Österreich: schlechtere Integration durch schlechte Sprachkenntnisse

Nicht so sehr die Flüchtlinge sondern jene Menschen, die schon vor 2015 nach Österreich migriert sind, tun sich mit der Integration besonders schwer, meint Herbert Vytiska. [© dpa (Archiv)]

Nicht so sehr die Flüchtlinge sondern jene Menschen, die schon vor 2015 nach Österreich migriert sind, tun sich mit der Integration besonders schwer. Das macht ein interner Bericht des Arbeitsmarktservice (AMS) deutlich.

Eine im vergangenen Juni durchgeführte Untersuchung des AMS in vier Bundesländern, darunter auch Wien, zeigt, dass es bei den Integrationsmaßnahmen noch massiver Anstrengungen bedarf. Viele der Migranten sind selbst nach mehreren Jahren des Aufenthaltes in Österreich noch in der Gesellschaft ihrer einstigen Heimat verhaftet und nicht in der europäischen Realität angekommen. Das derzeitige Angebot an Beratungen, Broschüren und Kursen ist nicht ausreichend, um diesen Zustand nachhaltig zu verbessern.

Weniger Flüchtlinge – doch Österreich glaubt immer weniger an Integration

Ein Fünftel der österreichischen Bevölkerung hat selbst Migrationshintergrund. Dennoch werden die Österreicher beim Thema Integration immer skeptischer.

Besonders eklatant zeigt sich die Situation bei den Arbeitssuchenden. 42 Prozent aller Arbeitssuchenden sind Ausländer oder haben Migrationshintergrund. In Wien liegt ihr Anteil sogar bei 61 Prozent. Die Flüchtlinge machen derzeit nur 6 Prozent der Arbeitssuchenden aus. Das liegt vor allem daran, dass sie das Asylverfahren abwarten müssen, ehe sie offiziell einer Arbeit nachgehen dürfen. Bei ihnen, so heißt es, würde man aber eine „besondere Willigkeit“ registrieren, sich rasch zu integrieren. Die überwiegende Mehrheit der „Kunden“ beim AMS, nämlich 90 Prozent, gehört zur ersten Generation, sind also selbst zugewandert. Türken stellen dabei die größte Gruppe.

Parallelwelt als großes Hindernis

Wie aus der AMS-Untersuchung hervorgeht, und dies auch andere Erhebungen immer wieder bestätigen, sind mangelnde Deutschkenntnisse, aber auch religiöse und kulturelle Gründe das größte Hindernis, um sich im neuen gesellschaftlichen Umfeld zurecht zu finden.

Zum Beispiel kommen Personen mit islamischen Hintergrund für dringend benötigte Service-und Pflegeberufe nur eingeschränkt in Frage. Das gilt insbesondere für Musliminnen, weil sie Männer nicht berühren dürfen. In vielen Familien wird laut Erhebung zudem die Verpflichtung zur Schulpflicht der Kinder nicht ernst genommen.

Es ist nicht nur die erste Generation, die schwer integriert, keinen Arbeitsplatz findet und ausschließlich auf staatliche Hilfe angewiesen ist. Auch Jugendliche der zweiten Generation haben, so die Erfahrung der AMS-Mitarbeiter, trotz Schulbesuchs in Österreich mangelhafte Deutschkenntnisse, weil zu Hause nicht Deutsch gesprochen wird.

Migrationsexperte: Integration ist unvermeidbar

Der französische Polit-Philosoph Sami Naïr ist sicher, dass Europa die Zuwanderung „absorbieren“ könnte. Integration gelinge nach spätestens drei oder vier Generationen. EURACTIV Spanien berichtet.

Tatsächlich leben die Familien meist in einem Verband aus anderen Migranten aus ihrem Herkunftsland, besorgen die Einkäufe in Geschäften, die von ihren Landsleuten geführt werden oder sind über Smartphone, TV sowie Internet vorrangig in die Welt ihres einstigen Zuhause eingebunden. Es ist eine Parallelwelt, die entstanden ist und nun nach Lösungen verlangt.

Nachdem, wie die jüngsten Zahlen von Eurostat zeigen, im vergangenen Jahr die Asylanträge in der gesamten EU um rund die Hälfte auf rund 650.000 zurückgegangen sind, lässt nun der Druck auf die Flüchtlingsproblematik etwas nach. Gleichzeitig wird damit aber Luft geschaffen, um sich verstärkt dem Problem der Integration zu widmen. Gerade auch vor dem Hintergrund .der populistischen Bewegungen quer durch Europa eine zentrale Aufgabe, der sich die Regierungen zuzuwenden haben.

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