Nationalfeiertag in Frankreich: Zwischen Volksfest und befremdlichem Aufmarsch

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron während der Militärparade auf den Champs-Élysées am 14. Juli 2019. [EPA-EFE/IAN LANGSDON]

In Frankreich ist die Militärparade am 14. Juli nicht nur eine Tradition, sondern auch ein Ereignis mit Volksfest-Charakter. Inzwischen gibt es jedoch einige Stimmen, die eine Beendigung eines derartigen Militäraufmarsches fordern, der in den meisten anderen (west-) europäischen Demokratien eher ungewöhnlich ist und mit Befremden gesehen wird. Ein Artikel von EURACTIVs Medienpartner Ouest-France.

Seit wann wird auf den Champs-Élysées marschiert?

In Frankreich ist die Tradition der Militärparade am Nationalfeiertag fest verankert. 1880 wurde mit dem Raspail-Gesetz der 14. Juli zum Nationalfeiertag und auch zu einem gesetzlichen Feiertag gemacht.

Jedes Jahr im Sommer soll an die Erstürmung der Bastille am 14. Juli 1789 sowie an das Föderationsfest am 14. Juli 1790 erinnert werden, mit dem die Einheit der Nation symbolisiert wird. Tatsächlich ist eine Debatte zwischen Historikern entbrannt, welchem 14. Juli eigentlich gedacht wird oder werden sollte: 1789 oder 1790.

In jedem Fall hat sich der Ort der Parade mehrfach geändert. Von 1880 bis 1914 marschierten die Truppen auf der Pferderennbahn von Longchamp auf. Damals sprach man – wenig originell – von der Longchamp-Revue. Die erste Parade auf den Champs-Élysées fand indes 1918 statt, allerdings änderte sich der Veranstaltungsort bis 1979 immer wieder.

Seit 1980 wird die Parade jährlich auf der Pariser Prachtstraße abgehalten.

Argumente für die Parade

Eines der Hauptargumente für die Parade ist sicherlich, dass sie die Armee in Szene setzt. In der Tat wird die sogenannte Große Stumme (ein Spitzname, der sich aus der Tatsache ergibt, dass Militärangehörige zwischen 1872 und 1945 kein Wahlrecht hatten) selten in den Medien hervorgehoben.

Der 14. Juli bietet somit eine Gelegenheit, Menschen zu ehren, die ihr Leben im Dienste der Nation riskieren. Und natürlich auch, um neue Rekrutinnen und Rekruten anzuwerben.

Ihre Befürworter weisen außerdem darauf hin, dass die Parade die Möglichkeit bietet, die Armee in ihrer ganzen Vielfalt zu zeigen. In Frankreich werden beispielsweise auch Feuerwehrleute und Beamte der Gendarmerie zur Armee gezählt.

Die Parade ermögliche es darüber hinaus, bestimmte Einzelpersonen und Gruppen ins Rampenlicht zu rücken oder (mehr oder weniger) subtile Botschaften auszusenden. Man denke an die Einladung von Staatsoberhäuptern (wie Donald Trump im Jahr 2017) oder die Einbeziehung ausländischer Truppen in den Marsch.

Trump hat das Konzept offenbar so gut gefallen, dass er die Idee mit nach Hause nahm und am nächsten Fourth of July eine Militärparade in Washington veranstalten ließ. Wir wollen offenlassen, ob dies nun ein gutes Argument für die Parade in Frankreich ist.

Last but not least dient der Aufmarsch offenbar auch der Selbstversicherung: Der Historiker François d’Orcival erinnerte kürzlich daran, dass Frankreich eines der wenigen EU-Länder mit einer wirklich großen und schlagkräftigen Armee sei. Die Militärparade sei somit auch eine Gelegenheit, die Französinnen und Franzosen sowie den Rest der Welt an diese Tatsache zu erinnern.

Argumente gegen die Parade

Seit einigen Jahren werden jedoch Stimmen gegen den traditionellen Aufmarsch laut: Eva Joly hatte während des Präsidentschaftswahlkampfes 2012 angeregt, die Parade abzuschaffen. Dieser Vorschlag wurde von Philippe Poutoux während der letzten Wahlkampfkampagne erneut aufgegriffen.

In praktischer Hinsicht werden zunächst die Kosten (rund vier Millionen Euro) sowie die Schadstoffbilanz (viele Lastwagen, Flugzeuge und ähnliches schweres Gerät, das an diesem Tag durch die Pariser Innenstadt gefahren wird) ins Feld geführt.

Über diesen Aspekt hinaus wird jedoch vor allem die Ideologie hinter der Parade angeprangert: Die Tatsache, dass der Nationalfeiertag mit einer „Demonstration der Stärke, einer Zurschaustellung von Todesmaterial, einer Parade von mehr oder weniger medaillenbehängten, dümmlich-stramm stehenden Offizieren, die vor einem ganzen Stamm von Beamten, Machthabern und Grundbesitzern vorbeilaufen“, in Verbindung gebracht wird, entspreche nicht den Idealen der Französischen Revolution, so der Politiker und Gewerkschafter Philippe Poutou.

Brüderlichkeit und Gleichheit, die wir mit der Revolution von 1789 in Verbindung bringen, sehen anders aus, argumentiert er.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Tatsache, dass tatsächlich nur sehr wenige Demokratien der Welt derartige Militärparaden organisieren. Im Gegensatz dazu sind sie in autokratisch oder diktatorisch geführten Staaten deutlich verbreiteter. Dort scheint man es für notwendig zu halten, die militärische Stärke der Nation – in manchmal unverhältnismäßigen Proportionen -zur Schau zu stellen.

Nordkorea, China, Vietnam, der Iran, Russland, die Türkei, Kuba oder Venezuela haben neben Frankreich sicherlich einige die bekanntesten Militärparaden zu bieten.

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