NGO-Bericht: Misshandlung von Migranten an Europas Grenzen alltäglich

Um den Andrang von Flüchtlingen an der Grenze zu regulieren, errichtet Slowenien Grenzbarrieren.

Um den Andrang von Flüchtlingen an der Grenze zu regulieren, hat Slowenien Grenzbarrieren errichtet. [michael_swan/Flickr]

Elekroschocks, käfigartige Zellen, Zwingen zum Ablegen der Kleider: NGOs machen in einem Bericht auf die Brutalität gegen Migranten an Europas Grenzen aufmerksam.

Gewalt, Brutalität und unrechtmäßiger Behandlung prägen die Erfahrung von Flüchtlingen auf der so genannten Balkanroute: Ein von mehreren Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in Berlin vorgelegter Bericht dokumentiert zahlreiche Flüchtlingsschicksale. Menschen, die vor Krieg, Verfolgung und Armut fliehen, wurden demnach geschlagen, ausgeraubt und unmenschlich behandelt. Sie hatten zudem keinen Zugang zu einem fairen Asylverfahren, vielfach kam es zu Sammelausweisungen.

Die drei NGOs – Oxfam, das Belgrader Menschenrechtszentrum (BCHR) und der Mazedonische Verband junger Anwälte (MYLA) – fordern Serbien, Mazedonien, Kroatien, Ungarn und Bulgarien auf, menschenrechtliche Standards einzuhalten. Die EU müsse dafür Sorge tragen, dass völkerrechtliche und menschenrechtliche Verpflichtungen in Europa eingehalten werden.

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EU-Ratspräsident Donald Tusk hatte in jüngster Zeit die Grenzsicherung durch Mazedonien, Bulgarien und Slowenien ausdrücklich gelobt. Bulgarien nannte er das „beste Beispiel, wie unsere Grenzen zu schützen seien“, und Mazedonien dankte er für seine Anstrengungen beim Schließen der Balkan-Route.

Für den Bericht mit dem Titel „A dangerous ‚game'“ wurden 140 Menschen befragt, die in Serbien und der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien Zuflucht suchten. Alle berichteten von Misshandlungen. In Ungarn wurden dem Bericht zufolge Migranten gezwungen, sich nackt auszuziehen und in den Schnee zu setzen, während Polizisten kaltes Wasser über sie gossen.

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In Bulgarien nahmen Polizisten einer Gruppe von Menschen sämtliche Wertsachen ab und brachten sie zurück über die Grenze. Ein aus Afghanistan stammender Mann berichtet, gemeinsam mit anderen Flüchtlingen drei Tage ohne Essen in einer käfigartigen Zelle eingesperrt und mit Elektroschocks misshandelt worden zu sein.

Grenzpolizisten in Kroatien zwangen Migranten, ihre Kleidung und Schuhe auszuziehen und über die Grenze zurück nach Serbien zu laufen. Dabei schlugen die Polizisten die Migranten mit Knüppeln.

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