Pfusch am Bau: Jüngstes Erdbeben in Kroatien zeigt Mängel auf

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Ein in Mitleidenschaft gezogenes Haus im Dorf Majske Poljane bei Glina, am 4. Januar. Das Erdbeben am 29. Dezember 2020 erreichte eine Stärke von 6,4 auf der Richterskala. [EPA-EFE/ANTONIO BAT]

Das Erdbeben Ende Dezember in Kroatien hat zahlreiche Mängel an Gebäuden und Pfusch am Bau offengelegt. EURACTIV Kroatien berichtet.

Milan Škornjak aus dem Dorf Strašnik, zehn Kilometer von der weitgehend verwüsteten Kleinstadt Glina entfernt, hatte mehrfach versucht, die Regierungsbeamten darauf aufmerksam zu machen, dass sein wiederaufgebautes Haus seit 20 Jahren nicht den Bau- und Sicherheitsstandards entspricht. Das Erdbeben mit einer Stärke von 6,4, auf der Richterskala, das am vergangenen Dienstag die kroatische Gespanschaft Sisak-Moslavina traf – bei dem sieben Menschen starben und mehrere Dutzend verletzt wurden – hat ihm nun leider recht gegeben.

„Mein Haus wurde nach dem Krieg 1996 wiederaufgebaut, aber das Fundament war nicht richtig gemacht. Das habe ich schnell gemerkt. Sobald man den Beton in die Hand nimmt, bricht er. Den Leuten wurde vorgegaukelt, dass es sich um einen guten und sicheren Wiederaufbau handelt,“ kritisiert Škornjak, während er die brüchigen Wände und das schwer in Mitleidenschaft gezogene Fundament seines beschädigten Hauses zeigt.

Seine Familie lebt derzeit in einem gespendeten Wohnwagen im Vorgarten.

Škornjaks Haus war eines von 25.000 Familienhäusern, die in der Zeit ab 1996 wieder aufgebaut wurden. Nach ersten Schätzungen sind nach dem jüngsten Erdbeben rund 15.000 Häuser schwer beschädigt und stellen ein Sicherheitsrisiko dar. In den kommenden Wochen werden wohl 3.000, die nicht mehr zu retten sind, abgerissen werden.

Bereits im März hatte es in Kroatien ein Erdbeben gegeben, das unter anderem die Hauptstadt Zagreb traf.

Zagreb zwischen Erdbeben und COVID-19

Die kroatische Regierung ringt darum, die Schäden des Erdbebens in Zagreb schnellstmöglich zu beheben und gleichzeitig die Bürgerinnen und Bürger vor dem Coronavirus-Ausbruch zu schützen.

Als Škornjak nach dem Ende des Krieges 1995 in sein Dorf zurückkehrte, war das einzige, was auf seinem Grundstück noch vorhanden war, ein Brunnen. Das Wichtigste war für ihn damals, schnell ein Dach über dem Kopf zu bekommen – Qualität war zunächst zweitrangig, räumt er ein.

Doch einige Jahre nach dem Wiederaufbau des Hauses begann er, Mängel zu bemerken. Am offensichtlichsten und besorgniserregendsten waren das schlecht gegossene Fundament und die minderwertigen Dachziegel. Škornjak reichte im Jahr 2000 eine erste offizielle Beschwerde ein, um die Behörden auf das potenzielle Sicherheitsrisiko aufmerksam zu machen.

Seine – nach eigenen Angaben „kafkaeske“ – Reise führte ihn danach zu Behörden in die Städte Glina, Petrinja und Sisak. Am Ende fuhr er sogar in die Hauptstadt Zagreb, wo er versuchte, sich bei der zentralen Wohnungsbehörde zu beschweren.

„Ich trug Dokumente von Tür zu Tür und versuchte, die Regierung dazu zu bringen, mein Haus zu reparieren. Alles, was sie mir gaben, waren leere Versprechungen, mit denen sie mich zum nächsten Büro schickten. Ich habe sogar mit dem Staatssekretär gesprochen, der versprach, mir zu helfen. Aber dann begann er, meine Anrufe zu ignorieren, und wann immer ich ihn anrief, sagten mir seine Sekretäre, er sei im Urlaub,“ erzählt Škornjak.

Auch andere Einwohner von Strašnik teilen ihre Erfahrungen mit den Medien.

„Alles, was sie gemacht haben, haben sie schnell und schlecht gemacht. Die Betonverstärkung wurde nicht ausreichend mit dem Eisen der Betondecke verbunden. Mein Vater, der selbst Bauunternehmer ist, hat damals versucht, sie zu warnen; ihnen gesagt, dass sie sich nicht an die Normen halten. Aber sie haben ihn nur ausgelacht,“ sagt Tomislav Šubić, ein Nachbar von Škornjak.

„Sie haben uns auch nie gebeten, am Ende des Projekts die entsprechenden Papiere zu unterschreiben. Nachdem wir die Möbel bekommen hatten, wurde die Arbeit als erledigt betrachtet. Alles war damals sehr chaotisch; es wurde zu dieser Zeit viel gestohlen. Niemand konnte das verhindern. Wir wollten einfach nur unser Haus zurückhaben,“ fügt Šubić hinzu.

Kroatien bekräftigt seine Schengen- und Eurozonen-Wünsche

Kroatiens Ministerpräsident Andrej Plenković hat erneut bekräftigt, dass das neueste EU-Mitglied so schnell wie möglich den „inneren Kreisen“ der Union beitreten will: Dem Schengenraum und der Eurozone.

Pikantes Detail: Verantwortlich für den Wiederaufbau in den späten 1990er Jahren war der jetzige Präfekt der Gespanschaft Sisak-Moslavina, Ivo Žinić. Dieser ist von Beruf Architekt.

Žinić bestätigte Anfang dieser Woche in einem Interview mit dem Sender N1, dass unter seiner Leitung mehr als 90 Prozent der Häuser in Strašnik, einem der am stärksten vom jüngsten Erdbeben beschädigten Dörfer, wieder aufgebaut worden waren. Die Verantwortung für die Schäden liege jedoch ausschließlich bei den privatwirtschaftlichen Bauunternehmern, sagte er weiter.

„Der Wiederaufbau der Gespanschaft Sisak-Moslavina Ende der 1990er Jahre war eines der größten Projekte in der Geschichte Kroatiens. Mehr als 150.000 Familienhäuser wurden nach den professionellen Standards der damaligen Zeit wiederaufgebaut. Hunderte von Experten wurden mit der Überwachung des Projekts beauftragt, während das Ministerium selbst der offizielle Koordinator war. Es war eines der bestmöglichen Systeme, und ich bin sehr stolz darauf, daran beteiligt gewesen zu sein. Die Verantwortung für ein solch verheerendes Erdbeben kann ich allerdings nicht übernehmen,“ so Žinić im Interview.

Ministerpräsident Andrej Plenković sprach sich derweil für eine Untersuchung der aktuellen Fälle und der Beschwerden aus. Er wolle sich bezüglich des (potenziellen) Wohnungsbau-Skandals jedoch nicht weiter äußern, bevor nicht weitere Informationen und Details bekannt sind.

[Bearbeitet von Tea Trubić Macan, Benjamin Fox und Tim Steins]

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