Polens Rechte baut eigene Internetplattform

Es stellte sich schnell heraus, dass Albicla wohl kein Raum der unzensierten freien Rede sein wird. [Screenshot]

Die Sperrung von Donald Trumps Social-Media-Accounts auf diversen Plattformen hat polnische Rechte offenbar dazu inspiriert, ein neues soziales Netzwerk zu gründen – bisher mit holprigem Start und mäßigem Erfolg.

Ins Leben gerufen wurde das Projekt „Albicla“ vom Chefredakteur der stramm rechten Gazeta Polska, Tomasz Sakiewicz. Man wolle den „zensurfreien“ Austausch fördern, heißt es.

Albicla – nach eigener Aussage eine Abkürzung des Ausdrucks „Let All Be Clear“ – soll eine neue Plattform werden, auf der die User ihre Ansichten uneingeschränkt teilen können. Es drohe also keine Gefahr, dass Sperrungen ausgesprochen oder Konten komplett gelöscht werden.

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Die Social-Media-Seite wurde vor einer Woche gestartet. Allerdings war der Launch, gelinde gesagt, recht zäh: Zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer berichteten von Problemen beim Erhalt von Bestätigungs-E-Mails bei der Registrierung.

Darüber hinaus habe es einige schwerwiegende Sicherheitsprobleme gegeben. Eine Zeit lang war es sogar möglich, die IP-Adressen und weitere Daten der User auszulesen.

Zu allem Überfluss fiel dann auch noch der Account eines Administrators Hackern zum Opfer, die alle Grafiken auf der Seite durch Bilder von Regenbögen ersetzten – eine klare Anspielung auf die LGBTQI-Community sowie die allgegenwärtige Homophobie innerhalb der polnischen Rechten.

Außerdem stellte sich schnell heraus, dass Albicla trotz aller Beteuerungen seiner Gründer wohl kein Raum der unzensierten freien Rede sein wird: Die Konten einiger Journalistinnen und Journalisten – die bekannt für ihre Kritik an der Rechten sowie am Projekt Albicla sind – wurden bereits gesperrt.

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