Russische Cyberattacke gegen Estland gestoppt

Anstatt die gängige Praxis von Sicherheitsbehörden, Sicherheitslücken für Spionagezwecke auszunutzen, sollten sie eher für ihre Schließung zu sorgen, meint Matthias Schulze. [blogentrepreneur_Flickr]

In Estland ist ein russischer Staatsbürger festgenommen worden, der eine Cyberattacke auf staatliche Institutionen des baltischen Landes geplant haben soll.

Der Mann soll ein mutmaßlicher Mitarbeiter des russischen Inlandsgeheimdiensts FSB sein, wie die estnische Generalstaatsanwaltschaft am Dienstag in Tallinn bekannt gab.

Durch die Festnahme sei „ernsthafter Schaden“ vermieden worden, erklärte die für die Untersuchung zuständige Generalstaatsanwältin Inna Ombler. Sie fügte hinzu, die Aktivitäten des Verdächtigen stünden nicht in Zusammenhang mit der jüngsten Bedrohung der Sicherheit elektronischer Personalausweise, die das Land getroffen hatte.

Estland-Gipfel: Digitalisierung als fünfte EU-Freiheit

Estland ist eines der kleinen EU- und Euro-Staaten. Aber der derzeitigen Ratspräsidentschaft mangelt es beim Thema Digitalisierung nicht an Selbstbewusstsein.

Am vergangenen Freitag hatte Tallinn die Sicherheitszertifikate von 760.000 elektronischen Personalausweisen ausgesetzt, da diese mit einem für Identitätsdiebstahl anfälligen elektronischen Chip ausgestattet waren.

Regierungschef Juri Ratas empfahl allen Nutzern ein Sicherheitsupdate, um Angriffe zu vermeiden.

In Estland dient ein solcher elektronischer Personalausweise nicht nur der Identifikation im realen und digitalen Leben, sondern ermöglicht es den Nutzern auch, ihre digitale Unterschrift unter elektronische Dokumente zu setzen.

EU erarbeitet neue Sicherheitsregeln: Wer haftet bei Cyber-Attacken?

Es muss mehr Debatten über die Haftung bei Cyberattacken geben, sagt Steve Purser von der Europäischen Agentur für Netz- und Informationssicherheit.

Estland sowie die beiden anderen ehemaligen sowjetischen Republiken Litauen und Lettland, die alle drei Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und der Nato sind, zeigen sich seit der Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014 besonders besorgt über das Verhalten Moskaus.

Als Antwort auf wiederholte militärische Aktivitäten Russlands in der Region stationierte die Nato vier multinationale Bataillonen in den drei baltischen Ländern und Polen. Der Kreml bestreitet territoriale Ambitionen und wirft dem atlantischen Bündnis vor, Russland umzingeln zu wollen.

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