Österreich: Neuer Anlauf für Mitarbeiterbeteiligung in Unternehmen

Immer wieder ein Streitthema: Das liebe Geld und der EU-Haushalt. [JT/Flickr]

Die einen sind mitten im Wahlkampf, die anderen denken schon an die Zeit danach. So kommt jetzt der Vorstoß für ein Gesetz, das die Mitarbeiterbeteiligung forcieren helfen soll.

Wären erst im Herbst nächsten Jahres Nationalratswahlen gewesen, dann hätte es schon in den nächsten Monaten einen Gesetzesvorschlag für die Mitarbeiterbeteiligung an Unternehmen geben können. Aufgrund der vorgezogenen Wahlen soll dieser nun möglichst bald nach den Wahl im Parlament eingebracht werden. Erreichen will man damit unter anderem, dass den Betrieben mehr privates Kapital zur Verfügung steht und diese daher weniger von den Banken abhängig sind.

Die Initiative dazu kommt von einem anerkannten österreichischen Unternehmer, der auch eine politische Vergangenheit hat: Josef Taus. Er war einmal vor rund 40 Jahren ÖVP-Obmann, kommt zwar vom Arbeitnehmerflügel der Partei, gilt aber als ein wirtschaftspolitischer Kapazunder. So hat er einen privaten Mischkonzern, die „Management Trust Holding“ aufgebaut, dessen Unternehmen  als Musterbeispiel für ein mittelständische Betriebsgruppe gelten.

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Vor einem Diskussionsforum in Klosterneuburg bei Wien präzisierte Taus seine Initiative. Dabei erinnerte er an die großen Leistungen der Generationen nach dem Ersten und vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg. Nach der Zerschlagung der Monarchie war Österreich auf einen Kleinstaat mit 6,5 Millionen Einwohner geschrumpft und befand sich in einem fast hoffnungslosen Zustand. Heute gehört Österreich zu den reichsten Staaten in Europa, was durch eine einmalige Aufbauarbeit der Bevölkerung ermöglicht wurde.

Was die weitere Zukunft betrifft, so macht sich der Politiker und Manager Sorgen, dass viele österreichische Leit-Betriebe in den letzten Jahren verkauft wurden. So etwa die Casinos-Austria-Gruppe, in der nun tschechische Oligarchen das Sagen haben. Notwendig sei es nun wieder, dass in Österreich neue Firmen aufgebaut werden. Und dadurch die so wichtige Struktur der Mittelbetriebe gestärkt wird, denn sie sind der Grundstock für ein sozial gefestigtes und wirtschaftlich erfolgreiches Land.

Neben der Förderung von Start-Ups sollen aber auch bestehende Unternehmen neue Möglichkeiten erhalten, zu mehr privatem Kapital zu kommen. Diesbezüglich würde gerade eine Mitarbeiterbeteiligung neue Quellen erschließen. Zugleich würde man dadurch die Mitarbeiter stärker in den Entscheidungsprozess miteinbinden und mit den unternehmerischen Zielen identifizieren lassen. Als einen wichtigen Punkt sieht dabei Taus die Änderung des derzeitigen Finanzierungssystems, das zu sehr auf die Banken fokussiert ist. Daher verficht er besonders die Idee der Mitarbeiterbeteiligung an den Unternehmen. Auch bekannt unter dem Schlagwort „Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand“.

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Bereits in den 1970er Jahren wurde damals von ihm ein Modell entwickelt, über das es aber letztlich zu keinem Konsens zwischen den beiden großen politischen Lagern kam. Nun flammt die Diskussion wieder neu auf. Wichtig dabei ist es und das macht ein entsprechendes Gesetz nötig, dass seitens des Staates gewisse Garantien geleistet werden und es auch auf steuerlicher Seite zu Begünstigungen kommt.

Gerade in Hinblick auf die immer wiederkehrende Diskussion der Vermögensverteilung innerhalb der Bevölkerung (nur 4 Prozent besitzen zum Beispiel Aktien) sieht der Politiker und Wirtschaftsmann in dieser Initiative sowohl einen ökonomischen (indem Kapital seitens der Arbeitnehmer den Betrieben zugeführt wird, als auch einen sozialen Effekt.

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