Fünf Tote in Trier – Fahrer war mit 1,4 Promille unterwegs

In Trier ist am heutigen Dienstagnachmittag ein Auto mit sehr hoher Geschwindigkeit durch die Fußgängerzone gefahren. [Heiko Barth/shutterstock]

In Trier hat ein Mann mit seinem Auto mehrere Menschen getötet und verletzt. Die Ermittler gehen nicht von einem politischen oder religiösen Motiv aus.

Dies ist ein Artikel von EURACTIVs Medienpartner Der Tagesspiegel.

Ein Mann hat mit einem Auto in einer Fußgängerzone in Trier am Dienstagnachmittag fünf Menschen getötet, darunter ein neuneinhalb Wochen altes Kleinkind. 14 Personen wurden verletzt. Das teilte die Polizei am Abend mit.

Der Fahrer des SUV wurde festgenommen. Es handelt sich hierbei um einen 51-jährigen Deutschen aus dem Ort Kordel im Kreis Trier-Saarburg. Das Tatfahrzeug war geliehen; auch bei dem Halter handelt es sich um einen Deutschen. Sicherheitskreise nannten den Namen Bernd Walter W. In den vergangenen Tagen soll er sich nicht in seiner Wohnung, sondern im Fahrzeug aufgehalten haben, teilte die Polizei mit. Der Mann war demnach alkoholisiert (1,4 Promille) unterwegs.

Es gebe Anhaltspunkte für ein psychiatrisches Krankheitsbild, sagte der leitende Oberstaatsanwalt Peter Fritzen am Abend. Ein Arzt habe den Mann begutachtet, es werde vermutlich ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben. Keine Anhaltspunkte gebe es für ein „irgendwie terroristisch geartetes“, politisches oder religiöses Motiv.

„Vier Minuten nach Ersthinweis“ sei der Mann festgenommen worden. Das sagte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD). Ein Polizeisprecher ergänzte, der Fahrer sei „durch Kräfte des Polizeipräsidiums angehalten und überwältigt werden“. Geäußert hat sich der Fahrer den Angaben zufolge bislang nicht.

Mehrere hundert Einsatzkräfte sicherten am Nachmittag Spuren in der Innenstadt. Die Innenstadt soll bis in die Abendstunden abgeriegelt bleiben. Laut Polizei besteht keine Gefahr mehr.

Der Fahrer sei gegen 13.54 Uhr in die Fußgängerzone gerast, sagte Konz dem Tagesspiegel. Zwei Minuten später sei der erste Notruf eingegangen. Kollegen in zwei Polizeifahrzeugen hätten den SUV gestoppt. Der festgenommene Fahrer sei nicht verletzt, aber auch noch nicht vernommen worden.

Im Video eines Anwohners, das im Internet kursiert, ist zu sehen, wie Polizisten in Zivil den Fahrer am Boden festhalten. Ein Polizeifahrzeug hatte den SUV von links gerammt. In Medienberichten heißt es, der Mann habe sich gegen die Festnahme gewehrt.

Fahrer hinterließ eine Spur der Verwüstung

Zwei Polizeihubschrauber kreisten nach dem Vorfall über der Stadt. Bei dem Fahrzeug handelt es sich um einen Geländewagen, einen Range Rover.

Augenzeugen berichteten, dass Menschen durch die Luft geschleudert worden seien. „Wir sehen solche Bilder im Fernsehen ganz oft und denken das kann bei uns nicht passieren“, sagte Wolfram Leibe, Bürgermeister in Trier. „Jetzt ist es auch in Trier passiert.“ Und weiter: „Alle sind damit beschäftigt, Verletzte und Schwerstverletzte im Moment in die Krankenhäuser zu bringen“, sagte Leibe.

Er sei nach dem Vorfall durch die Innenstadt gelaufen. „Es war einfach nur schrecklich“, sagte er und schilderte, wie er einen Turnschuh eines Kindes gesehen habe. Das Kind sei wahrscheinlich tot.

In Sicherheitskreisen hieß es, zu W. gebe es keine polizeilichen Erkenntnisse. Eine Krankheit wie Epilepsie sei möglich oder ein diabetischer Schock. Im SUV sei Insulin gefunden worden.

In Kordel war zu erfahren, Bernd Walter W. habe nur kurz im Ort gewohnt. Er sei im September 2019 in ein Appartement gezogen und habe es im April 2020 wieder verlassen. Bernd Walter W. habe alleine gewohnt.

Hubschrauber kreiste über der Stadt

„Es kommen die furchtbaren Bilder vom Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt hoch“, sagte ein Sicherheitsexperte dem Tagesspiegel. Fast genau vor vier Jahren, am 19. Dezember 2016, war der Islamist Anis Amri mit einem gekaperten Lkw in den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz gefahren. Bei dem Anschlag starben zwölf Menschen, mehr als 50 wurden verletzt.

Die rheinland-pfälzischen CDU-Politiker Julia Klöckner und Christian Baldauf äußerten sich schockiert und betroffen. Sie seien erschüttert über die „Amokfahrt“, teilten die CDU-Landeschefin und der CDU-Landtagsfraktionschef mit. „Unsere Gedanken sind bei den Verletzten vor Ort. Wir trauern mit den Angehörigen der Toten“, erklärten sie.

„Was in Trier geschehen ist, ist erschütternd“, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter. „Die Gedanken sind bei den Angehörigen der Todesopfer, bei den zahlreichen Verletzten und bei allen, die in diesem Moment im Einsatz sind, um die Betroffenen zu versorgen.“

Im Februar hatte im nordhessischen Volkmarsen ein 29 Jahre alter Deutscher sein Auto absichtlich in die Menge gesteuert. Dutzende Menschen wurden verletzt. 2019 hatte ein 50-Jähriger in Bottrop in der Neujahrsnacht gezielt Menschen angefahren. Er wurde in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen. In Münster war 2018 ein Mann mit seinem Campingbus in eine Gruppe gerast, es gab fünf Tote. Der Täter erschoss sich, die Ermittler gehen von einer psychischen Erkrankung aus.

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