Paris will Banker locken

Der französische Premierminister Edouard Philippe will weitere Banker aus London nach Paris locken. [EPA/JULIEN DE ROSA]

Frankreichs Premierminister hat einige neue Maßnahmen vorgestellt, mit der Vertreter der Finanzbranche nach Frankreich gelockt werden sollen. Diese prüfen aktuell ihre Optionen für die Zukunft nach dem Brexit.  EURACTIVS Medienpartner La Tribune berichtet.

„London ist ein Rätsel. Paris ist die Erklärung.“ Mit diesem Zitat des britischen Schriftstellers G.K. Chesterton fasste der französische Premierminister Edouard Philippe seine geplanten Maßnahmen vor mehr als 200 Vertretern des Finanzsektors zusammen.

Philippe kündigte während eines von Europlace – einer für die Förderung des Finanzstandorts Paris zuständigen Organisation – veranstalteten Abendessens neue Initiativen an, um Finanzinstitute, die sich über ihren Zugang zum EU-Binnenmarkt nach dem Brexit sorgen, anzuziehen.

„Dieses Angebot ist offen und direkt: Wir wollen globalen Investoren und Finanzinstituten neue Möglichkeiten und ein solides und stabiles Umfeld bieten, um in Frankreich und Europa zu investieren sowie ihr Geschäft zu verlagern und auszubauen. Wir möchten, dass Sie sich in Frankreich ganz herzlich willkommen fühlen,“ so der Premier während seiner Rede, die er wechselnd auf Französisch und Englisch hielt.

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In Bezug auf Steuern hat Phillipe angekündigt, dass eine Pauschalsteuer von 30 Prozent auf im Ausland eingenommene Zinsen (sprich: Gewinnbeteiligungen für Investmentmanager) angewendet würde. Diese Einnahmen würden als Kapital- und nicht als Arbeitseinkommen behandelt und somit die Steuern für Finanzakteure mit Sitz in Frankreich gesenkt. Die Maßnahme soll im Herbst in den Entwurf für das zukünftige Finanzgesetz aufgenommen werden.

Weitere Pläne wie die Abschaffung des Grenzsatzes für die Lohnsteuer und die geplante Ausdehnung der Finanztransaktionssteuer auf sogenannte Intraday-Transaktionen werden ebenfalls in den Finanzgesetz-Entwurf aufgenommen.

Frankreich will wieder mehr Investoren anlocken

Frankreichs Premierminister signalisierte des Weiteren, dass Frankreich ebenso wie Deutschland eine Geschäftswertabschreibung zulassen will, die auch im Rahmen der europäischen GKKB-Richtlinie (Gemeinsame Konsolidierte Körperschaftsteuer-Bemessungsgrundlage) diskutiert wird.

Philippe verwies auch auf die von der Regierung kürzlich eingerichteten Informationsstelle namens „Tax 4 Business“, mit der die Verwaltungsverfahren für internationale Akteure, die sich in Frankreich niederlassen wollen, erleichtert werden sollen. Außerdem können sich die Finanz-Einwanderer über geltende Steuervorschriften informieren lassen.

„In nur einem Jahr ist es uns gelungen, ausländische Investoren wieder nach Frankreich zu holen und den Trend umzukehren. Vor Kurzem war unser Land für ausländische Investoren regelrecht abschreckend. Frankreich ist wieder attraktiv geworden und die Investoren kehren zurück,“ zeigte Philippe sich sichtlich zufrieden.

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Europäische Schule für Banker-Kids

Da die Finanzelite bei ihrer möglichen Umsiedlung von London nach Paris Bildungsfragen für ihren Nachwuchs besondere Bedeutung beimisst, kündigte Phillippe an, es werde bald eine neue europäische Schule in der Nähe des Bankenviertels La Défense geben.

An dieser öffentlichen Schule sollen 300 bis 400 Schüler in ihrer Muttersprache unterrichtet werden – ohne an die eigentlich geltende Grundsatzregel gebunden zu sein, dass 50 Prozent des Unterrichts auf Französisch stattfinden muss. Das Schulangebot richtet sich in erster Linie an die Kinder von Mitarbeitern der Europäischen Bankaufsichtsbehörde (EBA), die ihren Sitz im März nächsten Jahres von London nach Paris verlegen wird; aber auch an andere Kinder aus der Region Paris.

Philippe erklärte darüber hinaus, dass ab September mehr als 1000 neue Plätze in internationalen Gymnasien und internationalen „Sektionen“ der Sekundarschulen zur Verfügung stehen werden.

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