieht „islamistisches Motiv“

Die österreichische Spezialeinheit "WEGA" bewacht die Wiener Staatsoper in der Nacht der Angriffe. [CHRISTIAN BRUNA/EPA]

Am Montagabend ereignete sich in Wien ein Anschlag. In der Innenstadt fielen Schüsse vor einer Synagoge. Ein Täter wurde von der Polizei erschossen, vier PassantInnen starben, 22 weitere wurden verletzt. Die Regierung verhängt eine dreitägige Staatstrauer.

Der verstorbene Täter war eine „radikalisierte Person“, die sich der islamistischen Miliz IS „besonders verbunden fühlte“, so Innenminister Karl Nehammer (ÖVP). Das seien die Ergebniss einer Hausdurchsuchung, die noch in derselben Nacht stattgefunden hatte. Die Polizei geht daher von einem islamistischen Motiv aus.

Aktuell nimmt die Polizei an, dass es weitere Angreifer gegeben haben könnte, und fahndet landesweit – inklusive Grenzkontrollen in Kooperation mit Nachbarstaaten.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sprach von einem „widerwärtigen Terroranschlag“. Nehammer nannte den Anschlag einen „Angriff auf unsere Werte: freie Meinungsäußerung, Rechtstaatlichkeit und Toleranz“, den man sich „in keiner Weise gefallen lassen“ werde.

Die Schulpflicht ist für Dienstag ausgesetzt, BürgerInnen werden gebeten, nach Möglichkeit daheim zu bleiben. Es ist auch der erste Tag des zweiten österreichischen Lockdowns.

Die Ereignisse der Nacht

Vermutlich mehrere Angreifer begannen gegen 20:00 vor einer Synagoge am Schwedenplatz das Feuer zu eröffnen. Sie waren  mit automatischen Gewehren und großen Mengen an Munition bewaffnet. Es kam zu  einem Schusswechsel mit der Polizei. Im Verlauf der Nacht fielen Schüsse an fünf weiteren Orten in der Wiener Innenstadt.

Ein Polizist wurde schwer verletzt, ein Täter von der Polizei erschossen. Er hatte einen Sprengstoffgurt umgeschnallt, der sich im Nachhinein jedoch als Attrappe herausstellte.

Drei Zivilpersonen tot

In den Spitälern wurden 15 Verletzte eingeliefert, davon sieben in kritischem Zustand. Sie wurden angeschossen, eine Person erlitt eine Stichwunde. Im Laufe der Nacht erlagen vier  Zivilpersonen ihren Verletzungen: Zwei Männer und zwei Frauen.

Um flüchtige potenzielle Angreifer zu fassen, steht die Regierung in Kontakt mit Nachbarstaaten, die Grenzen werden verstärkt kontrolliert. Die österreichischen Spezialkräfte kooperieren mit ihren europäischen Partnern in der sogenannten ATLAS-Gruppe.

Ab Dienstag beginnt eine dreitätige Staatstrauer, Regierungsgebäude werden schwarz beflaggt.

Aus dem Ausland kommen derweil Bekundungen der Solidarität und der Bestürzung, unter anderem vom französischen Präsident Emmanuel Macron, vom deutschen Vizekanzler Olaf Scholz und  von EU-Kommissionspräsidentin Ursula Von der Leyen.

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