Österreich: Schließung islamischer Kindergärten gegen Parallelgesellschaften?

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz : Europa verhält sich „manchmal wie ein altes Ehepaar, wo sich ständig der Westen über den Osten beschwert, der Norden über den Süden und die selbsterklärte Avantgarde über die vermeintlichen Rückständigen“. [Ars Electronica/Flickr]

Österreichs Außenminister will islamische Kindergärten schließen. So soll laut Sebastian Kurz das Entstehen von Parallelgesellschaften verhindert werden.

Laut der aktuellsten verfügbaren Statistik gibt es in Wien zurzeit rund 100.000 bewilligte Kinderbetreuungs-Plätze. Den Großteil stellen die städtischen Kindergärten, dazu kommen katholische, evangelische, jüdische und private Einrichtungen. Nicht offiziell registriert sind hingegen die islamischen Kindergärten. Aufgrund von Erhebungen wird damit gerechnet, dass diese etwa 10.000 Kinder betreuen, somit gut zehn Prozent der heranwachsenden Kinder in ihrer Obhut haben und diese streng nach islamischen Regeln erziehen. Dazu gehört unter anderem der tägliche Religionsunterricht und das frühzeitige Lernen von Koran-Suren.

Bereits vor zwei Jahren gab es darüber eine heftige politische Diskussion. Der Vorwurf richtete sich damals vor allem dagegen, dass diese Kindergärten im Zeichen des Halbmonds zwar durch Subventionsgelder erhalten, aber so gut wie nicht von den städtischen Behörden kontrolliert werden.

In einer Studie erhob Ednan Aslan, Professor für islamische Religionspädagogik an der Universität Wien, sogar den Vorwurf, dass „intellektuelle Salafisten und politische Islamisten die dominierenden Gruppen in der islamischen Kindergartenszene in Wien“ wären. Seitens der zuständigen Abteilungen der Stadt Wien wurden daraufhin Kontrollen veranlasst, um sicherzustellen, dass auch die muslimischen Kinderbetreuungen kein Extraleben führen sondern tatsächlich den allgemeinen Regeln und Vorschriften entsprechen.

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Gegen Abschottung von der Mehrheitsgesellschaft

Inzwischen ist es um das Ergebnis dieser Überprüfungen ruhig geworden. Bis es Integrationsminister Sebastian Kurz nun wieder aufhorchen ließ. Er strebt eine Schließung dieser rein islamischen Kindergärten an, die es faktisch nur in Wien gibt. Diese Maßnahme könne rechtlich abgesichert dadurch erfolgen, dass man diesen Institutionen die Fördermittel streicht, sodass sie ihren Betrieb schließen müssen.

Kurz begründet seine Forderung damit, dass die Kinder in den islamisch geführten Betreuungseinrichtungen sprachlich und kulturell abgeschottet von der Mehrheitsgesellschaft erzogen und dafür vom Steuerzahler finanziert würden. Würde damit eine Parallelgesellschaft geschaffen und der so notwendige Integrationsprozess hintenangestellt werden. Das, so klagen einige Pädagogen, würde sich in vielen Volksschulklassen zeigen. Dabei werde gerade im Alter von vier bis acht Jahren der Grundstein für die Anpassung in die Gesellschaft gelegt.

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Betreten fielen die Reaktionen aus. Der zuständige Wiener Stadtrat sieht keinen Handlungsbedarf, will Probleme lösen und nicht erfinden. Die islamischen Vertreter indes wehren sich gegen eine solche Schließung und versichern, keine Parallelgesellschaft von Kindesbeinen an schaffen zu wollen. Die Grünen wollen kein Feindbild in der Gesellschaft schaffen, sprechen sich aber dafür aus, endlich bundesweite Qualitätskriterien für Kindergärten zu schaffen, um eine Erziehung gemäß der europäischen Werte- und Rechtsordnung zu gewährleisten.

 

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