Marode Brücken auch in Deutschland

Marode Brücken sind keine italienische Besonderheit. [https://www.shutterstock.com/de/g/dmitry%20maltsev]

Nach dem Brücken-Unglück in Genua warnt ein Experte, dass auch in Deutschland viele Brücken marode seien. „Unsere Brücken verrotten gefährlich, ein Einsturzrisiko kann inzwischen nicht mehr ausgeschlossen werden“, sagte der Brücken-Architekt Richard Dietrich am heutigen Mittwoch.

Dietrich sieht vor allem im überwiegend verwendeten Werkstoff Beton ein Problem. Schäden würden dadurch erst spät sichtbar: „Wenn der Beton Risse hat, durch die Feuchtigkeit eindringt, löst sich irgendwann der Zement auf, dadurch rostet die freigelegte Stahlbewehrung, und spätestens dann leidet die Stabilität“, erläuterte der Bauingenieur. Dietrich plädiert für die Rückkehr zu Stahlbrücken, die deutlich langlebiger und weniger anfällig für Schäden seien.

„Aber die Betonindustrie ist ein gut funktionierendes Kartell in Deutschland, das sich sogar an den Universitäten durchgesetzt hat“, kritisierte Dietrich. „Dort lernen die angehenden Ingenieure, nur noch mit diesem Werkstoff zu bauen“. Das umzukehren brauche Zeit und ein Umdenken bei vielen, die daran nicht sonderlich interessiert seien.

Die Morandi-Brücke in Genua – ein Problembau

Beim Einsturz einer Autobahnbrücke in Genua starben mehr als 35 Menschen. Die genauen Gründe für das Unglück sind noch unklar. Heftige Kritik gibt es aber am Konstrukteur.

Seit Jahren  klafft in Deutschland eine immense Investitionslücke. Auch die EU-Kommission beklagt Jahr für Jahr in ihrem Analysen ein zu geringes Level an öffentlichen Investitionen in Deutschland. Das schlägt sich unter anderem in maroden Brücken nieder. Aber auch heruntergekommene Schulgebäude sind ein beliebtes Beispiel. Dabei weißt der Bundeshaushalt regelmäßig Überschüsse auf und das Zinsniveau im Falle einer Kreditaufnahme des Bundes ist auf historischem Tiefstand. An den finanziellen Möglichkeiten liegt es also nicht.

In diese Wunde legte nach der Katastrophe von Genua auch der Linken-Politiker Fabio de Masi den Finger: „Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei den Opfern der eingestürzten Autobahnbrücke in Genua. Wir kennen die Ursachen noch nicht. Aber eines ist sicher: So etwas darf in Europa nicht passieren. Und: Kürzungspolitik und Investitionsstau bei wichtiger Infrastruktur können töten“, sagte er.

Gabriel mahnt massive Investitionen für Europa an

Sigmar Gabriel (SPD) fordert, die Außen- und Entwicklungspolitik Deutschlands von 15 auf 20 Prozent anzuheben. Angesichts einer neuen, euroskeptischen Regierung in Italien müsse Deutschland internationale Ordnungsmacht sein.

Übersieht der Juncker-Plan kleinere Infrastrukturprojekte?

EU-Offizielle warnen: Der Juncker-Investitionsplan könnte Darlehen bevorzugt an große Infrastrukturprojekte verteilen und kleine, lokale Projekte auslassen. EURACTIV Brüssel berichtet.

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