Macron zeigt Volksnähe, Le Pen präsidiale Qualitäten

Seit den Kundgebungen letzter Woche haben die beiden Kandidaten ihre Medienpräsenz reduziert, um sich auf die Debatte vorzubereiten, die sie am Mittwochabend (20. April) führen werden und die auf TF1 und France 2 übertragen wird. [EPA-EFE/Mohammed Badra]

Fünf Tage vor der Stichwahl der französischen Präsidentschaftswahlen verfolgen die beiden verbliebenen Kandidat:innen gegensätzliche Strategien. Die rechtsextreme Kandidatin Marine Le Pen will als „Präsidentenmaterial“ angesehen werden, während Präsident Emmanuel Macron die Nähe zum Volk sucht. EURACTIV Frankreich berichtet.

Dem Volk näher rücken

Macron erweckt bei vielen – auch bei seinen Gegnern auf allen Seiten – den Eindruck, er sei realitätsfremd und könne die Sorgen der gewöhnlichen Bürger:innen des Landes nicht nachempfinden.

Aus diesem Grund hat Macron lange Kundgebungen in ganz Frankreich abgehalten, auch in Regionen, die seine Kandidatur nicht befürwortet haben. Am Tag nach seinem Sieg in der ersten Runde sprach er 10 Stunden lang zu den Bewohnern der Region Hauts-de-France, die mit überwältigender Mehrheit für Le Pen gestimmt hatten. Er ging auch nach Le Havre, einer Gemeinde, die den linksradikalen Kandidaten Jean-Luc Mélenchon unterstützte, um über Themen wie Umwelt und Industrie zu sprechen.

Seitdem hat er diesen Vorgang fast jeden Tag an verschiedenen Orten wiederholt und jedes Mal Interviews mit dem regionalen Radio oder der Presse gegeben – eine Möglichkeit, den Wählern so nahe wie möglich zu kommen, um seine Bilanz und seine Projekte im Falle einer Wiederwahl zu erläutern.

Kameras sind natürlich immer in der Nähe – so kann der Präsident zeigen, dass er nicht der „Präsident der Reichen“ ist, ein Spitzenbeamter und Investmentbanker, der von der Realität abgekoppelt ist, wie ihm viele vorgeworfen haben.

„Präsidentenmaterial“

Für Le Pen liegen die Prioritäten ganz woanders, denn sie wird weithin – zu Recht oder zu Unrecht – als bürgernah wahrgenommen und hat deutlich gemacht, dass sie sich um die Alltagsprobleme und die Kaufkraft ihrer Mitbürger:innen sorgt.

Im Vergleich zu Macron scheint Le Pen jedoch nicht das nötige Händchen für das Amt des Präsidenten zu haben, so die Meinung eines Großteils der öffentlichen Meinung und vieler Kommentatoren.

Nach der ersten Runde gab Le Pen daher lange Pressekonferenzen ab, um zu zeigen, dass sie das Zeug hat, Präsidentin zu werden, und um die Zuhörer davon zu überzeugen, dass sie sich mit den Fragen, mit denen sie im Falle ihrer Wahl konfrontiert werden würde, gut auskennt – einschließlich Themen wie Außenpolitik, Diplomatie und Regierungsführung.

In den darauffolgenden Tagen vervielfachte Le Pen ihre Reisen in Gebiete, die in der ersten Runde mit überwältigender Mehrheit für sie gestimmt hatten. Es schien, als wolle sie die Stimmung mit jubelnden Menschenmassen und einer Volksbegeisterung rund um ihre Kandidatur prägen.

Macron und Le Pen steuern auf spannende Stichwahlen am 24. April zu

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und seine Herausforderin Marine Le Pen qualifizierten sich am Sonntag (10. April) für die voraussichtlich sehr hart umkämpfte Stichwahl bei den Präsidentschaftswahlen am 24. April, bei der ein pro-europäischer Wirtschaftsliberaler gegen eine rechtsextreme Nationalistin antritt.

Vorbereitung auf die wichtigste Fernsehdebatte

Seit den Kundgebungen letzter Woche haben die beiden Kandidaten ihre Medienpräsenz reduziert, um sich auf die Debatte vorzubereiten, die sie am Mittwochabend (20. April) führen werden und die auf TF1 und France 2 übertragen wird.

Le Pen, die im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen zu mehreren Fernsehauftritten gekommen war, hat sich seit Montagmittag (18. April) aus dem Rampenlicht zurückgezogen, um sich mithilfe von Berater:innen von zu Hause aus auf die Debatte vorzubereiten.

Ziel ist es, Fehler wie bei den Präsidentschaftswahlen 2017 – als sie in der Stichwahl ebenfalls gegen Macron antrat – zu vermeiden, als sie in einigen politischen Fragen etwas ungeschickt und sogar unbehaglich wirkte.

Um die Wähler:innen dieses Mal zu überzeugen, wird sie zeigen müssen, dass sie der Aufgabe gewachsen, glaubwürdig und bereit zum Regieren ist. Für Le Pen hängt also alles am Fernsehduell.

Macron fuhr auch seine Medienpräsenz herunter, arbeitete jedoch weiter an aktuellen Themen als Präsident.

Zwischen einer Videokonferenz mit anderen Staatsoberhäuptern zwecks der Ukraine (19. April) und dem letzten Ministerrat seiner fünfjährigen Amtszeit am Mittwoch besteht kaum die Hoffnung, entspannt und bereit für die Debatte am Mittwoch zu sein.

Die Debatte ist umso wichtiger, als es noch viele Unentschlossene und potenzielle Stimmenthalter gibt und die aktuellen Umfragen den Abstand zwischen beiden Kandidat:innen als gering einstufen.

Ihr Auftritt im Fernsehen könnte also entscheidend für die Wahlentscheidung werden, denn jeder Fehltritt oder Ungeschicklichkeit wäre schwer wieder gutzumachen, wenn der Wahltag vor der Tür steht.

Le Pen ist eine "Deutschlandhasserin"

Ein Einzug der Rechtsaußen-Kandidatin Le Pen in den Pariser Élysée-Palast hätte dramatische Folgen für Europa und das deutsch-französische Verhältnis, warnt der Politikwissenschaftler Joachim Schild im Interview mit EURACTIV Deutschland.

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