Macron und Le Pen steuern auf spannende Stichwahlen am 24. April zu

Die große Mehrheit der Kandidat:innen, die die Wahl verloren haben, riefen ihre Anhänger:innen auf, entweder den amtierenden Präsidenten zu unterstützen oder Marine Le Pen abzulehnen. [Esther Snippe]

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und seine Herausforderin Marine Le Pen qualifizierten sich am Sonntag (10. April) für die voraussichtlich sehr hart umkämpfte Stichwahl bei den Präsidentschaftswahlen am 24. April, bei der ein pro-europäischer Wirtschaftsliberaler gegen eine rechtsextreme Nationalistin antritt.

Nachdem 97 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang ausgezählt wurden, kamen die Hochrechnungen am Montag auf 27,4 Prozent für Macron und 24 Prozent für Le Pen.

Die Kandidatinnen der traditionellen Regierungsparteien Frankreichs – die Sozialisten und die Republikaner – waren unterdessen auf dem besten Weg zu einer demütigenden Niederlage und einem historisch niedrigen Wahlergebnis.

Obwohl Macron erst spät in den Wahlkampf einstieg und nur eine einzige Kundgebung abhielt, schnitt er etwas besser ab als erwartet und gewann im Vorfeld der Stichwahl sofort die Unterstützung der meisten seiner unterlegenen Rivalen.

„Machen Sie keinen Fehler: Nichts ist entschieden“, sagte er vor jubelnden Anhänger:innen in seiner Wahlkampfzentrale. „Die Debatte, die wir in den nächsten vierzehn Tagen führen werden, wird für unser Land und Europa entscheidend sein.

Er fügte hinzu: „Wenn die Rechtsextremen mit all ihren Formen in unserem Land so stark sind, kann man nicht sagen, dass die Dinge gut laufen.“

Le Pen, die bis zum Einmarsch in die Ukraine ein offener Bewunderer des russischen Präsidenten Wladimir Putin war, hatte monatelang Städte und Dörfer in ganz Frankreich bereist. Sie konzentrierte sich auf die Lebenshaltungskosten, die Millionen von Menschen beunruhigen, und machte ihrem Ärger über die Machthaber Luft.

Die meisten Kandidat:innen riefen ihre Wähler:innen auf, sich Marine Le Pen in den Weg zu stellen. Doch das könnte diesmal nicht ausreichen, denn Umfragen prognostizieren bereits ein enges Wettrennen zwischen Macron und der rechtsextremen Politikerin.

Der übliche „Cordon sanitaire“, der rechtsextreme Parteien von der Macht fernhält, wird in der zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen auf die Probe gestellt.

Sowohl Éric Zemmour als auch Nicolas-Dupont Aignan haben in ihren Reden in der ersten Runde die Parteivorsitzende des Rassemblement national unterstützt. Zusammen haben die Rechtsaußenparteien den Schätzungen zufolge etwa ein Drittel aller Stimmen erhalten.

„Gegen Marine Le Pen tritt ein Mann an, der 2 Millionen Einwanderer ins Land geholt hat“, sagte Zemmour und fügte hinzu, dass er „keinen Fehler in Bezug auf [seinen] Gegner machen wird“ und appelliert an seine Wähler:innen, Le Pen ihr Vertrauen zu schenken.

„Mit den Stimmen von Éric Zemmour sind wir die erste politische Familie im Land“, sagte ein langjähriger RN-Anhänger gegenüber EURACTIV.

Die Hochrechnungen von gestern Abend haben bestätigt, dass Macron’s Sieg beim zweiten Wahlgang gegen Le Pen alles andere als sicher ist. Die Ifop-Fiducial-Umfrage für die Fernsehsender LCI und TF1 sieht Macron lediglich zwei Prozentpunkte vor seiner Rivalin.

Im Jahr 2017 hatte Emmanuel Macron einen erdrutschartigen Sieg errungen und in der Stichwahl 66 Prozent der Stimmen erhalten.

Gemeinsame Front gegen Le Pen 

Die große Mehrheit der unterlegenen Kandidat:innen forderte ihre Anhänger:innen auf, entweder den amtierenden Präsidenten zu unterstützen oder Marine Le Pen abzulehnen.

Die sozialdemokratische Kandidatin Anne Hidalgo rief als erste dazu auf, in der Stichwahl „gegen die extreme Rechte“ zu stimmen, „damit Frankreich nicht in den Hass aller gegen alle kippt“.

„Das Projekt von Marine Le Pen würde das Land in Zwietracht, Ohnmacht und in den Bankrott führen. Ihre historische Nähe zu Wladimir Putin diskreditiert sie bei der Verteidigung der Interessen unseres Landes in den tragischen Zeiten, in denen wir leben“, erklärte die Kandidatin von Les Républicains, Valérie Pécresse, und gab bekannt, dass sie in zwei Wochen für Emmanuel Macron stimmen werde.

Der Grüne Yannick Jadot rief ebenfalls zu einem „Sperrfeuer gegen die Rechtsextremen auf, indem ein Stimmzettel für Emmanuel Macron in die Wahlurne gelegt wird“. Er sagte, er zähle nun auf ihn, um „die Bedingungen für eine Kundgebung zu schaffen, um die Rechtsextremen zu besiegen“.

Auch der linke Parteivorsitzende Jean-Luc Mélenchon, der sich zuvor bei der Unterstützung Macrons noch zurückhaltend gezeigt hatte, hat sich klar geäußert. „Wir dürfen Frau Le Pen nicht eine einzige Stimme geben!“, sagte er zu seinen Anhänge:innen.

Die Wahl vom Sonntag bestätigte hingegen der vorhergesagte Tod der traditionellen Parteien des Landes

Weder Pécresse noch Hidalgo haben es unter die ersten vier geschafft. Besonders hart traf es die Sozialdemokraten, die nicht einmal 2 Prozent der Stimmen erhalten haben.

Der Wahlkampf wurde vom Krieg in der Ukraine überschattet, während die steigenden Preise die Lebenshaltungskosten zum wichtigsten Thema für die Bürger:innen gemacht haben.

Das Ergebnis der zweistufigen Wahl wird erhebliche Auswirkungen auf die Europäische Union haben, die Le Pen nach eigenen Angaben radikal reformieren will.

Sie hat auch erklärt, dass sie sich aus dem gemeinsamen Militärkommando des US-geführten NATO-Militärbündnisses zurückziehen wolle.

Macron sagte am Sonntag: „Ich will ein Frankreich, das sich in ein starkes Europa einordnet, das weiterhin Bündnisse mit den Demokratien der Welt eingeht, um sich zu verteidigen.“

„Nicht ein Frankreich, das, sobald es Europa verlässt, nur noch die internationale Allianz der Populisten und Fremdenfeinde als Verbündete hat. Das sind nicht wir.“

[Bearbeitet von Georgi Gotev]

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