Schottland will mehr Einwanderer aufnehmen

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Schottland macht Ernst. In einem zweiten Referendum will die schottische Regierung ihrem Volk die Wahl "zwischen Brexit und Unabhängigkeit" bieten. [Andy Rain/EPA]

Schottland fordert angesichts seiner demografischen Entwicklung zusätzliche Einwanderungsbefugnisse, um mehr Migranten ins Land zu holen. Premierministerin Theresa May indessen setzt weiterhin auf einen harten Brexit. EURACTIV Brüssel berichtet.

Die schottische Regierung geht davon aus, dass 90 Prozent des nationalen Bevölkerungswachstums innerhalb der nächsten zehn Jahre auf die Nettoeinwanderung zurückzuführen sein werden – sowohl aus Übersee als auch dem Rest Großbritanniens.

„Bevölkerungswachstum ist essentiell für die Gesundheit der schottischen Wirtschaft und des öffentlichen Dienstes“, erklärt Stuart McMillan von der Nationalen Partei Schottlands (SNP).

„Die britische Regierung ist jedoch entschlossen, den Arbeitern, die unsere Wirtschaft so dringend braucht, die Tür vor der Nase zuzuschlagen.“ Der bisher schwache Bevölkerungsanstieg sei einer der Gründe, weshalb das Land ein eigenes Einwanderungssytem brauche, betont die Schottische Handelskammer.

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„Die Leave-Kampagne hat gesagt, Schottland würde mit dem Brexit mehr Befugnisse in Sachen Einwanderung erhalten, aber der Bus ist abgefahren – das war der mit dem 350-Millionen-Pfund-Versprechen für das NHS [Großbritanniens Gesundheitssystem]“, so McMillan.

„Wertvolle, wertvolle EInheit“

Letzte Woche kündigte die schottische Regierung ein zweites Unabhängigkeitsreferendum an ­– nur drei Jahre nach dem gescheiterten ersten Anlauf. Abhalten will sie es noch vor dem EU-Austritt 2019. Schon seit einiger Zeit warnt Schottlands Ministerpräsidentin Nicola Sturgeon, ihre pro-europäische Nation werde den verheerenden Bruch mit der EU nicht hinnehmen. Inzwischen hat sie ihre Drohung wahr gemacht.

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May unterdessen drängte Sturgeon bei einem Treffen vergangene Woche, auf ein weiteres Referendum zu verzichten. Sie warf der SNP „spalterischen und obsessiven Nationalismus“ vor und verteidigte die „wertvolle, wertvolle Einheit“  von England, Schottland, Nordirland und Wales.

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Für die Personenfreizügigkeit

Einer aktuellen ScotCen-Umfrage zufolge sind 61 Prozent der Schotten dafür, die Personenfreizügigkeit aufrechtzuerhalten, um die Mitgliedschaft im EU-Binnenmarkt nicht zu verlieren.

„Immer wieder zeigen Umfragen, dass die Menschen in Schottland für die Personenfreizügigkeit als Teil unserer Mitgliedschaft im Binnenmarkt sind“, unterstreicht McMillan. „Es ist ein weiteres Beispiel dafür, warum man den Schotten die Möglichkeit geben muss, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen, und warum das schottische Volk die Wahl zwischen Brexit und Unabhängigkeit haben sollte.“

Schottland sei ohne Großbritannien besser dran, betonte Alasdair Allan, Schottlands Minister für Internationale Entwicklung und Europa, in einem Interview mit EURACTIV-Partner Gazeta Wyborcza.

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